Wie gut ist in Deutschland die Ausbildung zur Erzieherin, Lisa Weisbrod?
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[00:00:01.640] - Lisa Weisbrod
Also dass niemand mehr hoffentlich Kinder zum Essen zwingt, dass wir Kinder nicht einfach über den Kopf streicheln, wenn sie an uns vorbeilaufen, dass wir keine Kosenamen benutzen in Einrichtungen und dass wir alle Körperteile richtig benennen und nicht irgendwelche Geschlechtsteile verniedlichen und solche Themen. Das ist hoffentlich inzwischen allgemeingültig angekommen, dass das so ist.
[00:00:25.420] - Nadia Kailouli
Hi, herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Gegen Kinder und Jugendliche.
Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert.
Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst!
72.800 - so viele Kinder und Jugendliche waren 2024 von Vernachlässigung, psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Damit ist die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung innerhalb von fünf Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Und obwohl das so häufig passiert, lernen die Menschen, die täglich mit Kindern arbeiten, Erzieher:innen und Pädagog:innen in ihrer Ausbildung und im Studium oft nur wenig zum Thema Kinderschutz. Lisa Weißbrod kennt diese großen Wissenslücken aus eigener Erfahrung. Sie ist gelernte Erzieherin, hat in Kitas gearbeitet, später Sozialpädagogik studiert und jetzt die Schutzmanufaktur gegründet. Was genau das ist, erzählt sie uns jetzt.
Ich freue mich sehr, dass heute Lisa Weisbrod bei uns zu Gast ist. Hallo!
[00:01:30.000] – Lisa Weisbrod
Hallo, ich freue mich auch.
[00:01:31.440] - Nadia Kailouli
Grüß dich, schön, dass du da bist. Lisa, wir haben hier schon sehr, sehr viel bei einbiszwei über das Thema Kinderschutzkonzepte und so gesprochen, aber so richtig tief in die Materie sind wir noch nicht gekommen. Deswegen bist du jetzt heute mal da. Du hast nämlich was ganz Tolles auf die Beine gestellt, das heißt „Die SchutzManufaktur“. Was ist das genau?
[00:01:49.040] - Lisa Weisbrod
Also „Die SchutzManufaktur“ ist meine freiberufliche Tätigkeit als Referentin für Kinderschutz und Schutzkonzepte. Das heißt, ich begleite seit fast sieben Jahren deutschlandweit hauptsächlich Kindergärten, inzwischen aber auch Schulen auf dem Weg zum Schutzkonzept.
[00:02:03.340] - Nadia Kailouli
Jetzt muss man ja sagen, es ist ja eigentlich doch so, dass jede Kita und jede Schule ein Schutzkonzept haben sollte oder haben muss?
[00:02:11.980] - Lisa Weisbrod
Genau, müssen die.
[00:02:13.000] – Nadia Kailouli
Müssen die, ne?
[00:02:13.380] - Lisa Weisbrod
Also bei den Schulen kommt es jetzt noch aufs Bundesland an. Ich komme aus Rheinland-Pfalz. Bei uns müssen die Schulen jetzt Schutzkonzepte entwickeln. Die Kitas sind verpflichtet übers SGB VIII und das auch schon seit einigen Jahren. Also eigentlich ist das gar nicht so neu, das Thema. Wir haben nur ganz lange einfach nicht drüber gesprochen in der Praxis.
[00:02:30.510] - Nadia Kailouli
Was steht in diesem SGB VIII drin? Was muss ein Schutzkonzept eigentlich rein rechtlich schon mitbringen?
[00:02:37.090] - Lisa Weisbrod
Ja, also im Paragraph §45 im SGB VIII ist die Betriebserlaubnis geregelt von Kindertagesstätten oder auch von weiteren Einrichtungen. Und Kitas müssen - genauso wie sie eine Konzeption vorlegen müssen -, eben auch der jeweiligen betriebserlaubniserteilenden Behörde in ihrem jeweiligen Bundesland ein Schutzkonzept vorlegen mit verschiedenen Inhalten, wie zum Beispiel...Der Gesetzgeber spricht von internen und externen Beschwerdestellen, die benannt werden müssen, von Beteiligungsprozessen von Kindern, also Stichwort Partizipation. Genau, das muss da alles drinstehen und vorgelegt werden und genauso wie die Konzeption abgesegnet werden.
[00:03:14.810] - Nadia Kailouli
Jetzt bist du gelernte Erzieherin, ja, hast also viel in diesem Bereich selbst gearbeitet und ich kann mir vorstellen, dass du das, was du gerade aus diesem Gesetz vorgetragen hast, an vielen Orten nicht so gesehen hast, wie du denkst, sollte es eigentlich sein, sonst hättest du ja diese Schutzmanufaktur gar nicht auf die Beine gestellt. Was ist dir so aufgefallen in deiner Erzieher:innen-Tätigkeit, wo du gesagt hast, sorry Leute, aber wir müssen das besser machen?
[00:03:40.660] - Lisa Weisbrod
Das ist, glaube ich, schwierig zu beantworten, weil es so breit ist. Und mir ist auch immer wichtig zu sagen, wenn ich kritisiere, dass wir da noch nicht gut genug aufgestellt sind, dann kritisiere ich nicht einzelne Menschen oder einzelne Einrichtungen, sondern wirklich das System, was nicht dafür ausbildet. Und ich mache das immer so an meinem eigenen Lebenslauf fest: Ich habe bei uns diese duale Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Ich habe die auch mit 1,1 abgeschlossen. Also man kann mir, glaube ich, jetzt nicht unterstellen, ich hätte nicht aufgepasst oder so, ja, und habe relativ schnell danach in Koblenz frühkindliche Pädagogik dann berufsbegleitend studiert. Und durfte dort an einer damals geschenkten, das war nicht im Lehrplan, an einer geschenkten Veranstaltung an einem Samstagnachmittag von der Frau Professor Dr. Beckmann teilnehmen. Und das hat für mich so viel geändert. Also bis zu diesem Nachmittag wusste ich gar nicht, was ich nicht weiß.
Und das ist, glaube ich, immer gefährlich, weil man dann Dinge in der Praxis gar nicht erkennen kann, wenn man vorher nicht dafür sensibilisiert wurde, ausgebildet wurde. Und dieser Nachmittag, das klingt immer nach so viel Pathos, aber dieser Nachmittag war für mich beruflich lebensverändernd, weil klar war: Oh mein Gott, es kann doch nicht sein, dass ich aus einer Ausbildung komme, motiviert, mit guten Noten und meine Ausbildung war an sich ja auch gut, aber dieser Themenbereich, nicht so rübergebracht wurde, wie das wichtig ist. Und am gleichen Abend war ich mit Kolleginnen essen und ich glaube, die kamen alle nicht zu Wort, weil ich habe nur erzählt: Stellt euch vor, was die heute gesagt hat, was wir alles nicht wissen. Und ich war so schockiert davon. Und das war für mich die größte Motivation, in diesem Bereich zu arbeiten und einfach auch mit dran zu arbeiten, dass die Menschen in der Praxis sich verändern und dass wir sozusagen nachschulen. Dass wir das, was das System noch nicht leistet - was ich mir wünsche, dass es irgendwann leistet - selbst nachholen. Und wenn ich irgendwann arbeitslos bin in der Schutzmanufaktur, weil alle gut ausgebildet werden in den Studiengängen, in den Ausbildungen, dann bin ich sehr, sehr glücklich.
[00:05:38.600] - Nadia Kailouli
Wow, das ist doch mal - Also jetzt wollen wir alle uns mit dir in diesen Hörsaal beamen, wo damals Prof. Dr. Beckmann war das?
[00:05:47.100] - Lisa Weisbrod
Ja, Kathinka Beckmann heißt sie.
[00:05:49.350] - Nadia Kailouli
...dich so auf diesen Trip gebracht hat. Was wurde denn da gesagt, was du gemerkt hast, das wusste ich alles gar nicht, aber das will ich jetzt aufsaugen?
[00:05:58.430] - Lisa Weisbrod
Ja, ich glaube, es fing schon so an mit dieser Haltung. Weil ich glaube, ganz viele Menschen doch in sich drin die Idee haben mit: Na ja, das passiert ja bei uns nicht. Und das muss nicht mal eine bewusste Idee sein. Vielleicht ist das nur so ein unterbewusstes Gefühl, weil man kommt aus einem kleinen, schönen Ort. Kam ich damals auch, ganz dörflich und man kennt sich schon immer und man denkt vielleicht, das Böse ist woanders. So, ich glaube, das ist so die wichtigste Message überhaupt, dass man auf die Idee kommt, okay, das passiert auch bei mir in meinem Ort.
[00:06:28.280] - Nadia Kailouli
Machen wir das mal konkret. Missbrauch meinst du, ne?
[00:06:31.280] - Lisa Weisbrod
Alle Formen von Kindeswohlgefährdung. Ja, genau. Natürlich auch sexualisierte Gewalt. Aber wenn es um Schutzkonzepte geht, wird häufig - also die Literatur spricht häufig hauptsächlich von sexualisierter Gewalt. Ich finde es immer wichtig, das breiter zu denken, weil auch der Paragraph §8a SGB VIII sagt ja nicht: Schützt Kinder nur oder meldet Kinder dann nur beim Jugendamt, wenn es um sexualisierte Gewalt geht, sondern um alle Formen, also auch um Versorgungsdefizite, um körperliche Gewalt, um seelische Gewalt. Wenn Kinder häusliche Gewalt, also Gewalt in engen sozialen Beziehungen miterleben. Also alle Formen von Kindeswohlgefährdung, die sein könnten, müssen in einem Schutzkonzept gut abgedeckt werden.
[00:07:09.460] - Nadia Kailouli
Das heißt, dir wurde an diesem Tag klar: Moment mal, es kann überall passieren. Das heißt auch in diesem beschaulichen Dorf. Aber was war so deine Erkenntnis, wo du sagst, ich bin doch hier eigentlich eine ausgebildete Erzieherin und bilde mich jetzt einfach auf dem zweiten Weg im Studium noch mal intensiver weiter mit Kinderpädagogik. Wo hast du da die Lücken gemerkt? Weil eigentlich denke ich mir jetzt so, hä, na ja, also dass häusliche Gewalt oder Kindeswohlgefährdung auch im kleinen Dorf passieren kann, das sollte doch in der Erzieher:innen-Ausbildung Thema gewesen sein.
[00:07:40.500] - Lisa Weisbrod
Ja, sollte es. Aber es gibt tatsächlich kein Modul zum Kinderschutz in der Ausbildung, also kein festgeschriebenes. Und ich sage das immer so ein bisschen zynisch: Ich hatte in meiner Ausbildung 160 Stunden Religionspädagogik. Und ich hatte kein Modul zum Kinderschutz. Also ich habe auch in meiner Bachelorarbeit mir den Lehrplan von meinem Bundesland angeschaut und eben mit Blick darauf, wie steht Kinderschutz da drin und an welchen Stellen finden wir das? Und auf diesen 46 Seiten kommt einmal das Wort Kinderschutz vor - aber nicht als Überschrift, sondern ganz klein. Das heißt, so gut wie man ausgebildet sein sollte, ist man am Ende nicht, in der Regel nicht.
[00:08:20.600] - Lisa Weisbrod
Okay, nur dass wir das einmal festhalten. Wir reden jetzt hier gerade nicht mit einer Frau, die kurz vor der Rente steht. Und wo man sagen kann, okay, das ist auch lange her, das hat sich natürlich verändert. Sondern das ist - wann hast du deine Ausbildung gemacht? Vor wie vielen Jahren?
[00:08:32.520] - Lisa Weisbrod
Also ich habe von 2012 bis 2015.
[00:08:35.720] - Nadia Kailouli
Ja, das sind 10 Jahre.
[00:08:37.000] - Lisa Weisbrod
Ist noch nicht lange her.
[00:08:37.840] - Nadia Kailouli
Ist nicht lange her. Und da stand nichts dazu drin. Das ist doch heftig.
[00:08:41.440] - Lisa Weisbrod
Also sehr wenig.
[00:08:42.240] - Nadia Kailouli
Sehr wenig. Oder einmal.
[00:08:43.580] - Lisa Weisbrod
Genau. Und das ist halt ein bisschen Auslegungssache. Und ich glaube, das ist auch das Problem, dass Kinderschutz immer an einzelnen Menschen hängt. Also sowohl in der Ausbildung als auch im Studium, weil... Also wenn in Koblenz nicht die Frau Beckmann das so in die Hand genommen hätte und uns diesen Samstagnachmittag geschenkt hätte damals - soweit ich weiß, ist das heute, glaube ich, auch Inhalt des Studiums dort, aber zu meiner Zeit noch nicht. Wenn sie da nicht ihre Freizeit uns geschenkt hätte, dann hätte ich das vielleicht auch nicht so wahrgenommen. Ja, man konnte damals über so ein Studium Generale so sich freiwillig da reinbuchen, das schon, aber es war eben nicht verpflichtend. Und das ist ja eigentlich das Traurige, dass immer einzelne Menschen was leisten müssen, Engagement zeigen müssen, weil das System das nicht vorsieht.
[00:09:26.650] - Nadia Kailouli
Ja, okay, das ist schon extrem. Jetzt glaube ich, müssen wir einmal überhaupt erst erfahren, wenn wir von Kinderschutz sprechen und auch davon sprechen, dass Erzieherinnen und Erzieher und Pädagoginnen und Pädagogen in ihrer Ausbildung davon wissen müssen. Worüber sprechen wir da konkret? Was bedeutet das zu lernen, was Kinderschutz heißt?
[00:09:47.250] - Lisa Weisbrod
Also das sind verschiedene Felder. Ich muss als Erzieherin in der Lage sein, Schutzkonzepte zu entwickeln mit meinem Team. Das heißt, ich muss wissen, was da reingehört. Und dann gibt es noch Punkte, die stehen auch in einem Schutzkonzept drin, aber die würde ich jetzt noch mal hier im Gespräch so ein bisschen herausnehmen. Das sind zum Beispiel die Notfallpläne. Also dass ich weiß, was sind die Handlungsschritte in einem Kinderschutzfall, also was sind die Handlungsschritte nach Paragraph §8a, was bedeutet der Paragraph §47 in der Kita, also die Meldepflicht in der Kita, weil auch da gerade sehr häufig die Verantwortung so Richtung Träger geschoben wird. Der steht auch im Gesetz als Verantwortlicher, das stimmt, aber auch da muss ich gucken, was kann ich in der Kita als Fachkraft oder was muss ich vorher leisten, damit überhaupt der Träger das umsetzen kann.
[00:10:32.690] - Nadia Kailouli
Jetzt möchte ich an dieser Stelle einmal sagen, dass - ich kenne hin und wieder mal Leute, die den Beruf als Erzieherin eher so ein bisschen belächeln. Nach dem Motto, na ja, die passt halt auf Kinder auf. Ich finde, du hast jetzt gerade erst mal sehr klar gemacht, dass das weit, weit, weit mehr ist als einfach auf Kinder aufzupassen, womit man sich ja auch juristisch und rechtlich und so auseinandersetzen muss und was man in der Lage sein sollte und eigentlich auch müsste, um Konzepte zu entwickeln, die auch auf Behörden-Ebene anerkannt sind und so Kindern eben ein Schutzkonzept - und nicht nur den Kindern, auch den Eltern - dieser Institutionen zu geben. Also all die, die immer so einen belächelnden Eindruck von Erzieherinnen haben, ich hoffe, ihr habt diesen Arschtritt jetzt alle gespürt. So, jetzt fragt man sich natürlich, was soll denn da drinstehen? Es ist ein Stück Papier am Ende des Tages. Ja, aber es scheint ja ein sehr wichtiges Stück Papier zu sein, dass eine Kita oder eine Schule sich ein Schutzkonzept erarbeitet. Was sind so grundlegende Sachen, wo du sagst, das muss da rein und das greift auch gut?
[00:11:32.700] - Lisa Weisbrod
Also hoffentlich ist es nicht nur ein Stück Papier. Ich glaube, dass es an vielen Stellen leider so ist, dass das hübsches Papier ist, was im Büro so ins Regal gestellt wird. Das ist für mich kein Kinderschutz. Eigentlich geht es, also klar, das Stück Papier muss am Ende fertig sein, aber eigentlich geht es um den Weg vorher, um den Prozess gemeinsam als Team, das zu erarbeiten und zu gucken, wo stehen wir? Also auch im Sinne von Risiko- und Potenzialanalyse. Was läuft schon gut, was läuft noch nicht gut? Wie entwickeln wir uns weiter? Und dann gibt es ja so, ich sage mal, Gliederungspunkte, auf die man sich schon in der Fachwelt inzwischen geeinigt hat. Das heißt, es müsste rein: Was ist unser Leitbild? Was ist mit Personalverantwortung und Fortbildung? Also zum Beispiel, wie gehen wir mit dem Thema Kinderschutz im Bewerbungsprozess um? Wie sprechen wir mit Bewerbern schon, Bewerberinnen zu dem Thema? Dann brauchen wir Prävention. Wir brauchen aber auch, das ist für mich so das Herzstück eines Schutzkonzepts, einen Verhaltenskodex. Und eine Verhaltensampel. Weil das eine ist ja, was passiert Kindern in ihren Familien, aber was passiert Kindern auch in Einrichtungen? Es sind nicht alle Einrichtungen sichere Orte und es ist auch nicht jede Fachkraft mit einem guten Grund Fachkraft geworden, sondern vielleicht ist es auch eine Täterstrategie und nicht nur mit Bezug auf sexualisierte Gewalt, sondern auch einfach, dass Nähe und Distanz falsch verstanden wird, dass es vielleicht seelische Gewalt auch in Einrichtungen gibt, dass Kinder zum Essen gezwungen werden. Das sind so die Themen, die immer wieder aufploppen und das muss im Endeffekt besprochen werden, dass das alles so nicht geht und was der richtige Weg wäre.
[00:13:06.740] - Nadia Kailouli
Okay, jetzt musst du vielleicht trotzdem noch mal ganz konkret sagen: Alles klar, was ist denn der Verhaltenskodex? Also welche Sachen greifen denn? Und sind das jetzt Sachen, die du uns erzählst, die du aus deiner Ausbildung kennst oder die du dann für dich entwickelt hast und sagst: Leute, das lernt ihr ja gerade leider alles nicht, deswegen habe ich diese Schutzmanufaktur gegründet. Auf welcher Ebene...? Vielleicht kannst du das auch noch mal einordnen.
[00:13:28.710] - Lisa Weisbrod
Also ob man das lernt oder nicht, ist glaube ich wirklich abhängig von der Schule, wo man war. Und ich glaube schon, dass viele Punkte, die zum Verhaltens..., die unter den Verhaltenskodex fallen, ganz viel mit Haltung dem Kind gegenüber zu tun haben. Und da würde ich schon sagen, dass das hoffentlich in Ausbildung überall abgedeckt ist. Aber um es jetzt mal konkreter zu machen in einem Verhaltenskodex: Also wenn ich mich jetzt als Team frage, was schreibe ich da rein, was gehört denn da rein? Dann würde ich schon mal reinschreiben: Wer darf denn wann welche Räume betreten? Also dürfen Eltern zum Beispiel in Bäder? Dürfen die in Schlafräume? Dürfen da Externe rein? Wie gehen wir damit um, wenn Handwerker, der Hausmeister, wer auch immer da ist? Aber auch Nähe- und Distanzverhalten von Fachkräften. Also die Gefahr ist ja nicht immer eine externe, sozusagen. Also wie sind auch unsere Räume gestaltet? Wie einsehbar ist auch ein Wickelbereich? Wie gehen wir mit Doktorspielen um?
[00:14:20.860] - Nadia Kailouli
Gibt es darauf ganz klare Antworten oder muss man das herausfinden? Oder gibt es eigentlich eine klare Antwort darauf, die für alle gelten sollte?
[00:14:27.930] - Lisa Weisbrod
Also es gibt nicht eine klare Antwort im Sinne von, man könnte jetzt ein perfektes Schutzkonzept schreiben und das kopieren für alle Einrichtungen, weil das wäre ja dann die eine klare Antwort. Sondern man muss eben schauen, was ist das für eine Einrichtung, was gibt es für Voraussetzungen, auch räumliche, personelle. Es macht ja einen Unterschied, ob ich in einem offenen Haus bin, ob ich eine Kita habe mit sechs geschlossenen Gruppen, ob ich in einer Waldkita arbeite. Das sind ja ganz unterschiedliche Konzepte und Voraussetzungen, Bedingungen einfach, und die müssen eben aufgegriffen werden. Aber sicherlich gibt es stellenweise allgemeingültige Antworten. Also dass niemand mehr, hoffentlich, niemand mehr Kinder zum Essen zwingt, dass wir Kinder nicht einfach über den Kopf streicheln, wenn sie an uns vorbeilaufen, dass wir keine Kosenamen benutzen in Einrichtungen und dass wir alle Körperteile richtig benennen und nicht irgendwelche Geschlechtsteile verniedlichen und solche Themen. Das ist hoffentlich inzwischen allgemeingültig angekommen, dass das so ist.
[00:15:26.080] - Nadia Kailouli
Wie findet denn jetzt eine Kita-Einrichtung das passende Schutzkonzept? Also wo kriegt man Antworten auf all die Fragen? Wie wollen wir Kinder hier in dieser Einrichtung schützen und wie wollen wir sehen, wenn wir merken, diesem Kind geht es irgendwie nicht gut. Es verändert sich, es hat, weiß ich nicht, wird dünner oder kommt regelmäßig irgendwie mit weiß ich nicht, ob das überhaupt ein Problem ist, schmutziger Kleidung oder so, keine Ahnung. Also wie findet man denn da die Antworten auf diese Fragen als Einrichtung?
[00:16:00.600] - Lisa Weisbrod
Also das wären für mich jetzt zwei Teile. Das eine ist dieser allgemeine, die Frage nach Begleitung im Qualitätsprozess. Also wie entwickle ich mein Schutzkonzept? Da würde ich schauen, was gibt es eben für Referenten, die gut zu uns passen? Also Menschen, die das so wie ich freiberuflich machen, oder auch Beratungsstellen, die so was anbieten, oder auch eine Kita-Fachberatung wird sicherlich stellenweise unterstützen können, wenn auch nie in dem Ausmaß wie jetzt eine Referentin, die mehrere Tage in der Einrichtung ist. Das können die in der Regel personell gar nicht leisten. Und im Einzelfall, wenn ich jetzt Sorge um ein Kind habe, weil ich Anzeichen für ein Versorgungsdefizit sehe oder für andere Formen von Kindeswohlgefährdung, dann müsste ich sozusagen diese vier Schritte des §8as ablaufen. Und da ist dann Schritt Zwei, die sogenannte InsoFa, also die insoweit erfahrene Fachkraft. Das ist einer, ja, in der Regel Psychologin oder Sozialpädagogin mit Erfahrung im Kinderschutz und eben dieser Weiterbildung zur InsoFa und da bespricht man sich dann. Da macht man gemeinsam Risikoeinschätzung und die Fallverantwortung bleibt trotzdem in der Kita, die wird nicht abgegeben, aber man hat eben diese Unterstützung noch mal von außen und das kann total hilfreich sein, wenn einfach jemand noch mal mit auf den Fall schaut. Und ich tue mir mit dem Wort Fall auch immer so ein bisschen schwer, weil das so Kinder so versachlicht, ne. Aber ja, also einfach noch mal auf die Situation des Kindes auch schaut dann und vielleicht noch neue Ideen mit einbringt und den weiteren Weg auch plant.
[00:17:24.940] - Nadia Kailouli
Jetzt hast du schon öfter den Begriff Kindeswohlgefährdung genannt. Was ist das genau für dich? Wo fängt Kindeswohlgefährdung an?
[00:17:33.130] - Lisa Weisbrod
Ja, das ist eine super schwierige Frage, die lässt sich wahrscheinlich auch nicht in einem Satz beantworten. Also Kindeswohl ist ja erst mal ein unbestimmter Rechtsbegriff. Das heißt, wir haben nicht eine rechtsgültige Definition, wir haben auch nicht die eine Checkliste, sondern es sind immer Einzelfallentscheidung letztendlich in allen Instanzen. Wenn die Kita das bespricht, wenn wir es in den Jugendämtern - also ich habe ja auch eine Zeit lang im ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst, Anm.d.Red.) im Jugendamt gearbeitet - wenn wir es dort besprechen, wenn wir es vor dem Familiengericht diskutieren, ist es immer eine Einzelfallentscheidung letztendlich.
[00:18:04.000] - Nadia Kailouli
Wie erkennt man das?
[00:18:05.740] - Lisa Weisbrod
Das ist eine sehr breite Frage jetzt.
[00:18:07.500] - Nadia Kailouli
Ja, ist es.
[00:18:08.080] - Lisa Weisbrod
Wie erkennt man das? Also wie erkennt man das? Kommt jetzt drauf an, von welcher Form von Kindeswohlgefährdung wir auch sprechen. Da gibt's verschiedene Anzeichen, aber ich würde jetzt pauschal sagen an Verhaltensänderung, z.B. wenn Kinder sehr ruhig werden oder sehr laut werden, wenn die Dinge, die sie schon konnten, plötzlich nicht mehr können, wenn die sich super distanzlos zeigen, wenn aber auch schon so, wenn ich in der Kita an der Garderobe vorbeigehe und ich rieche so diese Kleidung, ich merke, dass das alles so, ich sag jetzt mal, schmuddelig ist, nach abgestandenem Essen und kaltem Rauch und einfach dreckig riecht und die Kinder Kleidung anhaben, die nicht der Witterung und nicht der Größe irgendwie angemessen ist. Also es kann super, super, super vieles sein. Deshalb braucht man auch so einen breiten Blick.
[00:18:57.850] - Nadia Kailouli
Ja, aber ich finde, du hast das ganz gut auf diese große Frage sehr gut runtergebrochen. Da hat man gleich Bilder im Kopf und ich finde das sehr gut. Ich glaube, das hilft total zu realisieren, warum das auch so wichtig ist, diese Schutzkonzepte zu haben, weil man dann sensibilisiert: Habt darauf einen Blick! Ja, das ist nicht okay, wenn die Kleidung über Wochen hinweg einfach nicht gut riecht, dann weiß man, okay, Kindeswohlgefährdung ist hier. Wie ist die Hygiene zu Hause und tut dem Kind das gut? Ja, so, das finde ich, hast du sehr, sehr, sehr gut erklärt, dass man sich was darunter vorstellen kann.
[00:19:33.690] - Lisa Weisbrod
Ja, ich glaube, es hilft immer, wenn man sich, also dadurch, dass es ja diese Definition nicht gibt, final hilft es immer, wenn man sich die Grundbedürfnisse von Kindern anschaut und dann eben schaut, welches Bedürfnis ist erfüllt, welches ist nicht erfüllt und zu welchen Schädigungen oder welchen Folgen kann das kommen, dadurch dass dieses Bedürfnis nicht erfüllt ist? Weil dann komme ich am nächsten dran, das auch beschreiben zu können.
[00:19:57.250] - Nadia Kailouli
Involviert ein Schutzkonzept dann eben auch die Konfrontation mit zu Hause oder ist das ein anderer Bereich oder greift das da mit rein?
[00:20:04.810] - Lisa Weisbrod
Du meinst Elterngespräche dann?
[00:20:07.450] - Nadia Kailouli
Ja, genau.
[00:20:07.650] - Lisa Weisbrod
Also innerhalb der Notfallpläne im Schutzkonzept werden eben diese beiden Paragraphen, also einmal der Paragraph §8a SGB VIII und der Paragraph §47 im SGB VIII beschrieben. Und wenn ich das erkläre, mache ich immer so diese Bewegung, kann man jetzt nicht sehen, aber ich mache so ein Haus über so ein Dach über meinem Kopf. Und alles, was Kindern außerhalb dieses Hauses - also Haus ist jetzt die Kita - außerhalb dieses Hauses passiert, ist ein Paragraph §8a-Fall. Und alles, was in der Kita selbst passiert, ist ein §47er-Fall. Und in beiden Teilen sind Eltern natürlich wichtig. Kinderschutz funktioniert immer über Elternarbeit auch. Aber so, das Klassische oder was ich vermute, was du meintest, dieses, dass man Eltern dann darauf anspricht: Hey, wir sehen, Ihrem Kind geht es nicht gut. Das wäre im §8a verortet und das wäre der Schritt Drei. Also nachdem die bei der InsoFa waren, führen die Elterngespräche. Haben die gesetzlich vorgeschrieben Elterngespräche zu führen. Es gibt Ausnahmen, wenn das Wohl des Kindes durch das Gespräch nicht sichergestellt wäre oder weiter gefährdet wäre. Also wenn ich jetzt sexuelle Gewalt konkret vermute, innerfamiliär, dann kann ich mich nicht als Kita mit Eltern an einen Tisch setzen. Das wäre ja irgendwie absurd. Was soll ich denn da sagen, was das verändert? Also mein Gegenüber wird ja hundert Prozent sagen, ist nicht so.
[00:21:20.850] - Nadia Kailouli
Dann muss man das eher melden, wenn man diesen Verdacht hat, und dann kümmert sich eine andere Einrichtung, Jugendamt, Polizei, ich weiß nicht was, die kümmern sich dann.
[00:21:28.810] - Lisa Weisbrod
Ja, man darf es dann überspringen. Also man darf dann zu Schritt Vier gehen. Das wäre der letzte Schritt, wäre die Meldung ans Jugendamt. Da geht man sonst nur hin, wenn Eltern nicht fähig und nicht gewillt sind, die Kindeswohlgefährdung abzuwenden. Also erst mal versuche ich als Kita in diesem Elterngespräch klarzumachen, was man eben beobachtet hat und warum man sich Sorgen macht und was mit dem Kind, mit der kindlichen Entwicklung passiert, wenn die Kindeswohlgefährdung nicht abgewendet wird, und versucht Eltern irgendwie gut zu unterstützen, also an Beratungsstellen anzubinden, zum Beispiel. Und wenn die das aber nicht einsehen oder manche sehen es schon ein, aber kriegen es nicht umgesetzt, weil sie aus verschiedenen Faktoren super belastet sind und es einfach nicht schaffen, dann gehen wir ans Jugendamt.
[00:22:13.620] - Nadia Kailouli
Jetzt haben wir, glaube ich, ganz gut verstanden, warum so Schutzkonzepte wahnsinnig wichtig sind. Aber sie werden ja in dieser Ausführlichkeit, wie sie eigentlich sein sollten, nicht überall auch angewendet oder überhaupt erarbeitet. Jetzt wollen wir mal einen Eindruck bekommen, wie du Einrichtungen dabei hilfst. Du bist eben Referentin, du hast diese Schutzmanufaktur auf die Beine gestellt und du gehst dahin, habe ich gerade gehört. Kannst du uns mal einen Einblick geben, wie das genau funktioniert? Läufst du da mit? Bist du dann für vier Tage mit die Erzieherin? Beobachtest du einfach oder wie sieht das aus?
[00:22:45.950] - Lisa Weisbrod
Ja, also es sieht so aus, dass ich vorher erst mal viel Kontakt mit der Einrichtung habe und auch viel lese. Das heißt, ich kenne alle Dokumente, die es irgendwie gibt. Ich bin aber auch im Gespräch mit der Leitung dazu, wie sind die denn entstanden. Weil manchmal gibt es ja ganz tolle Konzeptionen und die sind aber von drei Leitungen vorher alleine während Corona im Homeoffice geschrieben. Das bringt uns dann auch nicht so viel. Also ich versuche schon aus der Ferne erstmal diese Einrichtung kennenzulernen und herauszufinden, was läuft schon gut, was läuft nicht so gut, einen ersten Eindruck zu bekommen. Wenn es möglich ist, kriege ich auch Baupläne, um diese räumlichen Sachen mir vorher schon anschauen zu können. Genau. Und dann gehe ich ins Team und dann beginnen wir damit, dass wir erst mal Grundlagen zum Kinderschutz machen. Also was ist Kindeswohl? Was ist eine Kindeswohlgefährdung? Was bedeuten diese Begriffe auch aus rechtlicher Sicht? Was sagt der BGH dazu und welche Formen von Kindeswohlgefährdung gibt es? Wie kann man die erkennen? Wie läuft der §8a ab? Was mache ich konkret in diesen vier Schritten? So Sachen wie: Wie sieht eine anständige Beobachtung und Dokumentation aus? Wie spreche ich mit Kindern im Verdachtsfall? Was hilft mir im Elterngespräch? Also diese ganzen, diese Übersetzung vom Gesetzlichen in die Praxis, das schauen wir uns zusammen an, aber auch eigenes Verhalten. Also was geht als Erzieherin nicht, was ist Fehlverhalten, was muss gemeldet werden?
Und wenn wir da auf einem Stand sind, dann machen wir eine Risiko- und Potenzialanalyse. Das heißt, dann schauen wir, was läuft gut, was läuft noch nicht so gut in der Einrichtung. Und auf Grundlage von all dem gehen wir dann in so einen partizipativen Prozess und erarbeiten wirklich...also mit dem kompletten Team. Das ist für mich das Wichtigste, dass alle dabei sind. Weil so ein hübsches Schutzkonzept kann ich auch alleine woanders schreiben und dahin schicken. So Anfragen kriege ich auch manchmal. Das mache ich nie, weil das für mich, das ist eine Form von Kindeswohlgefährdung, weil ich dann dafür - also überspitzt gesagt jetzt - weil ich dann dafür sorgen würde, dass die ein gutes Dokument haben, was die bei den Behörden abgeben. Aber keiner hat eine Veränderung an seinem Wissen, an seinem Herzen, an seiner Haltung irgendwie durchlaufen. Ich will eben, dass sie das mit mir durchlaufen. So, also wir erarbeiten dann eben die einzelnen Gliederungspunkte.
Wenn ich gehe, gibt es die erst mal auf Plakaten an Stichpunkten und dann werden die verschriftlicht in den nächsten Wochen durch das Team. Dann kommen die wieder zu mir, ich lese das Korrektur, dann sehen wir uns noch mal und dann arbeiten wir gemeinsam an diesem Text. Und dann wird das eben auch dem Elternausschuss vorgestellt, dem Träger. Wenn alle damit glücklich sind, dann geht das an die zuständige Behörde. Und falls die irgendeinen Kritikpunkt haben sollte, irgendwas anders möchte, ausführlicher, weniger, whatever, dann würde sich - das passiert in der Regel nicht - aber dann würde sich die Kita noch mal melden und dann würden wir noch mal eine Schleife machen und es dementsprechend überarbeiten.
[00:25:37.720] - Nadia Kailouli
Also das Ding ist halt, dein Ansatz ist, dass die Kita selbst den Kinderschutz, die Kindeswohlgefährdung, die Notfallpläne, die ganzen Mechanismen, die da reinlaufen, erst mal selbst verinnerlichen und dann selbst zu Papier bringen.
[00:25:51.410] - Lisa Weisbrod
Genau so. Also ich begleite die nur. Und ich begleite die durch Materialien, die ich irgendwann entwickelt habe, auch nicht irgendwie im stillen Kämmerlein, sondern das war... Ganz ursprünglich, ist das, was ich heute mache, war das das Abschlussprojekt meines Studiums. Also ich musste eine Bachelorarbeit damals schreiben, die habe ich zum Kinderschutz geschrieben, aber ich musste auch so ein Praxisprojekt umsetzen und habe damals mit meiner Kita ein Schutzkonzept entwickelt. Und das musste natürlich auch in einem Kolloquium vorgestellt werden und genau. Genau, da habe ich das zum ersten Mal gemacht und meine Sachen entwickelt damals, wie ich den Ablauf haben will und welche Materialien ich nutze und so. Und dadurch, dass wir damals die ersten waren bei uns im Landkreis, gab es dann vom Jugendamt eine Veranstaltung, hatte unsere Kita-Fachberatung so organisiert, dass wir das vorstellen können und die anderen Kitas vielleicht so eine Inspiration bekommen. Und da haben dann Leitungen gefragt, ob man mich buchen könnte. Also das ist das alles, was ich heute mache, ist eigentlich aus so einem Zufall entstanden, weil eigentlich wollte ich erst mal nur für meine Einrichtung ein gutes Schutzkonzept.
[00:26:51.570] - Nadia Kailouli
Aber ich finde das so toll, weil dir merkt man wirklich an, wenn man mit dir spricht, dass du etwas gemacht hast aus Überzeugung, aus einer Wichtigkeit heraus, die dich selbst so erreicht hat. Also Arbeit soll Spaß machen, sagt man ja immer so schön, gelingt nicht allen. Aber bei dir merkt man, dass es tatsächlich so ist. Du hast da nicht nur eine große Freude dran, sondern du siehst da, hey, das habe ich doch gelernt, das habe ich jetzt auch studiert und jetzt will ich das auch irgendwie umsetzen. Und ja, ich finde, schöner kann man ja nicht in Lohn und Brot kommen, als das jetzt bei dir passiert ist, dass du da deine Bachelorarbeit geschrieben hast und dann daraus ja ein eigenes Konzept entwickelt hast und damit jetzt gerade auch ja deinen Job hast. Das ist erstmal - Chapeau dafür! Jetzt habe ich das richtig verstanden, dass Schutzkonzepte an Kitas veränderbar sind, ja, also dass man nicht einmal da was hinlegt, sondern dass man sich stetig immer wieder neu damit auseinandersetzen sollte und dann sich weiterentwickeln kann.
[00:27:48.360] - Lisa Weisbrod
Genau. Also ja, Schutzkonzepte müssen regelmäßig überprüft werden. Das sagt der Gesetzgeber auch schon so im Paragraph §45 SGB VIII. Schutzkonzept muss eben entwickelt, angewandt und dann überprüft werden. Das sollte man so in der Regel einmal im Jahr machen und schauen, ob alles noch aktuell ist und ob es konzeptionelle Veränderungen gab. Oder manchmal gibt es ja auch einfach noch mal eine Veränderung im Wissen, also Dinge...Wir haben ja immer mehr Studien und Dinge werden neu erforscht und es gibt neue Ansätze auch und da sollte man einfach auf dem Laufenden bleiben. Ich glaube, gefährlich wird's immer, wenn man denkt, dass man ausgelernt hat, dass man fertig ist im Kinderschutz und das ist man, glaube ich, irgendwie nie. Und das sollte so die Haltung im Team sein, so: Was können wir noch verändern? Weil auch das, was ich mit Kitas erarbeite, wenn das deren erstes Schutzkonzept ist und die vorher noch nie was zum Kinderschutz gemacht haben. Das steht erst mal auf guten Beinen. Ja, also natürlich, das ist mein Anspruch, aber ich hoffe bitte, dass das in den nächsten Jahren trotzdem immer weiter und weitergeht. Und in manchen Einrichtungen bin ich auch in den Jahren danach noch mal, das ist auch immer schön dann...
[00:28:55.410] - Nadia Kailouli
Zu gucken.
[00:28:56.030] - Lisa Weisbrod
Ja, das gemeinsam so zu schauen.
[00:28:58.830] - Nadia Kailouli
Jetzt ist das ein Szenario, was du beschreibst, was sehr viele beruhigt, finde ich: Ach toll, die Lisa geht da hin, die Kitas, die sind da offen für, die machen das. Ach super, super, super. Ist das aber auch die Realität? Also so auf breitem Felde gesprochen, dass du die Erfahrung hast und uns jetzt hier kein Hokuspokus erzählst, ist mir schon klar, sondern das ist ja schön, du wendest das an, aber wie ist die Realität wie in der Breite? Also wie viele Kitas haben die Zeit, die Kapazitäten, den Willen, sich wirklich so intensiv damit auseinanderzusetzen? Weil es gibt ja wahrscheinlich heute immer noch die Einrichtungen, wo die sagen, bei uns doch nicht, wir kennen uns hier alle. Ich möchte jetzt überhaupt gar nicht nach außen hin so tun...Sobald ich hier einmal groß Schutzkonzept an die Glaswand draußen hänge zwischen den bunten Fingern, dann haben wir gleich alle das Gefühl, hier ist was passiert. Das lassen wir lieber gleich.
[00:29:48.310] - Lisa Weisbrod
Ja, also ich glaube, oder andersrum, ich kenne inzwischen keine Einrichtung mehr, die gar keins hat. Die Frage ist ja trotzdem, wie viel Qualität hat das oder wie ist das entstanden? Weil ich häufig Anrufe habe von Kita-Leitungen, die sagen, ja, wir haben eigentlich eins, wir mussten das abgeben. Es gab ein gewisses Datum von der betriebserlaubniserteilenden Behörde, da wurde irgendwann auch ein bisschen bisschen mit Druck gearbeitet, ja. Aber man muss auch ehrlich sagen, hatten auch alle lang genug Zeit in den Jahren vorher. Also irgendwann gab es ein bisschen Druck an vielen Stellen und dann hat man halt was geschrieben oder man hat von der Nachbar-Kita ein bisschen abgeschrieben oder man hat KI gefüttert, ja. Und dann hat man was abgegeben und das Team hat das, wenn es gut läuft, mal gelesen, aber manchmal auch nicht mal das. So, ne. Und das ist dann zwar da auf dem Papier, aber es ist ja eigentlich kein Schutzkonzept, weil das hat ja zu überhaupt keiner Veränderung in dieser Einrichtung geführt, oder man hat nicht mal Verhaltensweisen irgendwie reflektiert. Und also, ich erlebe es trotzdem insgesamt so, dass der Großteil der Menschen, wenn man dann da ist und gemeinsam arbeitet, sehr motiviert ist und da auch was verändern will.
Aber natürlich gibt's auch unter Fachkräften immer wieder Menschen, die es auch nach ganz viel Arbeit nicht verstanden haben und das nicht einsehen und trotzdem noch sagen, bei uns passiert das nicht, oder das hat mir auch nicht geschadet als Kind, und ich zwinge das Kind trotzdem zum Essen, weil das muss die Erbse probieren, das ist wichtig. Und auch Dokumentation finde ich jetzt nicht so wichtig, weil ich will ja - das ist mein „Lieblingssatz“ in Anführungszeichen, Lieblings-Hass-Satz: „Ich will ja mit dem Kind arbeiten, ich will ja nicht dauernd was aufschreiben“. Das ist so... Das ist total verrückt, weil jeder im Kinderschutz weiß, Dokumentation ist die einzige gemeinsame Sprache. Und ich muss als Kita dokumentieren. Für mich selbst, damit ich diesen §8a überhaupt den Prozess durchlaufen kann, damit ich zur InsoFa gehen kann, mit den Eltern sprechen kann. Das braucht ja eine Grundlage. Aber auch damit ich ein Jugendamt melden kann. Was soll denn ein Jugendamt machen, wenn es keinerlei Dokumentation aus der Kita gibt? Und da möchte ich auch so ein bisschen Lanze brechen für Jugendämter, weil ganz oft ja sehr negativ negativ über Jugendämter berichtet wird und ich das sehr schwierig finde. Natürlich gibt es institutionelle Gewalt auch in Jugendämtern und das ist absolut zu verurteilen. Das darf so nicht sein. Aber ich höre auch ganz oft Beschwerden in Kitas. Ja, die Jugendämter, die würden ja nichts machen und so. Und wenn ich dann aber sehe, wie die Meldungen aussehen, die von Kitas ins Jugendamt gehen, dann ist auch ein bisschen mau.
[00:32:17.260] - Nadia Kailouli
Warum? Warum? Was ist das Maue?
[00:32:19.900] - Lisa Weisbrod
Ja, weil die Doku fehlt. Also ich kann halt nicht in einem ASD anrufen und sagen, ja, die Mutter hat schon dreimal nach Alkohol gerochen und dann fragen die also in der Abholsituation oder so. Und dann fragt der ASD ja, wann? Und dann sagt die Kita, ja, weiß ich nicht. Das ist halt schwierig.
[00:32:34.480] - Nadia Kailouli
Ja, das ist ja erst mal, was ist denn ASD?
[00:32:37.500] - Lisa Weisbrod
Der Allgemeine Soziale Dienst. Das ist der, also wir sagen immer das Jugendamt, aber das Jugendamt gibt es ja eigentlich nicht, sondern es sind ja ganz viele verschiedene Teile. Und der Allgemeine Soziale Dienst ist der Teil des Jugendamts, bei dem die §8a-Meldungen dann auch eingehen, der für den Kinderschutz zuständig ist.
[00:32:54.020] - Nadia Kailouli
Ja, und da muss ich jetzt sagen, also noch mal, noch mal, hört euch mal an, was so Erzieher:innen alles leisten müssen. Also bei einem Arzt, einer Ärztin haben wir große Bewunderung, dass sie nach jedem „Hallo, wie geht es Ihnen heute Morgen?“ eine Doku schreiben und sagen, Patient war wohl auf, Blutdruck lag da und da. Ja, das muss man auch da machen. Ja, Kind kam mal wieder nass morgens im Winter in die Kita zum 5. Mal, weil ist schon am ersten Dings passiert, dann und dann...Doku schreiben. Ja, das finde ich gut. Das meine ich. Du machst das super. Man kriegt so ein Bild davon, weil man sich immer denkt, ja, Schutzkonzept, Doku schreiben, was heißt das denn? Mama hat dreimal nach Alkohol gerochen. Ja, wann? Puh. Ja, beleg das mal.
[00:33:36.110] - Lisa Weisbrod
Genau.
[00:33:36.430] - Nadia Kailouli
Ja, wie wichtig das ist.
[00:33:37.800] - Lisa Weisbrod
Ja, und man muss sich einfach klarmachen, ich weiß, das ist ein leidiges Thema und viele haben keine Lust auf Dokumentation. Aber wenn ich nicht dokumentiere, verlängere ich im schlimmsten Fall das Leid eines Kindes. Und ich glaube nicht, dass irgendeine Fachkraft das möchte. Ich glaube, vielen ist einfach die Bedeutung oder der Zusammenhang nicht so bewusst. Das wäre anders, wenn wir es in den Ausbildungen hätten. Und die allermeisten Fachkräfte sind sehr, sehr bemüht, halten sehr, sehr viel aus, arbeiten in sehr schlechten oder sehr schwierigen Bedingungen, ne, Fachkräftemangel und Co., das ist ja bekannt. Genau, also auch an dieser Stelle wirklich, wie du sagst, danke für alles, was in Kitas geleistet wird. Das ist nicht ohne.
[00:34:18.410] - Nadia Kailouli
Das ist nicht ohne, wirklich wahr. Und man muss es halt einfach sagen, am Ende ist das, was was auf dem Konto landet bei Erzieherinnen und Erziehern nun auch nicht der Betrag an Geld, der einen motiviert, ich mache jetzt hier noch mal eine Fortbildung, ich setze mich da noch mal mit auseinander und so, sondern man hat einen vollen Tag. Also ich meine, ich laufe manchmal einfach nur, wenn ich mal durch den Wald spaziere, da wo ich wohne ist eine Kita, da laufe ich nur einmal vorbei und denke mir: Halleluja, zum Glück muss ich da nicht arbeiten, weil allein das Geschrei über den ganzen Platz, denke ich mir so, wäre mein Nerven-Stresslevel schon am Limit. Und darüber hinaus, ja, Kinder sind ja nicht immer nur schön, die sind ja auch mal anstrengend. Und darüber hinaus müsst ihr da wirklich, die ganzen Fachkräfte, da wirklich einen Wahnsinnsdienst erbringen. Und nicht nur, dass der Lohn da, finde ich, nicht entsprechend ist, sondern da könnte man wirklich ein bisschen mehr Anerkennung für an die Tagesordnung legen. Nichtsdestotrotz kritisieren wir natürlich auch die, die sagen, ach, das hat mir damals auch nicht geschadet, die blöde Erbse zu essen. Ich sag mal, ich habe mal Kita-Essen probiert, da dachte ich: Also wenn mich jemand zwingt, das zu essen, ich kann hier jedes Kind verstehen, was sagt: Nein, das esse ich nicht.
[00:35:23.650] - Lisa Weisbrod
Ja, total.
[00:35:24.150] - Nadia Kailouli
Wirklich wahr.
[00:35:25.170] - Lisa Weisbrod
Und ich finde, es muss einem doch auch klar sein. Also ich finde, manchmal ist es fast schon absurd, wenn ich - sorry, aber wenn die dann in Kitas um neun so ein Präventionsprojekt machen, so was wie: Wir sagen nein und dein Körper gehört dir und all diese wichtigen Botschaften, die wir in der Prävention ja vermitteln. Und drei Stunden später um 12:00 Uhr sitzt die gleiche Fachkraft, die dieses Projekt gemacht hat, mit dem gleichen Kind an einem Tisch und sagt: Doch, die Erbse musst du jetzt essen. Und dann denke ich so, hä, der Mund ist doch auch eine Körperöffnung. Warum darf dieses Kind denn nicht über diese Körperöffnung bestimmen? Das ist doch total verzerrt irgendwie. Und da würde ich mir wünschen, dass... Also ich glaube, der Großteil macht das sehr gut und richtig, aber dass die, die es gut und richtig machen, den Mut haben, es anzusprechen, wenn Kollegen und Kolleginnen eben grenzüberschreitend sind, wenn die gewaltvoll sind. Und ja, da einfach auch Rückgrat haben und nicht denken: Oh Gott, ich traue mich nicht, bin vielleicht eher erst in der Ausbildung oder eigentlich ist das meine Lieblingskollegin. Manchmal ist ja schwerer, der Lieblingskollegin was zu sagen als der Kollegin, mit der man eh nicht so gut kann. Sich da wirklich klarzumachen, wir sind auf der Arbeit, damit es den Kindern dort gut geht. Und ich muss diesen Mut haben, Fehlverhalten in der Kita anzusprechen. Das ist Teil des Jobs.
[00:36:39.520] - Nadia Kailouli
Ja, absolut. Und da muss man halt sagen, gehört...Oder da ist jetzt noch mal meine Frage an dich, weil wir jetzt eben über über deine Kolleginnen und Kollegen so sprechen, was nicht immer ein einfacher Job ist, sondern auch sehr herausfordernd sein kann. Ist es auch Teil des Schutzkonzeptes, darauf zu achten, wie geht es den Mitarbeitenden hier in dieser Einrichtung? Nach dem Motto: Absolut psychischer Overload, ja, kann nicht mehr, ausgebrannt, zu viele Kinder, zu viel Stress. Puh, ich kann selber gerade nicht mehr garantieren, dass ich hier nicht Teil davon werde, Kindeswohlgefährderin zu werden. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Überlastung.
[00:37:14.010] - Lisa Weisbrod
Ja, also es ist total wichtig, das zu thematisieren und auch zu schauen, wie können wir uns gegenseitig in so Situationen unterstützen? Also was kann ich machen, wenn ich merke, meine Kollegin ist gerade in einer Situation, die ungut ist und sich da zum Beispiel zu überlegen, was könnten wir für ein Codewort im Team nutzen? Also dass ich ein gewisses Wort, einen gewissen Satz habe. Und wenn ich sehe, meine Kollegin ist gerade irgendwie am Limit und die verhält sich gerade so, wie sie sich eigentlich auch gar nicht verhalten will, weil sie so überlastet ist, dass ich das sage und dass sie in dem Moment geht, den Raum verlässt, die Situation verlässt. Die Regel wäre immer nur, jede Ausstiegseinladung wird angenommen. Also es darf keine Diskussion in dem Moment geben über „Ach, brauche ich doch jetzt gar nicht" und „Jetzt lass mich doch mal" oder so, sondern dass ich das nutzen kann, um die Kollegin in fünf Minuten mal „Atme mal durch, komm mal kurz runter" zu schicken. Aber auch mich selbst, weil im besten Fall merke ich ja selbst, wenn ich gerade mich nicht fachlich richtig verhalte und ziehe mich selbst einmal kurz raus. Und da braucht es aber auch eine Entwicklung im Team, dass allen klar ist, das hat nichts mit fehlender Fachlichkeit zu tun, wenn ich sage, ich brauche jetzt mal zwei Minuten Pause, sondern das ist sehr, sehr professionell, wenn ich merke, ich bin gerade an einem Limit und ich tue gerade niemandem mehr gut um mich rum und den Kindern auch nicht gut. Und ja, sich das dann auch gegenseitig zu gönnen.
[00:38:35.900] - Nadia Kailouli
Auch eben ein wichtiger Punkt, ne. Was die Arbeit in den Einrichtungen betrifft. Ich glaube, sowohl ich als auch alle, die uns heute zugehört haben und dich irgendwann auf einem Schutzkonzept sehen, rennen dieser Kita die Bude ein, weil sie sagen: Ah, wenn die mit der Schutzmanufaktur hier mitgearbeitet hat, dann ist mein Kind hier auf jeden Fall in guten Händen. Ich danke dir so sehr, dass du heute bei uns warst, bei einbiszwei!
Du hast super Einblicke gegeben und weiterhin viel Erfolg mit deiner Schutzmanufaktur.
[00:39:02.170] - Lisa Weisbrod
Dankeschön!
[00:39:07.470] - Nadia Kailouli
Mann, mir hat das so gut getan, mal mit Lisa wirklich über dieses Thema Kinderschutzkonzepte zu sprechen, was in Einrichtungen verpflichtend ist. Sie hat das so konkret gemacht. Und wenn ihr jetzt sag: Ey, ich will darüber mehr erfahren, „Die SchutzManufaktur“ heißt ihr Ansatz - Kitas, Schulen, ihr könnt die alle kontaktieren. Lisa weiß, wovon sie spricht.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich mal bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt.
Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal, und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun.
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Mehr Infos zur Folge
72.800 – so viele Kinder und Jugendliche waren 2024 von Vernachlässigung, psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Damit ist die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung innerhalb von 5 Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Und obwohl das so häufig passiert, lernen die Menschen, die täglich mit Kindern arbeiten – Erzieher*innen und Pädagog*innen – in ihrer Ausbildung und im Studium oft nur wenig zum Thema Kinderschutz. Sie lernen nicht ausreichend, wie sie mögliche Gefährdungen erkennen und wie sie dann handeln müssen. Dabei gehört genau das zu ihrem Auftrag im Beruf.
Lisa Weisbrod kennt diese große Wissenslücke aus eigener Erfahrung. Sie ist gelernte Erzieherin, hat in Kitas gearbeitet und später Sozialpädagogik mit einem Master mit Schwerpunkt Kinderschutz studiert. Um Kitas und Schulen dabei zu unterstützen, Schutzkonzepte zu entwickeln und Kinderschutz tatsächlich im Alltag zu verankern, hat Lisa Weisbrod die „SchutzManufaktur“ gegründet und was sie da macht, erzählt sie bei #einbiszwei.
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Kinderschutz-Podcast: Interview mit Lisa Weisbrod (10/2021)
Bei uns gibt´s sowas nicht – der zähe Kampf um Sensibilisierung von Fachpersonal
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„Frau Weisbrod, dein Popo ist echt zu groß für den Stuhl!” 111 Gründe, Erzieherin zu sein
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Sozialgesetzbuch (SGB): §8a Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
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Sozialgestezbuch (SGB): §47 Melde- und Dokumentationspflichten, Aufbewahrung von Unterlagen
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