Podcast | Folge: 141 | Dauer: 42:28

Wie sexistisch ist der deutsche Fußball, Tabea Kemme?

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[00:00:01.700] - Tabea Kemme 

Ich hatte vor vier Wochen mit einem alkoholisierten Mann eine Situation in einem Zug - sehr unangenehm! Alkoholisiertes Pärchen ist in den Zug rein. Es war proppevoll. Ich stand da, habe schon meinen Rechner aufgemacht, weil ich ein bisschen Backoffice machen wollte. Und er stand dann so vor mir, so lallend und so. Und ich meinte so: Okay, es gibt zwei Wege, für die du dich jetzt entscheiden kannst. Entweder da lang oder da lang. Und dann machte er sich so groß und ich merkte schon so: Okay, warte mal, du dringst in meine Sphäre ein. Ich habe ihn einfach weggeschubst. Ich lasse das nicht über mich ergehen und bekomme diesen Freeze-Moment, den ich damals mit 16 hatte. Ich handle jetzt.

[00:00:36.510] - Nadia Kailouli 

Hi, herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert. Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst! 

Die Frau, die ihr gerade gehört habt, ist U20-Weltmeisterin, Champions-League-Siegerin, Olympiasiegerin, vierfache deutsche Meisterin und ich freue mich riesig, dass sie heute zu uns gekommen ist: Tabea Kemme. Einen echten Fußballstar wie Tabea sollte eigentlich jeder kennen, der sich nur ein bisschen für Fußball interessiert - sollte man jedenfalls meinen. Aber die Profis des FC Bayern München sehen das anscheinend nicht so. Was war da los? Vor vier Wochen ist Tabea gemeinsam mit drei anderen Ex-Nationalspielern als TV-Kommentatorin bei einem Champions-League-Spiel des FC Bayern im Einsatz. Danach geht ein kurzes Video viral. Darin zu sehen: Mehrere Spieler des FC klatschen die TV-Experten am Spielfeldrand ab - alle außer Tabea. Im Netz schlägt das Video eine große Welle. Viele meinen, das war echt daneben. Und das besprechen wir heute mit ihr, mit Tabea Kemme. 

Herzlich willkommen bei einbiszwei, Tabea Kemme! Schön, dass du da bist.

[00:01:49.930] - Tabea Kemme 

Ja, moin.

[00:01:50.590] - Nadia Kailouli 

Moin, ne? Das ist so schön. Wir haben uns gerade eben schon mit so einem Moin...Da hast du dich so gefreut, weil ich habe lange in Hamburg gelebt. Du kommst auch aus Norddeutschland.

[00:01:57.150] - Tabea Kemme 

Ja, frische Brise kennen wir.

[00:01:58.290] - Nadia Kailouli 

Das verbindet sofort.

[00:02:00.360] - Tabea Kemme 

Ja, ja!

[00:02:00.420] - Nadia Kailouli 

Super. Tabea, nicht nur in Norddeutschland, sondern in ganz Deutschland sollte man dich vor allem kennen, weil du eine Wahnsinns-Sportkarriere hingelegt hast. Nichtsdestotrotz hast du zuletzt Aufmerksamkeit bekommen, nicht unbedingt wegen deiner sportlichen Leistung, sondern wegen was anderem. Magst du diese Szene einmal erzählen, was da auf einem Fußballplatz passiert ist, wo sämtliche Bayern-Spieler ja an dir vorbeigegangen sind, ohne eben dir die Hand zu geben? Was war das genau für ein Szenario?

[00:02:26.790] - Tabea Kemme 

In dem Szenario, in dem Ausschnitt von dem Video hat man ja gesehen, dass wir Experten, also ich bin die einzige als einzige Expertin mit an dem Tisch quasi. Wir stehen immer am Platz und von da aus haben wir quasi die Moderationsfläche. Und es war Abpfiff, die Bayern-Spieler gehen in die Kurve, feiern sich noch mal. Und dann gab es dieses Szenario, dass einige Spieler zu Mats Hummels und Chris Kramer gegangen sind, sich begrüßt hatten und außen vor stand der Moderator Jonas Friedrich und meine Wenigkeit. Und dann kam Serge Gnabry zu mir, hat mir per Handschlag Hallo gesagt und Nicolas, der war auch noch letztlich der Spieler, also zwei Spieler. Und das war ein Moment, wo ich...Ich kenne den Moment halt. Das ist so, ich muss selber immer noch mal kurz gucken: Was ist da passiert? Weil das für mich so alltäglich ist, dass die Wege sich nicht kreuzen zwischen Fußballer und Fußballerinnen, weil das halt systemisch voneinander ferngehalten wird. Dann haben wir jetzt das Momentum gehabt, wo sich die Wege kreuzen und man weiß nicht so voneinander, wie geht man jetzt miteinander um? Und ich habe in diesem Moment schon gemerkt...Ich meine, ich kenne diese Situation, als aktive Spielerin schon sehr oft erlebt. Und die Sensibilisierung in der Gesellschaft heutzutage, das braucht ja nur so einen kleinen Nadelstich und schon ist eine Empörung, eine Wut da, ein Unverständnis für gewisse Situationen. Und ich glaube, das war auch in dem Moment, was ich schon direkt beschrieben habe als so ein Störgefühl. Ich so, ah, das wird ein Nachspiel haben. 

[00:03:50.870] - Nadia Kailouli 

Und fandest du das, also war das als Störgefühl so nach dem Motto: Ja, jetzt ist es mal wieder sichtbar geworden, jetzt könnt ihr es selber sehen. Oder so: Ja, Leute, wir brauchen uns doch darüber gar nicht aufregen, nur weil es jetzt...Also das ist doch klar, dass das so ist. Ist doch schon die ganze Zeit so, dass man als Frau in der Männer-Fußballwelt, obwohl man den gleichen Sport macht, eher ignoriert wird als anerkannt wird.

[00:04:12.670] - Tabea Kemme 

Es ist nur, ich glaube, das ist eher dieses so: Ja, jetzt seht ihr mal, was unser Daily Business ist bzw. was unter anderem meine Rolle ist, auch immer den Weg zu gehen, auf meine männlichen Kollegen zuzugehen, den Kontakt zu suchen, weil wir sind halt, wir arbeiten im gleichen Business. Sowohl, ich meine, ich habe es erlebt, meine letzte Destination war Arsenal London. Und da waren wir 2018 so weit, dass sich die Wege gekreuzt haben, weil wir das gleiche Gym hatten. Wo dann aber auch der General Manager von der Academy uns Frauen ganz klar signalisiert hat, ausgesprochen hat: Hey, ihr solltet nicht die Wege gehen, wo die U23 lang geht, weil die sollen sich auf Fußball konzentrieren. Und wir aber direkt gekontert haben: So, hey, what? Spinnst du? So, ich gehe den Weg, den ich hier gehen will. Ich trage das Logo auf der Brust, wir sind ein Verein. Also, und das ist, glaube ich, das muss man verstehen, dass das die Rolle ist, gerade im Fußball, dass wir Frauen gerade systemisch arbeiten, das aufzubrechen. Alleine nur mit unserer Präsenz. Wir machen ja nichts, ich bin einfach nur da gewesen. Ich habe nichts gesagt, nichts getan, ich stehe einfach nur da und boom, so ein Effekt.

[00:05:20.790] - Nadia Kailouli 

Jetzt würde ich gerne mal mit dir in die Rolle der Fußballspieler gehen. Die Jungs vom FC Bayern, die dann über den Platz gegangen sind, sich gefeiert haben, die kennen natürlich Mats Hummels. Ja, man könnte meinen, wer sich mit dem Profisport des Fußballs auseinandersetzt, sollte auch Tabea Kemme kennen, weil du eben ja Weltmeisterin, Olympiasiegerin, Champions-League-Gewinnerin und und und bist. Also du bist ja jetzt nicht irgendeine, ich sage jetzt mal blöd, irgendeine Fußballerin, sondern du bist eben auch auf der Ebene von Mats Hummels, eine Weltmeisterin. Ist es so, dass die dich nicht kennen, weil die sich mit dem Frauenfußball nicht auseinandergesetzt haben? Oder ist es so, dass die unsicher sind: Hä, was macht jetzt Tabea hier? Na ja, Tabea und ich kennen uns ja nicht so wie Mats und ich, weil Mats und ich haben schon mal in der Kabine zusammen gechillt. Habe ich mit Tabea halt noch nicht gemacht. Und deswegen checke ich jetzt bei Mats die Hand, aber nicht bei Tabea. Oder was glaubst du, was ist da im Kopf der Kollegen?

[00:06:16.670] - Tabea Kemme 

Ich meine, aus einer Perspektive kenne ich das ja selber. Es ist Abpfiff, du hast das Spiel gewonnen, du bist auch irgendwie am Limit von der Belastung. Dann willst du noch mit deinen Fans feiern, weil es war ja auch ein großartiges Spiel. Es waren viele Emotionen, die Freude, das willst du tanzen, das feierst du. Und dann zigtausend Menschen, also da prasselt so viel auf dich ein und dann siehst du gewisse Dinge auch nicht. Fair enough, völlig fair enough. Die Ursache darin ist eine ganz andere und die liegt einfach in der Erziehung der Fußballerin, des Fußballers, dass du mit jungen Jahren in diese Eindimensionalität der Struktur rutschst. Also ich sage mal explizit Fußball männlich in jungen Jahren, die Nachwuchsleistungszentren, wo vielleicht mal das höchste der Gefühle ist, wo sie so einer Frau begegnen, ist eine Physiotherapeutin oder eine Teammanagerin, die halt hinten alles irgendwie regelt, das, was wir am Ende gar nicht sehen. Und letztlich, dass sich die Wege kreuzen mit der Fußballerin, das passiert ja nicht, weil das außen vorgehalten wird. Weil es ja auch, ich meine, die Aussagen habe ich selber, sind mir entgegengeflogen, dieses: Die Jungs sollen sich auf ihren Fußball konzentrieren. Also du nimmst ihnen quasi eigentlich so einen Social Skill, den sie...

[00:07:26.570] - Nadia Kailouli 

So nach dem Motto, sobald eine Frau hier am Spiel ist, dann können sich die Jungs nicht mehr konzentrieren.

[00:07:30.410] - Tabea Kemme 

Genau! Das wird dir dann von so einem General Manager erzählt.

[00:07:33.230] - Nadia Kailouli 

Das ist natürlich auch ein sehr schönes Eingeständnis in deine Geschlechterwelt, lieber General Manager. Nach dem Motto: Die Männer können sich ja eigentlich nicht zusammenreißen, wenn eine Frau am Platz ist.

[00:07:42.560] - Tabea Kemme 

Genau, dieses Vorurteil. Das wird dir schon in den jungen Jahren nahegelegt. Und wir müssen beide Seiten, sowohl männlich, weiblich verstehen. Und deswegen sehe ich dann natürlich die Situation auch. Ich meine, warum gibt mir ein Serge Gnabry die Hand? Weil wir Rio, Olympia 2016 zusammen erlebt haben. Da war eine Schnittstelle. Wir saßen halt in der Mensa im Olympischen Dorf, saßen wir zusammen und haben nach der Feier im Deutschen Haus mit Hansi Flick und co haben wir da Pizza gegessen.

[00:08:15.870] - Nadia Kailouli 

Und ihm ist nichts passiert. Er konnte weiter Fußball spielen.

[00:08:21.670] - Tabea Kemme 

Ja, genau. Also ich glaube, da liegen einfach so viele Möglichkeiten, dass wir diese Sportart, die wir irgendwie alle lieben, gemeinsam ausführen können. Und dann habe ich auch ganz andere Connecting Points. Dann sehe ich mal den Weg als Spielerin. Wir werden ja betrachtet wie zwei komplett unterschiedliche Sportarten. Wie willst du da eine Schnittstelle schaffen, wenn es halt außen vor gehalten wird.

[00:08:42.920] - Nadia Kailouli 

Also können wir festhalten, wir können jetzt den anderen Kollegen vom FC Bayern nicht vorwerfen, dass sie Sexisten sind, dass sie dir mit Absicht nicht die Hand geben wollten.

[00:08:51.200] - Tabea Kemme 

Nein, absolut nicht.

[00:09:42.110] - Nadia Kailouli 

Nicht, dass das jetzt so rüberkommt, sondern einfach, dass das halt einfach so eine unneutrale oder nicht neutrale Ebene ist, weil sie eigentlich in ihrer ganzen Profifußballkarriere überhaupt gar nicht irgendwie reingeführt worden sind in: Hey, es gibt auch Frauen in unserem Sport und wir vernetzen uns immer mehr und so. Ich meine, das passiert ja jetzt so ein bisschen. Ja, du bist Kommentatorin, finally, ja, und kommentierst halt die Spieler, also die Spiele der Männer. Wir haben jetzt eine Schiedsrichterin, mehrere Schiedsrichterinnen, wir haben eine Trainerin jetzt und so. Aber nichtsdestotrotz passiert ja immer noch irgendwas in dieser Branche, wo man ganz klar Unterschiede macht zwischen Frauen und Männern. Und du hast ja eben gesagt: Hey, klar sind die Leute jetzt schockiert, wenn sie das so sehen, wenn es dann mal auf Video ist. Aber es ist eigentlich nichts Neues.

[00:09:42.363] - Tabea Kemme 

Genau.

[00:09:42.711] - Nadia Kailouli 

Was sind so andere Erlebnisse, die du teilen kannst, die du du als Fußballerin in dieser Branche erlebt hast aufgrund deines Geschlechts?

[00:09:51.250] - Tabea Kemme 

Diskriminierung im Sinne von, ich hätte keinen Wert. Ich habe als Spielerin nicht den Wert wie...den Wert eines Mannes mit dem Bundesadler auf der Brust. Also unter dem Namen, oder ich spiele für die Nation, für den DFB, vertrete das Land, und mir wird suggeriert, ich habe den Wert nicht, und dementsprechend kriege ich die Bezahlung auch nicht von Seiten des Verbandes - Prämienzahlung beispielsweise.

[00:10:13.470] - Nadia Kailouli 

Ich wollte gerade sagen, weil in dem finanziellen Bereich ist das ja tatsächlich eine Wahrheit, ja, dass dein Wert ein anderer ist als ein Mann, dass du halt lange nicht die Gagen bekommst im Profisport wie Männer.

[00:10:24.450] - Tabea Kemme 

Ja, und vor allem, ich meine, man muss ja auch gucken, wo liegt die, also wo liegt mit eine Ursache? Zum einen muss man ja ganz klar sagen, auch vom Verband, wir reden hier von dem weltstärksten Verband, das ist der DFB, der zu den früheren Jahren bis zu den 70ern rein uns Frauen das Fußballspielen verboten hat aufgrund unserer körperlichen Konstitution. Man wäre nicht, der Körper wäre nicht fähig für diese Sportart, für das Ausüben dieser Sportart Fußball. So, wir reden hier von über 20 Jahren und da hat sich natürlich die Marke des Männerfußballs exorbitant entwickelt. Wo ich, also ich meine, es gab einige Vereine, wo die Frauen gesagt haben, wir machen das halt einfach undercover, heimlich, also quasi das Gesetz gebrochen. Und da kommen wir her. Wir kommen immer noch in diesen ganzen Verhandlungsthemen, wie jetzt beispielsweise von Seiten Mannschaftsrat, Nationalspielerinnen. Wir verhandeln ja dann quasi unsere Prämien, unsere Persönlichkeitsrechte, Marketingrechte. Und da wird uns auch immer suggeriert: Ja, aber ihr bringt da nicht das ein, was die Männer einbringen. Ja, aber wenn ihr die Position Marketingbeauftragte eins zu zehn besetzt, also sagen wir mal, eine Person ist im Marketingbereich der Frauen zuständig, zehn sind es bei den Männern....natürlich hast du einen ganz anderen Output. So, und da ist dieses: Okay, über welchen Wert reden wir eigentlich gerade?

[00:11:32.400] - Tabea Kemme [00:11:40.200] - Nadia Kailouli 

Und wer schafft den Wert? Ihr könntet ja, ihr habt ja die Mittel und Wege zu sagen, wir geben genauso viel Input in den Frauenfußball wie in den Männerfußball.

[00:11:48.840] - Tabea Kemme 

Und dann ist dieses, ja okay, Marketingrechte, Persönlichkeitsrechte, dass...Ich könnte ja parallel quasi auch viel Geld verdienen, indem dass ich meinen Namen als Branding rausgebe. Die Sache ist nur, mit dem, dass ich den Bundesadler auf der Brust habe, unterschreibe ich einen Vertrag mit dem Verband, wo ich meine Persönlichkeitsrechte abgebe. Das heißt wiederum natürlich, dass Gelder, die ich über meine Persönlichkeitsrechte einkriege, gehen über den DFB.

[00:12:15.530] - Nadia Kailouli 

Weißt du, was ich gerade mich frage - und ich weiß gerade selber nicht, inwieweit das gut ist, dass mein Gehirn jetzt gerade so funktioniert. Pass auf, ich teile das mit dir.

[00:12:15.584] - Tabea Kemme 

Genau.

[00:12:23.740] - Tabea Kemme 

In meinem Gehirn passiert gerade Folgendes: Während Tabea das so klar hier benennt, kriegt Tabea jetzt eigentlich Probleme mit dem DFB? Und wird Tabea in Zukunft überhaupt noch als Kommentatorin engagiert, wenn sie denn so kritisch über die Systematik im Fußball spricht, was eben die Gleichstellung von den Geschlechtern betrifft? Das ist gerade in meinem Kopf passiert. Und dann denke ich mir so: Ist das nicht ein Problem?

[00:12:46.180] - Tabea Kemme 

Nein, weil ich sitze ja hier und habe die jeweiligen Verträge. Ich habe jahrelang für die Nationalmannschaft gespielt. Und ja, ich hatte die einen oder anderen Konflikte und mir wurden auch das eine oder andere Interview zurückgegeben, bevor es veröffentlicht wurde und mehr rot durchgestrichen war, als dass ich eigentlich irgendwie hatte noch gewissen Input geben können. Und dann einfach den Konflikt nicht vermeiden, sondern da reinzugehen für meine Werte, eine klare Haltung immer wieder zu zeigen, in diese Konflikte reinzugehen, in die Diskussion reinzugehen, einen langen Atem zu haben. Und von dem eigenen Weg nicht abzukommen. Und ich habe trotzdem meine Länderspiele gemacht. Ich habe trotzdem meine Ein-, Zwei-Jahresverträge, jetzt über die WM hinaus meine Verträge. Und es kam mir kein einziges Mal, wo ich das Gefühl hatte, ich sollte gewisse Dinge nicht sagen, weil es könnte ja sein, dass ich Komplikationen bekomme.

[00:13:40.229] - Tabea Kemme 

Für dich selber hattest du immer das Gefühl, aber von der Außenwelt wurde dir das mal herangetragen? So nach dem Motto: „Man, Tabea, komm jetzt, du bist jetzt hier nicht die Missionarin für den Frauenfußball." Oder so, keine Ahnung.

[00:13:51.870] - Tabea Kemme 

Subtil vielleicht schon. Und ich weiß wiederum aber immer, wofür ich es tue. Und im Endeffekt sind es vielleicht mal ein, zwei Sprüche gewesen, die ich bekommen habe, aber es war keine Inkonsequenz, die damit folgte.

[00:14:03.010] - Nadia Kailouli 

Wie können wir uns das jetzt vorstellen? Du bist jetzt eben in einem Männerteam die einzige Frau der Kommentator:innen. Ja, du bist bei der Weltmeisterschaft, die jetzt in diesem Jahr stattfindet, mit aktiv dabei. Du bist mit dem Who is Who des Fußballs, Frauen und Männer, unterwegs. Fühlst du dich auf dieser Position gut oder fühlst du dich ein bisschen nach dem Motto: Ich muss jetzt hier die Frauenquote erfüllen, damit der DFB sich auf die Schulter klopfen kann, sagen kann: Ja, wieso denn? Wir haben doch da jetzt eine Frau mit den Männern sitzen.

[00:14:36.120] - Tabea Kemme 

Ich fühle mich zu 100 Prozent Tabea und flitz in diese Räume rein. Ich habe große Freude daran, was ich mache an dieser Sportart, bringe gerne meine Erfahrung ein, gehe da total drin auf, auch immer wieder Dinge zu optimieren, zu verstehen. Gerade jetzt so Background fußballtrainingswissenschaftliche Ebene mit einzubeziehen. Habe da mega Bock drauf und sehe natürlich, also ich sag mal, die größte Challenge ist für mich persönlich das Energiemanagement. Also wenn ich Räume betrete, was will ich da jetzt setzen? Wie kann ich gewisse Dinge auch kommunikativ setzen, damit es auch nachhaltig vielleicht eine Wirkung hat? Inwiefern kann ich meine Sprache, meinen Habitus nutzen, um auch vielleicht mal, ja, ich sage mal gerne charmant provokativ, auch Themen mal anzugehen und punktiert zu benennen. Ich finde, das fehlt mir sehr oft. In diesen Runden haben wir viel hätte, wäre, könnte und wir verlieren uns so sehr. Also jetzt nicht nur im Fußball, sondern generell auch gesellschaftlich gesehen. Und dann immer wieder auf den Punkt zu kommen, worum geht's? Und dann ist es so, dann ist es doch egal, ob ich jetzt hier die Frau bin und du der Mann, sondern worum geht's? Und das immer wieder so als Kern zu haben.

[00:15:49.720] - Nadia Kailouli 

Und gleichzeitig ist es total wichtig zu sagen, dass sowohl Frauen als auch Männer eben darüber reden können und beide gleichwohl ernst genommen werden. Jetzt würde ich gerne mal mit dir ein bisschen auch zurückgucken, bevor du zum Profi wurdest. Ja, wir haben hier bei einbiszwei schon paar Mal über das Thema Fußball gesprochen, über das Thema, wie die Schiedsrichterin auf den Platz gekommen ist und eben sexistische Sprüche abbekommen hat durch das Publikum, wie man den Ort, das Stadion überhaupt so sicher machen kann, dass sich Frauen eben auch wohlfühlen und so. Da würde ich gleich auch gern mit dir noch mal reingehen, aber ich würde gerne an den Punkt gehen, weil man wird ja nicht erst mit 25 Profi, sondern das fängt ja weit, weit früher an. Man geht ja schon als Kind irgendwie, als Jugendlicher auf den Platz und spielt Fußball. Wie hast du diese Zeit erlebt? Weil heute sind ja auch sehr, sehr viele, oder es werden immer mehr auch Mädchen, die sagen: Ey, ich will Fußball spielen. Sei es jetzt hobbymäßig oder vielleicht irgendwann auch mal profimäßig. Und dass wir so ein bisschen von dir, Profi, lernen können. Was wäre denn wichtig, auch für die Eltern, die vielleicht ihre Töchter beim Fußballverein haben: Was hast du selbst erlebt und was würdest du heute jungen Spielerinnen mitgeben, worauf sie achten sollten?

[00:17:00.280] - Tabea Kemme 

Immer der Freude zu folgen. Ich hatte halt immer, sowohl auch früher als Kind bis hin in den Profibereich, ich hatte immer Freude an dieser Sportart Fußball. So, und die hat mir - das habe ich mir geschworen- das nimmt mir keiner, es nimmt mir keine Situation, kein einziger Trainer, keiner, der irgendwelche Grenzen überschreitet, sondern das ist der Kern, darum geht's. Und natürlich war ich als junges Mädchen auf dem Schulhof eigentlich fast immer das einzige Mädchen. Ich habe viel mit den Jungs gespielt in der Nachbarschaft. Ich bin sehr ländlich aufgewachsen, gab es montags immer, hat man sich getroffen, hingeradelt, habe da mit fünf Jungs Fußball gespielt und ich war das einzige Mädchen. Das spielte gar keine Rolle, sondern das war eher so dieses erwachsene Gehirn, was dann irgendwann differenziert und sich selbst vor eigene Probleme stellt. Und da...Meine Eltern haben halt ganz klar gesagt, Tabea, du gehst unter zehn Jahren nicht in den Verein, weil sie genau genau dieses Differenzieren nicht wollen, weil sie nicht dieses: Ja, jetzt ist nur Fußball. Und der Fußball ist ja auch so aufgebläht. Man glaubt ja, wenn ich halt irgendwie talentiert bin, dann habe ich ja ganz klar den Weg nach oben skizziert. Ist gar nicht so. Da sind so viele andere Skills, die gefragt sind. Und das wollten mir meine Eltern halt nicht nehmen in den jungen Jahren, sondern immer diese Spielfreude zu haben. Und dann ging der Weg ja relativ schnell über Zufall, über Glück, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Und am Ende des Tages ist das bei rumgekommen, was mein sportlicher Widerhalt dann sagt.

[00:18:27.560] - Nadia Kailouli 

Gab es Situationen der Grenzüberschreitung, wo du heute sagen kannst: Hey, das war nicht okay und ich setze mich dafür ein, dass das auch nicht mehr passiert?

[00:18:37.210] - Tabea Kemme 

Ja, voll. Also ich sag mal, es gibt ja so dieses Subtile, also so ganz subtil, und es ist mir bis heute auch noch so ein Gefühl, was irgendwie noch so da ist, wo ich mich, wenn man sich so selbst mal so rausbeamt, so diese kleinen neunjährige, zehnjährige, elfjährige Tabea sieht, die einmal zu einem Jungsfußball geht, also zu einem Verein, wo nur Jungs sind. Und dann haben wir da, ich glaube mit 12 Kids oder so, Fußball gespielt und ich merkte schon irgendwie dieses so, okay, der Trainer hat einen krassen Einfluss auf diese Jungs. Die Jungs spielen mir den Ball gar nicht zu. Ich habe mich in beste Position gelaufen und irgendwie dachte ich mir so, nee, Leute, da habe ich absolut keinen Bock drauf. Auf so einen Scheiß lasse ich mich hier nicht drauf ein. Ich war das letzte Mal bei diesem Training, war einmal da, bin nie wieder gekommen, weil es war klar. Also dieses, du merkst irgendwie so, da ist dieses erwachsene Gehirn des Trainers, was es nicht okay findet, dass ich da jetzt gerade am Start bin bis hin, ich sag mal so, wo wirklich so Übergriffigkeiten in Form von: Ich bin in der Öffentlichkeit, ich gehe im Supermarkt einkaufen, da kommt halt irgendein Ü60-jähriger Mann, hochroter Kopf, Alkoholfahne, kommt zu mir, nimmt mein Gesicht und küsst mich auf die Stirn.

[00:19:47.370] - Nadia Kailouli 

Weil er Fan war, oder was?

[00:19:49.060] - Tabea Kemme 

Ja, genau, war Fanboy. Und ich stehe dann nur so. Ich war mit einer Mitspielerin da, die so: Okay, warte mal, was ist hier gerade passiert? So diese Form von Freeze. Ich weiß gerade überhaupt nicht, was abgeht. Ah, ich wollte Tomaten-Mozzarella kaufen. So, und das zu sehen, so, hier ist was nicht okay, das habe ich natürlich erst...Oder mit der Mitspielerin ja auch so dieses, man guckt sich so an, irgendwas war hier gerade so völlig faul und nimmt es dann aber, verdrängt es und zieht halt seinen Einkauf weiterhin durch. So diese Ebenen halt, bis sie natürlich verbal...Ganz schwierig empfinde ich heute auch alkoholisierte Männer, also diese männliche Dominanz, Verhaltensauffälligkeiten, verschwommenes Verhalten aufgrund starken Alkoholkonsums hinblicklich Männerspieltage, Fußball-Bundesliga-Topspieltage. Da arbeite ich ja, ich fahre auch mit dem öffentlichen Verkehr hin. Versus du erlebst halt Sportarten, Olympia nehme ich mal super gerne als Beispiel, wo ich auch als Fan jetzt mittlerweile in Paris am Start war, jetzt auch in Italien. Das ist so friedlich. Geh mal in eine Handballhalle, geh mal zum Basketball oder so.

[00:20:58.440] - Nadia Kailouli 

Wirklich toll!

[00:20:59.900] - Tabea Kemme 

Und ich denke mir so: Oh mein Gott, meiner Seele geht es so gut!

[00:21:03.120] - Nadia Kailouli 

Ja, warum ist das so? Du hast total recht. Ich bin super gerne zu Basketballspielen gegangen, weil da wird einfach nicht so viel gesoffen und da wird sich - das ist so positiv. Und beim Fußball kriege ich...Also ich war einmal im Stadion eingeladen in Hamburg. Ja, weiß gar nicht mehr, war das St. Pauli oder HSV? Nee, auf St. Pauli war ich. Mein Gott.

[00:21:23.100] - Tabea Kemme 

Ja, es ist so: Fußball, männlich, ist ein Ventil für Verhaltensauffälligkeiten. So nach dem Motto, da kann ich alles einmal so wegrotzen.

[00:21:35.210] - Nadia Kailouli 

Ja, schrecklich. Ja, okay, jetzt kommen die Hater. Jetzt sind wir drin. Jetzt sind wir drin und jetzt kommen auch die Hater nach dem Motto: Jetzt nimm mir nicht mein Bier beim Spiel.

[00:21:44.620] - Tabea Kemme 

Kann er trinken.

[00:21:47.230] - Nadia Kailouli 

Aber klar, wo ist da die Grenze? Wo ist da die Grenze? Weil es gibt ja keine Grenze. Die fangen ja schon im Zug an. Ich hatte eben hier noch mit meinem Kollegen gesprochen, dessen Frau im Zug saß mit einer Mannschaft Fußball... Also nicht die Mannschaft, sondern die Fans. Das war nicht schön. Nee, so, das ist nicht schön.

[00:22:03.440] - Tabea Kemme 

Nee!

[00:22:03.620] - Nadia Kailouli 

Jetzt im Stadion ist auch nicht schön. Aber würdest du sagen, Alkoholverbot im Fußballstadion? Ist das die Konsequenz dann?

[00:22:10.030] - Tabea Kemme 

Das wäre schon hart. Ich glaube, du musst Räume schaffen, wo ich mich sicher fühle. Und dann lass es ein Block sein, wo halt der nüchterne Block ist. Und dann zu sagen, okay, wie sind die Zu- und Abfahrtswege? Also wie komme ich dahin und wie komme ich da auch wieder weg?

[00:22:26.680] - Nadia Kailouli 

Ja.

[00:22:27.000] - Tabea Kemme 

Wieso schaffe ich...Das Horrorszenario ist für mich S-Bahn-Verkehr zum Stadion, wo - sobald die Menschen aussteigen, urinieren die direkt ins andere Gleisbett. Und ich denke mir so, mein Background ist ja, ich habe ja mal dieses Polizeistudium gemacht und denke mir, warte mal, urinieren, Ordnungswidrigkeit, oh mein Gott, so, wir haben doch irgendwie alle so ein so einen groben Plan von: Lass mal gucken, dass wir hier ziemlich sauber wegkommen. Und dann so rums. Und ich denke mir so: Okay, okay, alles klar. Und schafft da doch...Das hat Lena Kassel mir letztens auch die Empfehlung, ihre Empfehlung geteilt, findet sie mega, die Idee: Dann hatten die Vereine jeweils Waggons, also einen ganzen Zug, einen Fanzug. Da ist es ein geschützter Raum für die jeweiligen Fans, da können die ihre Promillewerte aufwerten, wie sie wollen. Ich glaube, wir müssen nur gucken, dass jedes Verhalten dann auch eine Konsequenz hat. Und das hat es nicht.

[00:23:19.950] - Nadia Kailouli 

Das hat es nicht.

[00:23:21.990] - Tabea Kemme 

Die verstecken sich. Es gibt jetzt die ganzen Diskussionen von wegen, ja, Fankultur, aber nicht kontrollieren. So dieses, ja, ich sehe auch die, also ich Background, wir haben ja auch gewisse Aggressionspotenziale, Tätergruppierungen. Da gibt es dann je nach Härte der Tatbestände, Gruppierungen, und demnach ging ich als Polizistin oder habe die Spiele begleitet. So, und dass wir da aber gucken, so okay, wir brauchen ganz klar die Sanktionen auch. Also muss ich dich auch aus der Anonymität nehmen. Ich kontrolliere dich jetzt. Und das wird ja, das ist ja gerade so gesellschaftlich, gerade auch zwischen Vereins-Fankultur und Ministerium, gerade ein hochspannendes Thema.

[00:24:04.970] - Nadia Kailouli 

Ja, aber ich finde auch, da muss was gemacht werden. Also, und vor allem finde ich dann, als Frau fühlt man sich da nicht wohl, wenn du als Frau in die S-Bahn steigst oder über, keine Ahnung, durch den Bahnhof läufst und es sind so 10, 20 Männer auf einen Schlag. Ich will nicht sagen, dass die einem jetzt was Böses tun, so, aber es ist kein tolles Gefühl. Und wenn da nur einer in dieser Gruppe ist, der dann doch blöd wird, dann schließen sich dann zwei, drei an. Und es ist viel Alkohol, es ist lautes Gebrüll, es ist Schmutz, es sind Penisse, die auf einmal rauskommen, weil sie pinkeln müssen. Die willst du nicht sehen im öffentlichen Raum.

[00:24:37.489] - Tabea Kemme 

Willst du nicht!

[00:24:37.750] - Nadia Kailouli 

Und das ist nicht schön. Und da frage ich mich wirklich, warum kriegt man das nicht hin? Meine Idee für im Stadion wäre, zum Beispiel zu sagen, auf der Tribüne wird nicht getrunken. Wenn ihr trinken wollt, dann geht ihr von der Tribüne runter.

[00:24:51.809] - Tabea Kemme 

Haben die in England.

[00:24:52.044] - Nadia Kailouli 

Haben die in England so?

[00:24:52.070] - Tabea Kemme 

Ja, da ist dieses Prinzip - ich habe ja eineinhalb Jahre in England gespielt und die gehen vorher in ein Pub. Ja, und dann hast du aber im Umkreis des Stadions, die im Kiosk, die haben quasi die Rollläden runter, da wo es Ausschankbier gibt, weil da ist absolutes Alkoholverbot. Du kannst auf dem Weg nicht noch eben schnell drei Bier zünden, damit du ordentlich ein Sitzen hast. Weil du die nächsten 90 Minuten nicht kriegst, funktioniert nicht, sondern du gehst halt in einen innerstädtischen Pub. Und ich finde, dass du sogar so weit gehen kannst, so dieses: Okay, wie wollen wir eine gewisse Sicherheit gewährleisten? Dann ist es halt die Promillemessung. Ja, 0,5 ist doch beim Autofahren, ist doch gleich.

[00:25:30.000] - Nadia Kailouli 

Ist doch gleich, genau. Und dann hast du wahrscheinlich weniger, die dann irgendwie Scheißsprüche rufen, Leute belästigen. Und jetzt gehen wir mal weg von diesem Geschlechter Mann-Frau. Ich kenne wahnsinnig viele Eltern, die Kinder lieben Fußball, die wollen da mit ins Stadion. Also wo ich mir manchmal denke, ey, ich weiß nicht, ob ich aber dem Spiel jetzt ein Kind mitnehmen würde.

[00:25:50.010] - Tabea Kemme 

Geh zum Frauenspiel!

[00:25:51.050] - Nadia Kailouli 

Das ist besser, ne?

[00:25:52.330] - Tabea Kemme 

Wirklich, es ist großartig, das ist Balsam für meine Seele, für mein Fußballerinnen-Herz. Ich hatte letztens das Topspiel der Frauen gemacht zwischen Köln und Werder Bremen im Rheinenergiestadion mit über 30.000 Menschen. Und dieses Bild, ich stehe unten am Platz. Und da stehen die Kids erste Reihe am Zaun und rufen halt die Fangesänge. Und ich denke mir so: So kann es doch gehen. Da ist einfach - also Thema Alkoholkonsum ist ein ganz anderer, also sehr, sehr gering. Da schieben durch die Stadt noch die Eltern den Kinderwagen ihres Babys, weil die dann zum Stadion schieben. Also es ist halt eine ganz andere Einladung. Es ist halt nicht dieses Ventil, da kann ich halt mal meinen Frust der Woche halt einmal so auskotzen. Ohne dass ich am nächsten Tag noch weiß, was ich am vorigen Abend im Stadion eigentlich gemacht habe, weil ich halt einfach Ausfallerscheinungen habe.

[00:26:41.300] - Nadia Kailouli 

Ja, absolut. Jetzt hattest du gerade diese Szene erzählt, wo du selber sagst, das war eine absolute Grenzüberschreitung, dieser Fan, der dich auf die Stirn geküsst hat, ohne zu fragen. Nun gab es ja so eine ähnliche Situation, nicht zwischen Fan und Spielerin, sondern zwischen Trainer und Spielerin in Spanien. Wie hast du damals reagiert, als das so publik wurde? Das hat ja jeder direkt mitbekommen, dieser Kuss vom Trainer an die Spielerin, die hat sich ja dann auch dazu geäußert. Sind das so Szenarien, wo man sagt, ja, da müssen wir als Frauen hart für kämpfen, dass klar wird, dass das eine Grenzüberschreitung ist? Oder hast du Ähnliches erlebt? Jetzt nicht nur von dem Fan.

[00:27:16.130] - Tabea Kemme 

Ich war selbst vor Ort und auch in dem Moment, ich war mit einer Mitspielerin vor Ort, mit der Josephine Henning, und wir hatten direkt dieses so: Hoffentlich, bitte, Hermoso, hab die Kraft, die Energie, hab den Support, dass das Konsequenzen haben wird. Und es kam, es war historisch, es kam zu dieser Strafanzeige. Und die Medien haben es mit aufgegriffen. Und das war...Boah, wie viele Diskussionen ich teils auch im engeren Freundeskreis hatte dieses: "Ja aber im Gefecht der Emotionen"...Ich so: Nein, stopp, Diskussionsende, ich kann nicht mehr. Weil das zu entschuldigen mit den jeweiligen Emotionen - no way! Das passiert so oft, dass wir das so ein bisschen verherrlichen wollen. Ja, aber aus Emotion heraus, sich nicht im Griff, das passiert halt nur einmal. Nein, es passiert nicht nur einmal. Hab dich einfach verdammt noch mal im Griff. Lerne es, wenn du es nicht gelernt hast. Und ich glaube, das ist dadurch natürlich sehr bewusst geworden, den Weg, den Hermoso da gegangen ist. Auch im Background, die wurde ja also verfolgt, das Handy wurde ausgelesen, sie war ja auch dann gewechselt, weil sie ist in Spanien nicht mehr...Sie konnte sich in Spanien nicht mehr blicken lassen.

[00:28:14.820] - Nadia Kailouli 

Weil sie so viel Hate bekommen hat von Fans?

[00:28:26.650] - Tabea Kemme 

Ja, die wurde von der Gegenseite halt auf allen Ebenen verfolgt. Die Familie wurde verfolgt und unter Druck gesetzt. Also dieses Ausmaß dieser Entscheidung und was sie für Fußball, weiblich, global, Historisches gemacht hat, so, da sind wir ihr alle so dankbar und haben daraus ja auch so viel gezogen. Dieses, okay, ich sehe es auch immer so ein bisschen auch selbst aus eigenen Erfahrungen, diese Art von Grenzüberschreitung, wenn ich die Grenze nicht klar und bewusst meinem Gegenüber mache...

[00:28:58.590] - Nadia Kailouli 

Wir lernen halt nicht, diese Grenzen zu setzen. Aber kann man das im Profisport lernen? In dieser, ich sage jetzt mal, in dieser emotionalen... Kämpfen, stark sein, gewinnen, gut auf dem Platz sein und so. Kriegt man das hin, in diesem Setting Grenzen zu setzen?

[00:29:12.800] - Tabea Kemme 

Ja, auf jeden Fall. Also die Crux der Geschichte, gerade im Leistungssport, wo du jedes Wochenende Wettkampf hast, gilt es ja, oder was ich persönlich auch gelernt habe, ab dem, dass ich mit 14 Jahren mich für den Profisport entschieden habe, Grenzen zu versetzen. Und das ist ja so dieses: Erzähl mal deinem Gehirn, auf der einen Seite körperlich, mental Grenzen zu versetzen und auf der anderen Seite Grenzen zu setzen. Das haben wir nicht gelernt. Und dieses Ausmaß, das wurde mir bewusst, mit dem, dass ich mir diese Frage gestellt habe: Wie will ich, dass mit mir umgegangen wird? Wie will ich mit anderen Menschen umgehen? Und das war für mich halt einfach ein Faktor, wo ich gesagt habe, so okay, ich ganz klar kommuniziere Grenzen. Hatte vor vier Wochen mit einem alkoholisierten Mann eine Situation in einem Zug - sehr unangenehm, alkoholisiertes Pärchen ist in den Zug rein. Es war proppevoll. Ich stand da, habe schon meinen Rechner aufgemacht, weil ich ein bisschen Backoffice machen wollte, und er stand dann so vor mir, so lallend und so. Und ich meinte so, okay, es gibt zwei Wege, für die du dich jetzt entscheiden kannst, entweder da lang oder da lang. 

Und dann macht er sich so groß und ich merke schon so, okay, warte mal, du dringst in meine Sphäre ein. Ich habe ihn einfach weggeschubst, so dieses so: Hey, so, das ist hier nicht die Art, wie wir hier jetzt miteinander...Und dann fing er auch an, so, dann merke ich so, das wurde so ein bisschen unruhig, aber es ist letztlich auch... So dieses, es geht keiner dazwischen. Ich hatte dennoch die Situation voll im Griff, auch das Gefühl. Aber das war mein Lernprozess, zu sagen: So, hey, ich lass das nicht über mich ergehen und bekomme diesen Freeze-Moment, den ich damals mit 16 hatte. Ich handle jetzt. Und dann halt mit dieser Überzeugung auch, mit dem, ich bin mir selbstbewusst um mein Menschsein, Frausein, um das, und ich lasse es nicht zu. Und dann war auch, dann war die Situation okay. Er hat dann gemerkt, oh Scheiße, das wird eng die Nummer. So, und wir haben es - und das ist, finde ich, auch krass, weil in der Endkonsequenz sind wir dann noch vier Stunden Zug gefahren und wir waren in dem gleichen Waggon, weiterhin in diesem gleichen Raum, und es war okay.

[00:31:10.080] - Nadia Kailouli 

Würdest du sagen, in dem Bereich Fußball mit den Trainern, den Kollegen etc. - und es gibt die Fans - kriegen die Vereine und der DFB und die ganzen Institutionen, kriegen die das hin, den Fans zu vermitteln: Hey, wir gehen hier anders miteinander um, als das früher der Stand war?

[00:31:32.330] - Tabea Kemme 

Es sind auf jeden Fall Wege, ja. Es gibt auch Fanbeauftragte, also diese Position gibt es ja auch, und man ist schon viel am Sensibilisieren. Und dann hast du, ich sag mal so, der Grundkern ist sich den Werten bewusst. Dann hast du, wie überall, hat man dann immer noch mal diese Ausreißer, und die sind natürlich - da ist der Blick drauf, und da müssen wir müssen wir auch aufpassen, dass wir da differenzieren, weil es sind ja nicht die Fans, sondern das sind einzelne Personen. Und dennoch sehe ich aber jeden von uns mit in der Verantwortung, dass wir den Ausreißern auch immer wieder konsequent aufzeigen, so nicht, und auch dann sanktionieren in Form von, dann ist es halt der Entzug des Mitgliedsausweises. Also wir brauchen halt einfach eine Reiz-Reaktions-Kette. Weil was ja passiert, ist so, ja, wir sagen halt 17-mal: Ja, das geht nicht in Ordnung, aber letztlich folgt keine Konsequenz daraus. Und ich glaube, da liegen sehr viele Chancen. Als Spieler, als Spielerin, ich weiß, das ist ein Riesen-Impact, den du mit hast, auch natürlich auch super viel Verantwortung, die auch auf deinen Schultern liegt. Und ich glaube aber mittlerweile, dass wir da den Kern, einfach dieses: Wie wollen wir miteinander? Das ist mittlerweile auch, ich meine, ich habe es selber erlebt, auch in der Doppelbelastung, duale Karriere, dieses so: Meine Verantwortung ja auch für mein Leben und das Leben meiner Menschen. Und ich glaube, da dürfen wir uns schon noch mal ein bisschen, das dürfen wir uns noch mal bewusster werden.

[00:32:56.850] - Nadia Kailouli 

Gibt es aktive Szenarien, aktive Hebel, wo du siehst, die werden jetzt gesetzt? Vor allem jetzt mit dem Hinblick auf die Weltmeisterschaft, die ja bevorsteht. Erlebst du, weil du so intern ja bei dem Who is Who mit dabei bist, erlebst du, dass das Thema ist? Wird darüber gesprochen? So, wie schaffen wir sichere Räume? Wie erreichen wir Frauen und Männer gleichermaßen? Wie schaffen wir das, dass unsere Kommentatorin, die die einzige Frau ist, nicht angegriffen wird? Weil das wird ja kommen. Davon ist man ja gar nicht mehr so naiv und sagt so: Ah cool, das wird jetzt total super. Sondern man weiß, wenn man gerade das Spiel kommentiert, vielleicht auch, wo dann die deutschen Fans sagen: Ey, das war doch alles nur noch Foul! Und dann, keine Ahnung, stimmst du aber dem Schiedsrichter zu, dann ist dein Postfach auch wieder voll.

[00:33:42.470] - Tabea Kemme 

Das stimmt.

[00:33:43.520] - Nadia Kailouli 

Gibt es da interne Gespräche, wo man sagt: Hey, das müssen wir besser in den Griff bekommen, um unsere Leute hier auch zu schützen?

[00:33:50.300] - Tabea Kemme 

Ja, gibt es auf jeden Fall. Und gerade ich meine, mit meiner weiblichen Präsenz hole ich die Themen ja auch rein. Ja, und dementsprechend ist man,  Mann nicht drauf vorbereitet, weil sie es ja auch nicht kennen. Und deswegen gab es auch die Szenarien und ich auch - in dieser Konsequenz, in dieser Radikalität, ich melde die Dinge halt auch. Und da hatten wir auch das Szenario vor zwei, drei Jahren, dass dann einfach sich das Expert:innen-Team gewechselt hat, weil hier auch einfach verbale Übergriffigkeiten waren, die halt so nicht okay waren. Und dann auch dieses Thema Mittäterin, so, dann gehe ich in die Verantwortung, spreche mit der Geschäftsführung, was ein schönes Gespräch ist, weil es geht ja genau dann zu sagen, okay, ich gehe in diesen Raum rein und dann besprechen wir am Ende des Tages, okay, wie wollen wir die Räume gemeinsam gestalten? 

Und im Vertrag jetzt beispielsweise ist genau da auch eine Klausel zu sagen, so, okay, Räume gestalten, welche Werte, bei Missverhalten folgendermaßen Sanktionen. Also das ist schon...Und der Prozess innerhalb von zwei Jahren, finde ich, ist schon ein zügiger Prozess. Und dann gibt's natürlich auch mal wieder die Einzelfallentscheidung, und dann ist es ja auch der Weg der Kommunikation, dass ich das halt...Ich weiß, man baut ja auch irgendwie eine zwischenmenschliche Beziehung auf. Ich weiß dann, mit welchen Themen ich wohin gehen kann, setze vorneweg schon die Grenzen. Und für mich persönlich habe ich eine Handlungsstrategie entwickelt, weil ich - wenn es hart auf hart kommt, wem kannst du vertrauen? Auf wen kannst du dich verlassen? Und da weiß ich aus vielen Erfahrungen, letztlich kann ich mich nur auf mich selbst verlassen. Deswegen habe ich für mich eine Handlungsstrategie. Deswegen bin ich handlungsfähig in Unabhängigkeit zu...

[00:35:31.990] - Nadia Kailouli 

Und du meinst, deine Handlungsstrategie ist eben, dass du es meldest, dass du, wenn jemand dir zu nahe kommt, aufgrund deiner eigenen Erfahrung sagst: Okay, stopp!

[00:35:41.080] - Tabea Kemme 

Ja, Notwehr und auch gerade digitale Welt ist natürlich, ich sage mal, das Thema der Übergriffigkeiten. Aus der Anonymität heraus und da jetzt mit einem Unternehmen, Penemue heißen die, zusammenarbeite. Das ist eine KI, die mir quasi - meine Konten sind verknüpft mit dieser KI und die lesen quasi die Nachrichten und Kommentare mit und melden quasi das in dem System, wo ich gemeldet bin. Und ich kann entscheiden, will ich das lesen oder nicht? Und diese Grenze, die gibt es nirgendwo. Und ich will ja - wenn ich diesen ganzen Shit lese, das ist ja in meinem Hirn dann erst mal da. Und das kann ich damit unterbinden. Und dann kann ich quasi direkt weiterklicken: Hier halt Strafbestand, also strafrechtliche Relevanz.

[00:36:25.150] - Nadia Kailouli 

Und das machst du so?

[00:36:26.030] - Tabea Kemme 

Ja!

[00:36:26.340] - Nadia Kailouli 

Das handhabst du gerade so auf deinem Kanal?

[00:36:28.590] - Tabea Kemme 

Genau.

[00:36:29.320] - Nadia Kailouli 

Wahnsinn.

[00:36:29.980] - Tabea Kemme 

Und das ist genial. Also dieses Gefühl der Ohnmacht, das kommt bei mir gar nicht auf, weil ich habe eine Handlungsstrategie. Ich mache transparent, was mit mir passiert.

[00:36:40.770] - Nadia Kailouli 

Du müsstest eigentlich Coach werden. Coach für...

[00:36:42.960] - Tabea Kemme 

Ich bin mein eigener Coach.

[00:36:44.090] - Tabea Kemme 

Ja, weil ich glaube, das ist...Ich finde das so toll. Auch höre ich ja eher so Gespräche, dass die Leute mal raushauen, was alles scheiße läuft. Ich habe das Gefühl, bei dir führen wir jetzt mal ein Gespräch, zu sagen: Okay, das kann man machen, das läuft eigentlich ganz gut. Wie jetzt sagst du, innerhalb von zwei Jahren wurde da jetzt... Ne, das ist ja eigentlich gut. Das ist ja auch mal schön, eher positiv auf die Veränderungsmechanismen zu gucken. Aber man muss natürlich auch sagen, Bewunderung irgendwie an dich, weil das schafft natürlich nicht jede, nicht jeder, ne, sich da so einen Handwerkskoffer selber anzueignen. Deswegen sage ich ja, du musst ja eigentlich dann noch mal Coach werden für, genau so: Wie gehen wir als Profisportler:innen mit Hate um? Wie setzen wir Grenzen? Wie nutzen wir die KI für unser Postfach? Und so, weil de facto zur WM - gehst du davon aus, dass du jetzt sehr viel Hate bekommst?

[00:37:30.520] - Tabea Kemme 

Ja! Ich gehe davon aus, dass sehr viel Bewegung in meinem Postfach ist.

[00:37:33.260] - Nadia Kailouli 

So kann man es auch nennen. Okay, und jetzt so ganz unterschwellig im Profibereich mit wirklich den Kollegen. Sind die auf Augenhöhe mit dir oder sehen die dich so: Ach cool, Tabea darf jetzt auch mal?

[00:37:43.740] - Tabea Kemme 

Voll auf Augenhöhe.

[00:37:44.800] - Nadia Kailouli 

Okay.

[00:37:45.590] - Tabea Kemme 

Was super spannend ist, das teile ich auch immer gerne, weil du hast ja auf einmal dieses, ich sag mal, System TV-Business, Entscheidungsebene. Auf Entscheidungsebene wurde dann gesagt, na ja, wir würden halt, es kam aus England auch, gerne eine Frau mit am Tisch haben. Dann war auf Entscheidungsebene die Angst aber so groß vor der Reaktion des männlichen Experten jeweils in dieser Runde, weil jetzt gibt es ja eine Raumteilung. Am Ende des Tages kriege ich das Feedback, weil sie haben die Entscheidung, haben sich dazu durchgerungen, das machen wir auf jeden Fall. Auf allen Ebenen dieses Feedback: Es ist so cool, es ist atmosphärisch, wir schätzen uns aneinander. Also die Angst, auf der Ebene jetzt hier vielleicht irgendwie jemandem, auch männlichen Kollegen, also ihren Buddies, auf die Füße zu treten, ist halt nicht bestätigt worden. Und das ist so der Wink, so jetzt purzelt's. 

Ja, dann gibt es eine Marie-Luise Etat, dann gibt es eine Kathleen Krüger in diesen höchsten Positionen, die wir im Fußball mitbekleiden. Wir sind mittlerweile über sechs Expertinnen im Fußball-Szenario Männerfußball, Frauenfußball. Und das finde ich schön zu sehen, dass wir da einfach jetzt so die Schranken im Kopf selbst öffnen und sehen, das ist schon echt cool, das bringt echt Bock. Ich habe auch mega Bock, immer mit den männlichen Kollegen, ob auch im Weltfußball wie Lothar Matthäus, dann Mats Hummels, noch einen Aktiven wie Thomas Müller, Welttrainer Jürgen Klopp, einfach diese Perspektive, die da aufeinanderprallt, ist mega bereichernd für mich und für die auch. Das skizzieren sie auch, ja.

[00:39:22.440] - Nadia Kailouli 

Tabea, es ist bald soweit, du gehst auf Tour, wollte ich sagen. Fühlt sich so an. Es geht los. Wie blickst du auf die Zeit? Weltmeisterschaft, du bist mit dabei, kommentierst in einem Profiteam die Spiele, die Weltmeisterspiele. Wie bereitet man sich vor? Wie bist du drauf? Worauf freust du dich und worauf hast du keinen Bock?

[00:39:42.280] - Tabea Kemme 

Ich habe große Freude grundsätzlich immer an dieser Komplexität, Und das ist ja mein Case, es ist ja nicht nur Fußball, sondern als Frau habe ich natürlich auch einen großen Beitrag, wenn ich Veränderungen will, einen gesellschaftlichen Beitrag. Ich gehe in diese Themen sportpolitisch rein. Und ich sage mal, diese Komplexität der WM bringt ja alles mit, sowohl sportlich wie medial wie politisch, gesellschaftlich. Wir haben alles da. Und die Frage ist immer nur: Worum geht's und was kann ich mit meinen Werten, mit meinem Verständnis des Lebens, dass es um klare Spielregeln geht und dass wir aufeinander achtgeben sollten. Und sobald sich nicht an die Spielregeln gehalten wird, siehe USA, Sanktionen. Und in diese Räume reinzugehen, nicht in diesen Moment des Freeze reinzugehen oder der Flucht, sondern genau da reinzugehen, und genau da kommt es für mich drauf an: Kann ich diesen Raum halten? Kann ich meinen Werten gerecht werden? Und das sehe ich als größte Herausforderung meinerseits, das Energiemanagement beizubehalten. Vorbereitung, Fußball. Ich liebe es, global Fußball zu gucken, weil jede Kultur unterschiedliche Fähigkeiten priorisiert, mitbringt. Ich liebe das einfach.

[00:41:00.020] - Nadia Kailouli 

Und wir können uns sicher sein, solange du da mit am Tisch sitzt und da irgendwas schiefläuft, wo du mit deinen Werten in der Debatte zum Thema rund um Sexismus und Nichtgleichberechtigung im Fußball dir irgendwas auffällt bei dieser WM, sind wir uns sicher: Tabea macht dann den Mund auf.

[00:41:14.720] - Tabea Kemme 

Ich schubse. Ich schubse auch!

[00:41:16.400] - Nadia Kailouli 

Du schubst dann!

[00:41:17.720] - Tabea Kemme 

Genau.

[00:41:18.010] - Nadia Kailouli 

Tabea, vielen, vielen Dank, dass du heute bei uns bei einbiszwei warst und eine gute WM dir!

[00:41:22.610] - Tabea Kemme 

Ja, danke euch auch beim Zuschauen.

[00:41:26.500] - Nadia Kailouli 

Also ich muss sagen, ich bin jetzt Fan. Ich bin offiziell ein Fan von Tabea Kemme und ich gucke mir jetzt alles an, was sie kommentiert bei der WM. Das sage ich euch. Ich finde es so super, dass sie das so klar gesagt hat und dass sie auch gesagt hat: Hey, ich lasse mir hier von niemandem auf der Welt irgendeinen Maulkorb geben. Ich bin da sehr offen, ich bin da sehr transparent, denn es ändert nur was, wenn wir darüber reden. Das hat sie heute sehr eindringlich gezeigt. Und ja, Leute, also hört auf mit dem Hate gegenüber Frauenfußballerinnen oder benehmt euch wirklich ein bisschen besser, wenn ihr trinkt und ins Stadion geht! Wirklich eine ganz klare Ansage - auch im Zug. 

An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich mal bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt. 

Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun. 

Eine E-Mail könnt ihr einfach schreiben an einbiszwei@ubskm.bund.de.

Mehr Infos zur Folge

Sie ist U20-Weltmeisterin, Champions League-Siegerin, Olympiasiegerin und 4-fache Deutsche Meisterin – Tabea Kemme.

„Ich bin seit 20 Jahren im Fußball tätig und habe bisher vieles erlebt. Sexismus, sexualisierende Gewalt, Stalking, Morddrohungen, ich würde es auf allen Ebenen als Daily Business bezeichnen”, erzählt sie im Januar 2026 dem Spiegel. 

Lange Zeit habe sie diese Erlebnisse eher verdrängt, heute macht sie das nicht mehr. Sie versucht, ihr Umfeld zu sensibilisieren und fordert mehr Aufklärung über Grenzen im nonverbalen und verbalen Miteinander und in der Ausbildung im Fußball. Sie möchte Betroffene bestärken, sich Unterstützung zu suchen und sich zu wehren. Tabea fordert unabhängige Anlaufstellen und klare Sanktionen, wenn Grenzen überschritten werden.

Wenn ihr Fragen, Ideen oder Vorschläge habt – schreibt uns: einbiszwei@ubskm.bund.de

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Instagram-Kanal von Tabea 
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Podcastfolge bei „Flutlicht AN!” von Sport 1 (04/26)
Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme: Keep it simple

Tagesspiegel-Artikel über Tabea (03/26)
Tagesspiegel: „Für mich ist das nichts Neues“

Tabea Kemme’s Beitrag auf LinkedIn (01/26)
Sexismus - Stalking - Grenzüberschreitungen

NDR, Panorama (07/22)
Fußballerinnen: Sexismus und dumme Sprüche

Deutschlandfunk (07/22)
Fußball-Nationalmannschafts-Prämien: Tabea Kemme erwartet keine Unterstützung durch Männer-Team

Weitere Infos und Hilfsangebote

Wenn du Missbrauch erlebt hast, und Hilfe oder Beratung suchst, kannst du dich auch an diese Stellen wenden:

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch 

Anrufen – auch im Zweifelsfall 
0800 22 55 530 (kostenfrei und anonym) 
Telefonzeiten: 
Mo., Mi., Fr.: 9.00 bis 14.00 Uhr
Di., Do.: 15.00 bis 20.00 Uhr

(Nicht besetzt an bundesweiten Feiertagen und am 24. und 31. Dezember.)

Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch
 

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

einbiszwei@ubskm.bund.de

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

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