Du versuchst, deine Kinder feministisch zu erziehen – klappt das, Alexandra Zykunov?
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[00:00:00.640] - Alexandra Zykunov
Und immer so Sticheleien mit so: „Ich könnte das ja nicht“ und „Wozu hast du denn Kinder bekommen, wenn du sie gleich wieder abgibst?“ - was auch immer so: Was heißt denn abgibst? Ich gebe sie ja nicht ab bei irgendwie, weiß ich nicht, der Kassiererin bei Rewe an der Kasse oder beim Fahrradständer angekettet, sondern ich gebe sie ja in liebevolle Hände zum Papa, zu den Kita-Erzieher:innen und so. Und Sprüche, die mein Mann so überhaupt gar nicht bekommen hat. Oder mehr noch, für die Dinge, die für mich ganz normal waren, wurde er dann so hochlobend, super abgefeiert, „Daddy des Jahres“- mäßig.
[00:00:32.070] - Nadia Kailouli
Hi, herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.
Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert. Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst!
Was sind Pornos? Und wenn dort alles fake ist, warum gibt es sie denn dann überhaupt? Oder: Soll mein Lieblingsspieler jetzt nie mehr Fußball spielen, nur weil er einmal eine Frau geschlagen hat? Ja, das sind Fragen, die Kinder stellen, gern auch an der Supermarktkasse und eher selten, wenn man dann schon mal drauf vorbereitet ist. Alexandra Zykunov ist Autorin, Journalistin und „Spiegel“-Kolumnistin. Sie schreibt über Feminismus, Care-Arbeit und das, was Gleichberechtigung im Alltag wirklich bedeutet. Gerade ist ihr drittes Buch erschienen mit dem schönen Titel: „Aber patriarchale Kackscheiße darf man schon noch sagen, oder? Wie ich versuche, meine Kinder feministisch zu erziehen – und ständig daran scheitere“ Ja, und ob man patriarchale Kackscheiße sagen darf oder nicht und wie feministische Erziehung gelingen kann, das bespreche ich jetzt mit ihr selbst.
Herzlich willkommen bei einbiszwei, Alexandra Zykunov.
Schön, dass du da bist!
[00:01:46.300] - Alexandra Zykunov
Ich freue mich auch. Vielen Dank!
[00:01:47.700] - Nadia Kailouli
Ich sage sofort den Titel deines neuen Buches: „Aber patriarchale Kackscheiße darf man schon noch sagen, oder?“ Wie bist du auf diesen hervorragenden Titel gekommen?
[00:01:56.920] - Alexandra Zykunov
Ich liebe das vor allen Dingen sehr, dass der Verlag, mein Verlag, der Ullstein Verlag, gesagt hat: Machen wir so, drucken wir in riesengroßen Lettern und unterstreichen noch patriarchale Kackscheiße. Das war einfach ein Brainstorm tatsächlich zwischen meiner Lektorin und mir, und da haben wir uns das immer so hin und her geworfen. Und irgendwann sagte irgendwer von uns, eigentlich müsste man so was draufschreiben wie, ugh, „Weg mit dieser patriarchalen Kackscheiße!“ oder „Darf man das noch sagen, Mama?“ oder so. Und dann spielten wir uns das so hin und her, und dann wurde aber „Patriarchale Kackscheiße, darf man schon noch sagen, oder?“
[00:02:29.650] - Nadia Kailouli
Sehr gut. Ich finde, das ist ein toller Titel und man möchte direkt mehr wissen. Und wir werden jetzt auch unter anderem darüber reden. Wir sprechen heute mit dir über das Thema feministische Erziehung. Du bist Mutter zweier Kinder und die Frage erst mal: Was ist für dich eine feministische Erziehung?
[00:02:46.160] - Alexandra Zykunov
Das ist eine gute Frage. Das ist etwas, wo ich mich, glaube ich, selbst auch echt so herangetastet habe in den letzten fast 13 Jahren. Also mein Sohn wird jetzt 13, das heißt, ich habe 13 Jahre Mutterschaft quasi schon hinter mir und meine Tochter ist neun. Und das ist etwas, wo ich mich einfach peu à peu herangetastet habe, so wie ich mich selbst auch als Frau und Mutter überhaupt dem Thema Feminismus herangetastet habe. Das ist ja immer noch so ein bisschen so behaftet, so: Uh, die ist Feministin, das heißt, die hasst Männer und rasiert sich nicht und schminkt sich nicht und so. Und also Menschen sollen sich schminken oder nicht rasieren oder rasieren, wie sie möchten. Das hat aber nichts mit Feminismus zu tun. Feminismus ist ja einfach nur der völlig radikale Gedanke, dass alle Menschen gleich sind und alle Menschen die gleichen Rechte kriegen sollten. Und nicht nur sozusagen der privilegierte, hetero, weiße, männliche, sexuelle Cis-Mann, äh heterosexuelle Cis-Mann.
Und dementsprechend habe ich mich da selbst immer mehr herangetastet in meiner Mutterschaft, meinen ersten beiden Büchern. Da ging es ja auch schon quasi so ein bisschen um dieses Awakening für mich als Frau und festzustellen, okay, wow, wir sind alle überhaupt nicht so gleichberechtigt, wie wir dachten. Und es werden völlig unterschiedliche Anforderungen an Frauen und vor allen Dingen Mütter gestellt, sobald sie Mütter werden, und völlig andere unterschiedliche Anforderungen an Männer, sobald sie Väter werden, wenn in Heterobeziehungen. Und das habe ich dann peu à peu lernen müssen. „Learning the hard way"“ wie man so schön sagt, weil ich dann einfach seit Mutterdasein immer so Fragen, Kommentare, kleine Sticheleien entweder durch die Blume bekommen habe oder wirklich einfach so direkt ins Gesicht. Also so Sätze wie „Du gehst ja schon Vollzeit arbeiten.“ Also Erwerbsarbeiten, weil man sagt, Frauen arbeiten die ganze Zeit, nur für den einen Teil werden sie bezahlt und für den anderen nicht. Also du gehst jetzt quasi schon Vollzeit erwerbsarbeiten, dabei ist dein Kind gerade mal zwei, wo ich dann dachte so, hä, wieso? Dabei mein Kind ist doch schon zwei. Oder so Sätze, wo aber mein Mann zum Beispiel nie so was auch nur ansatzweise gefragt wurde, weil er drei Tage nach der Geburt wieder Vollzeit ins Büro spaziert ist. Aber ich habe es gewagt, dasselbe zu tun, zwei Jahre später und krieg dann so Sticheleien oder so was wie wenn mein Kind dann krank war, dass es dann hieß so: „Ja, ja, Karriere hin oder her, aber ein krankes Kind braucht seine Mama.“ Wo ich dann gesagt habe, nee, ein krankes Kind braucht einen liebevollen Elternteil, aber dieser muss nicht unbedingt Brüste und eine Vulva haben. Einer mit einem Penis geht auch.
Also, ne, und immer so Sticheleien mit so, „Ich könnte das ja nicht“ und „Wozu hast du denn Kinder bekommen, wenn du sie gleich wieder abgibst?“ - was auch immer so: Was heißt denn abgibst? Ich gebe sie ja nicht ab bei irgendwie, weiß ich nicht, der Kassiererin bei Rewe an der Kasse oder beim Fahrradständer angekettet, sondern ich gebe sie ja in liebevolle Hände zum Papa, zu den Kita-Erzieher:innen und so. Und das waren einfach so Sticheleien und Dinge, die ich zu hören bekam, die mir andauernd sukzessive permanent ein schlechtes Gewissen gemacht haben. Und Sprüche, die mein Mann so überhaupt gar nicht bekommen hat. Oder mehr noch, für die Dinge, die für mich ganz normal waren, wurde er dann so hochlobend, super abgefeiert, „Daddy des Jahres“-mäßig. Und das hat mich schon als Mutter quasi feministisch radikalisiert, weil das einfach permanent auch wütend macht. Immer dieses Beweisen und Erklären und sich rechtfertigen.
Und als dann die Kinder da waren und immer älter wurden, ging es sozusagen dann auch bei ihnen weiter. Wenn ich ihnen Märchen vorlas, die so voller Klischees waren und patriarchaler Kackscheiße, Disney-Filme, die wirklich voller patriarchaler Kackscheiße sind. Also so Sachen wie: Ariel gibt ihre Stimme ab, um bei einem Typen zu sein, den sie kaum kennt. So, oder irgendwie ständig wildfremde Prinzen, die herumlaufen und bewusstlose Frauen wach küssen und dieses Wachküssen, also diese, sorry, sexueller Übergriff ist dann das Happy End, worauf sozusagen alle hinfiebern. Wann küsst er endlich diese bewusstlose Frau wach? Und so was. Und dann halte ich halt immer an und drück auf Pause und erkläre es meinen Kindern. Oder beim Vorlesen drehe ich die Rollen halt um, dass nicht immer die Mama von Conny bei Conny zu Hause bleibt, wenn Conny krank ist, sondern auch Mama dann ganz normal zur Arbeit geht und Connys Papa bei Conny dableibt.
Und das sind so kleine Dinge, die jetzt einfach, jetzt wo meine Kinder neun und 12 sind, natürlich immer größer werden und die Fragen anders werden und manchmal die Kinder auch angenervt sind und ich jetzt aber auch nicht nur gegen Grimm-Märchen und Disney-Bücher und Kinderbücher ankämpfen muss, sondern auch gegen Podcasts, gegen Social Media, gegen Schulhof-Sprüche, gegen unaufgeklärte Lehrkräfte, die dann im Sexualunterricht statt Vulva Scheide sagen oder statt Vulvalippen Schamlippen, als wäre es etwas, wofür man sich schämen müsste. Also es ist quasi so omnipräsent überall und dagegen arbeite ich an und dagegen schreibe ich an, sozusagen in meinem Buch und erkläre, wie ich damit klarkomme und wie ich das meinen Kindern versuche zu vermitteln.
[00:07:44.040] - Nadia Kailouli
Wenn du das deinen Kindern versuchst zu vermitteln, die ja jetzt durchaus in einem Alter sind, wo sie ja schon Einfluss von draußen auch mitbekommen - wie reagieren die darauf und wie reagieren die Eltern der befreundeten Kinder darauf, die das vielleicht nicht so - ich will jetzt nicht sagen, so extrem sehen wie du, sondern grundsätzlich nicht so sehen wie du?
[00:08:05.130] - Alexandra Zykunov
Also zweierlei. Als die Kinder noch klein waren, war man ja zwangsläufig mit den Eltern der Kinder befreundet oder musste mit denen zwangsläufig irgendwie zurechtkommen, klarkommen. Weil wenn die Kinder sich verabredeten zu Spieldates, war man ja zwangsläufig noch dabei. So, es war dann eine sehr schöne Befreiung und dann wieder ein Zurückgewinnen von alten Freiheiten, wenn die Kinder irgendwann so alt waren, dass man nicht mehr zu jedem Spieldate mit dazu musste, aber zu einer Zeit, als man sozusagen mit allen Eltern, egal welche Ansichten sie haben, irgendwie kooperieren musste während dieses Spieldates. Ich breche ja nicht zu jedem Spieldate auf und habe irgendwie mein feministisches Manifest dabei und schwinge auf dem Spielplatz riesengroße feministische Reden. So ist es ja nicht, weil ich immer noch Bock habe auf einen funktionierenden Bekanntenkreis und auf einen funktionierenden Freundeskreis und so.
Aber meine engeren Freunde, wo die Kinder auch befreundet sind, die wissen, wo sie bei mir sind, sozusagen, woran sie bei mir sind. Da geraten wir nicht so oft aneinander, ab und zu dann manchmal schon, dass sie dann sagen: Oh, jetzt kommt Alex wieder mit ihren Reden. Das geht also, das geht. Und jetzt, wo die Kinder immer älter werden, ist man eh kaum noch dabei, und teilweise kenne ich gar nicht die Namen der Eltern meiner der Kinder meiner Freunde. Bei meinem Sohn beispielsweise weiß ich teilweise gar nicht mehr, wie hieß die Mama von deinem Kumpel noch mal? Das heißt, da habe ich gar nicht mehr so viel zu tun. Also mit den Eltern komme ich da irgendwie gut zurecht. Bei meinen Kindern ist es so, noch sind sie beide in einem Alter, wo sie schon das meiste, was Mama und auch Papa sagen, noch annehmen, wo sie noch nicht krass rebellieren.
Also meine Tochter ist wie gesagt neun, mein Sohn wird jetzt 13. Bei ihm geht es jetzt so langsam los, dass er auch mal sagt: „Boah Mama, ja, ich weiß, so nervt mich nicht damit!“ aber noch hält sich das in Grenzen. Ich habe auch beim Schreiben des Buches gedacht, dass das im Grunde fast eine begrenzte Zielgruppe ist für diejenigen Eltern, die dieses Buch dann kaufen, weil es ist schon so, beginnt ab Kita-Alter. Aber ich würde sagen, so bis die Kinder so 13 sind, weil spätestens ab da ist es halt völlig unterschiedlich, wie die Kinder sich entwickeln. Und es kann einfach sein, dass dann so diese Abnabelung und dieses, ich widerspreche allem, was meine Eltern sagen, könnten dann halt losgehen. Und dann würden wahrscheinlich die ganzen Tipps und die ganzen Sachen, wie ich sie erkläre, schon wieder gar nicht mehr funktionieren. Ich bin auch gespannt, wie das bei meinem Sohn jetzt sein wird oder bei meiner Tochter dann auch, wenn wirklich diese Hardcore-Teenagezeit einsetzt.
Und gleichzeitig denke ich dann aber auch, vielleicht sind das auch alles so veraltete Klischees davon, wie „völlig verrückt“ in Anführungsstrichen Teenager spielen, wenn sie irgendwie ihre Teenager-Eskapaden haben. Vielleicht ist sogar eine feministische Erziehung, die ja sehr doll auf Augenhöhe ist und sehr doll bestärkend und empowernd und Vielfalt feiernd und feiernd die Menschen so in all ihren Vielartigkeiten, wie sie sind. Vielleicht ist das sogar eine sehr, sehr schöne Sache, um eine Teenagezeit zu erleben, die vielleicht nicht voller Rebellion ist und voller Anti-Haltungen, weil ich bestenfalls - und das ist jetzt nur so, ich drück mir die Daumen, dass das so ist - weil ich im besten Fall vielleicht sehr viel Verständnis und sehr viel Augenhöhe und sehr viel: Du darfst so sein, wie du bist und deine Gefühle sind wertvoll. Und wenn du dich jetzt auskotzen musst, dann bitte tu es. Aber bedenke, Worte tun auch weh. Also das alles ist ja auch feministische Erziehung. Vielleicht habe ich sogar Glück und das war eine super Vorlage, damit meine Kinder eben nicht dann völlig ausrasten, wenn sie in der Teenage-Phase sind. Aber noch nehmen sie relativ viel davon an. Und sind mal ein bisschen angenervt und verdrehen mal die Augen, wenn wir viele Filmabende machen. Das wende ich dann wirklich buchstäblich an, und das tue ich. Ich halte buchstäblich auf Pause gedrückt und erkläre denen, warum das jetzt scheiße war, dass der eine Junge bei „Bibi und Tina“ Bibi hinterher gepfiffen hat. Oder warum das jetzt scheiße war bei dem einen Blockbuster aus den 90ern, dass da irgendwie Nicolas Cage die Frau irgendwie packt und leidenschaftlich küsst, ohne sie vorher zu fragen, ohne zu wissen, ob sie das will. Sie kann sich gar nicht wehren und dann wird das so dargestellt, als wäre das Leidenschaft und sie war ja eh schon total into him und so. Und da halte ich auch auf Pause und sage: „Nee, ihr fragt vorher!“ - zu meinem Sohn, „Du fragst vorher!“ Dann kommen dann so Situationen, wo mein Mann manchmal mit den Augen rollt. Dann sind wir wieder bei anderen Themen, weil er manchmal dann auch findet, dass ich übertreibe. Und dann klamüsern wir das aus und dann rollen viele mit den Augen und sagen: „Okay, Alex, haben wir verstanden, können wir jetzt weiter gucken?“ Das ist so der Alltag.
[00:12:37.200] - Nadia Kailouli
Lustiges Bild. Du sitzt da mit deiner Familie, alle rollen mit den Augen. Du in die Richtung, der Mann in die Richtung.
[00:12:42.530] - Alexandra Zykunov
Ja, gibt's.
[00:12:43.590] - Nadia Kailouli
Aber sag mal, ich hatte gerade so das Bild im Kopf oder habe darüber nachgedacht. Okay, es gibt ja so Familien, die auch so ein ganz klares Konzept haben, wie in welche Richtung wollen wir, dass unsere Kinder gehen? Keine Ahnung, der konservative Bürgerliche, der irgendwie so mit Timberland-Schuhen und Ralph Lauren Hemd aufgewachsen ist, der wird am Ende der Punk. Da die Familie, die nur vegetarisch gegessen hat, der wird dann zum Burger-Fan und Steak-Esser. Und wie groß ist deine Angst, dass mit deiner feministischen Erziehung dein Sohn ein absoluter Sexist wird?
[00:13:12.500] - Alexandra Zykunov
Groß. Ich habe immer gesagt: Oh Gott, und dann die ganze Kraft, die ich da reinstecke, und dann wählt er mit 18 die FDP oder noch Schlimmeres, so die AfD, und dann weiß ich nicht, springe ich vom Balkon. Klar ist diese Angst groß, aber das ist halt das, was ich vorhin meinte mit diesem, dass ich die Hoffnung habe, dass vielleicht dieses jahrelange wirklich immer wieder ihn auf Augenhöhe zu thematisieren: „Du bist richtig, so wie du bist.“ Dass das irgendwo auch verfängt und dass selbst wenn sie irgendwie in Teenage-Zeiten rebellieren wollen und ich ihnen aber auch da spiegele: Du, das ist richtig, dass du jetzt rebellierst, ist ganz normal. Das erzähle ich meinem Sohn zum Beispiel auch, dass ich ihm sage: „Okay, das ist wieder dein präfrontaler Kortex, der aus dir spricht. Der ist nicht ausgebildet, da hängen nur so Drähte raus und du hast Kurzschlüsse. Bitte bedenke, das tut mir weh, wenn du mich jetzt hier irgendwie anpampst“ oder so. Ich bilde mir dann ein, dass wenn ich ihm sage: „Selbst in deiner Kack-Mecker-Rebellionszeit bist du trotzdem richtig, wie du bist“, das ist dann trotzdem verfängt und er sich denkt, „Ach scheiße, Mama hat mich trotzdem lieb, egal was ich mache. Na gut, dann wähle ich ihr zuliebe später doch nicht die FDP und die AfD“ - ohne die jetzt in einen Topf schmeißen zu müssen. Aber quasi so alle Parteien rechts der Mitte sind bei uns so ein bisschen, wo ich denke, so weiß ich nicht, ob man da jetzt unbedingt hingehen muss oder Schlimmeres. Aber die Angst ist natürlich da. Aber ich bilde mir ein, hoffentlich habe ich eine ganz gute Vorlage geschaffen, dass das vielleicht nicht passiert.
[00:14:39.660] - Nadia Kailouli
Nun hast du ja dieses Buch nicht nur dafür geschrieben, weil du selber davon überzeugt bist, dass das in deiner Familie gut angebracht ist, eine feministische Erziehung zu leben, sondern grundsätzlich. Du bist damit ja nicht alleine. Es stehen ja andere Eltern auch vor dieser Herausforderung. Wie sensibilisiere ich denn schon meine Kinder für...? Dass es Sexismus gibt, dass wir für Gleichberechtigung einstehen müssen und so weiter und so weiter. Warum ist das deiner Meinung nach wichtig, dass wir das Thema feministische Erziehung in die Familien bringen?
[00:15:11.680] - Alexandra Zykunov
Es ist ja nicht nur, sich gegen Sexismus aussprechen. Feministische Erziehung meint ja im Grunde, im Grunde kann man auch antipatriarchale Erziehung dazu sagen. Das schließt ja nicht nur die Gleichstellung der Geschlechter mit ein. Sondern das bedeutet ja auch, eine feministische Erziehung ist auch eine queerfreundliche Erziehung. Es ist auch eine antirassistische Erziehung. Es ist auch eine anti-ableistische Erziehung. Am Ende ist das ja Feminismus. Alle Menschen sind gleich, und zwar nicht nur auf Papier, sondern auch gelebt. Und diese gelebte Realität existiert ja immer noch nicht so. Wir sehen das ja. Also damit könnten wir sozusagen ein abendfüllendes Programm füllen, wie viel Gender Gaps allein es ja gibt. Und in Gesetzen, in Medizin, im Job, in der Erziehung, im Sport. Also es ist ja, es durchseucht ja quasi jeden einzelnen Bereich unseres Alltags. Und das Gleiche dann auch noch verstärkter für Menschen anderer sexueller Ausrichtung, das dann noch mal anders, verstärkter, mehrfach für Menschen anderer Herkunft, Menschen of Colour.
Da gibt es noch so, so viele Diskriminierungsformen, die da draußen einfach im Grunde sehr, sehr viel Menschen diskriminieren als nicht diskriminieren. Also die, die, wie soll ich sagen, die Gruppe derjenigen, die im Grunde nicht diskriminiert werden, ist ja sehr, sehr gering. Es ist im Grunde die Gruppe der weißen, männlichen, heterosexuellen Cis-Männer und alle anderen Menschen, die nicht dieser Gruppe angehören, die ja die Mehrheit sind, die werden diskriminiert. Und das ist doch eigentlich absurd. Nicht eigentlich, das ist doch absurd.
Und deswegen ist eine feministische Erziehung oder wie gesagt eine antirassistische im Grunde einfach eine antipatriarchale, die, die wir alle leben sollten, wenn wir denn wollen, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Wenn wir aber wollen, dass nicht alle Menschen gleich behandelt werden, dann leben wir sie nicht. Und das ist so ein bisschen die Frage, ob man das will. Es gibt ja dieses Zitat von Salman Rushdie, glaube ich, der mal gefragt wurde: „Sind Sie ein Feminist?“ Und er darauf geantwortet hat: „Hä, natürlich bin ich ein Feminist, alles andere wäre ja ein Arschloch.“ Und das stimmt so, also dass es Menschen gibt, die sagen, ich bin keine Feministin oder kein Feminist, geht in mein Hirn nicht rein, weil okay, das heißt, du bist gegen die Gleichberechtigung von Geschlechtern und von allen Menschen. So, hä? Was ist denn mit dir nicht in Ordnung?
[00:17:31.390] - Nadia Kailouli
Jetzt schreibst du ja in deinem Buch, dass man seine Kinder noch so feministisch erziehen kann und einem dann aber irgendwann der Alltag dazwischenkommt. Ja, das ist glaube ich das, was du gerade auch so ein bisschen beschrieben hast. Kannst du noch mal ganz konkret sagen, wo du das so erlebst, diesen Alltag, der so dazwischenkommt, wo man sagt: Ugh, ich versuche doch meine Kinder gerade jetzt hier zu sensibilisieren, zu erziehen?
[00:17:51.840] - Alexandra Zykunov
Es ist wirklich, wirklich doll überall. Es passiert ganz viel durch Schule, ganz viel durch Social Media. Ich kann ja mal so ein paar extreme Beispiele erzählen: Als ich für das Buch recherchiert habe, ging es ja auch um, also es geht ja nicht nur um so Mädchen sollten die gleichen Rechte im Job haben wie Jungs, also auch ja, oder auch um so was wie Jungs und die später irgendwie Väter werden, wenn sie denn Kinder wollen und wenn sie in einer Heterobeziehung sind, sollen später bitte auch Elternzeit nehmen und sich um die Babys kümmern. Sind ja auch ihre Babys und dafür sollen die Frauen dann Karriere machen. Also ja, ja, aber das ist sozusagen fast, da sind wir eigentlich schon fast drüber hinweg gefühlt von der Aufklärung. Es ist zwar immer noch nicht gelebte Praxis, aber das weiß man sozusagen. Aber es gibt ja noch sehr, sehr viele andere Dinge, die man vielleicht, wenn man das hört, feministische Erziehung, gar nicht so mitdenkt.
Allein solche Themen wie Aufklärung, allein solche Themen wie Pornos - und dass Kinder im Grunde mit Pornos das erste Mal in Berührung kommen im Alter von so neun, zehn Jahren. Das ist Grundschule, das ist dritte Klasse. So, und ich denke mir so: Ach du Scheiße. Und dann renne ich halt zu meinem Kind und denke dann so: Okay, wir müssen uns mal kurz über Pornos unterhalten. Und er so: „Was sind Pornos?“ Ich frohlocke dann total: „Yes, mein Sohn weiß nicht, was Pornos sind.“ Dann erkläre ich ihm ungefähr kindgerecht, was Pornos sind, und er so: „Ach so, ja, das kenne ich, das habe ich schon gesehen.“ Und ich so: „Okay, alles falsch gemacht.“ Dann unterhalten wir uns darüber, was er denn gesehen hat, und wir stellen fest, okay, er hat noch keine Pornos gesehen, aber das waren dann so sexy Clips, ne, so wie wir früher, als wir aufgewachsen sind, so in den 90ern, diese 0190 sexy Telefonnummer-Dinger, die dann so bei VOX oder RTL 2 liefen nach Mitternacht. Sowas hat er dann gesehen, weil er dann mit seinen Kumpels Fußball Spiel streamen wollte, und dann kam das sozusagen als Pop-up-Werbung.
Aber da aufzuklären und da sozusagen proaktiv in diese Gespräche zu gehen und zu sagen: "“ass auf, du wirst sowas sehen, ne, es sind Pornos“ - was das ist, und denen dann zu erklären, was das ist, und gleichzeitig denen aber auch zu sagen, was Pornos aber sozusagen nicht darstellen, dass es nicht so ist, wie es dargestellt ist, dass Sex abläuft. Dass es nicht so ist wie irgendwie, ne, der Mann ist der Dauergeile, potente, ständig Bock-haben-Wollende auf Sex, und die Frauen sind irgendwie so passiv, die sich da irgendwie hinlegen und 1000 akrobatische Stellungen durchmachen. Und es ist nicht so beim Sex, dass alle ewig lang können, und irgendwie ein ständiger Überfokus auf weibliche Körperöffnungen.
Und das sind dann so Momente, wo er dann sagt, dieses Typische, alle, die Kinder haben in diesem Preteen-Alter, kennen diesen Sound, dieses „Burrr, Mama.“Also dieses „Burrr“ ist so dieser Sound gerade für, wow, nee, krass, unangenehm und so, ne. Das sind dann so Momente, da halte ich dann an und sage: „Ja, aber ich will wissen, dass das kommen wird, dass das auf dich zukommen wird. Hab keine Angst davor, sprich mit mir, wenn du Dinge siehst, die dich irgendwie gruseln, die du irgendwie komisch findest. Ich bin immer da, du kriegst auch keinen Ärger von mir.“ Das sind so Sachen, ihm einfach auch da zu sensibilisieren. Auch das gehört zu einer feministischen Erziehung dazu, ihn nicht dann so laufen zu lassen in diese krasse, teilweise irgendwie wirklich abgefuckte Digitalwelt da draußen, die ja nur wartet darauf, mein Sohn und auch meine Tochter zu füttern mit Sexistischem, mit Manosphäre, mit diesen reaktionären Sprüchen: Frauen gehören in die Küche und Männer müssen über Frauen dominieren. Da immer so proaktiv Gegennarrative zu schaffen, das habe ich jetzt im Laufe der Recherche immer wieder gelernt, proaktiv Gegennarrative zu schaffen, zu warnen, dass es kommen wird.
Oder immer sozusagen zu sagen, meine Tür ist auf, selbst wenn du das siehst auf den Handys deiner Kumpels. Weil selbst wenn wir unseren Kindern Handys verbieten und Medienzeit kontrollieren, sobald sie auf dem Schulhof sind, ist das passé. Da sehen sie auf allen Handys alles Mögliche, was sie sehen können. Und auch da proaktiv immer wieder gegenzusteuern und Gegennarrative zu zeigen: So ist es nicht. Frauen gehören nicht in die Küche, Männer sind nicht dauergeil. Und wenn sie irgendwie Frauen anlabern wollen, ziehen sie auch nicht zuerst ihr Shirt aus und lassen ihre Muckis spielen und Männer müssen nicht hart sein. Also ne, da permanent gegen an zuarbeiten, das sind so Sachen, gegen die ich ankämpfe.
Und tatsächlich hat er mir eine Sache erzählt, die fand ich einfach super, super gruselig, die er schon gesehen hat. Er hat zum Beispiel mal gesehen eine Vergewaltigungsszene mit auch so 4., 5. Klasse. Die war, und das ist dann noch mal perfide, eklig, sie war mit Legomännchen. Also auch so völlig abgefuckt, wenn man sich echt so denkt, an den Kopf fasst und sich denkt, was für eine Welt da draußen. Es waren Legomännchen, wo das eine männliche Legomännchen eine weibliche Legomännchin, Männchin, auch schön, Weibchen, Frau in den Wald verfolgte. Und sie rennt dann in ihrem Legomännchen-Stil und die Gesichter von ihr verändern sich von lachend zu gruselig. Und dann rennt dieser Mann ihr hinterher und mein Sohn hat mir das schon erzählt, dass ihn das gegruselt hat, weil dann gab es auch so ein Zoom auf das fratzige, so "Hehehe"-Gesicht des Mannes, also des Legomännchens. Und dann rennt er ihr hinterher und dann kriegt er sie und dann reißt er ihr die Klamotten vom Leib, schmeißt sich auf sie und dann hört der Clip halt auf. Und das ist einfach abgefuckte patriarchale Kackscheiße vor dem Herrn. Auch schön, vor dem Herrn, weil natürlich der Herr. Und sowas, mit sowas bin ich einfach froh, wenn er dann zu mir kommt. Und das, dazu lade ich ihn auch immer ein. Damit er mit so was, wenn er so was sieht, nicht allein ist. Unter zehn Prozent, das heißt 90 Prozent reden nicht mit Erwachsenen darüber, wenn sie so was gesehen haben. Und das will ich für meine Kinder nicht. Also kläre ich sie auch über so was auf.
[00:23:31.050] - Nadia Kailouli
Jetzt haben aber ja viele Eltern so das Gefühl, sie kommen gegen das, was da auf Social Media läuft, was Influencer teilen, was in so Peer Groups reinkommt und so, dass sie da überhaupt gar nicht gegen ankommen oder überhaupt gar nicht da reinkommen, um mit ihren Kindern darüber überhaupt reden zu können. Ist dieses Gefühl und diese Sorge da berechtigt deiner Meinung nach?
[00:23:52.660] - Alexandra Zykunov
Ja, also das war tatsächlich so diese Frage, die mich auch fast ein bisschen unter anderem dazu getrieben hat, dieses Buch zu schreiben, weil ich mir um all diese Dinge ja auch genauso Gedanken gemacht habe. Komme ich überhaupt dagegen an? Ist es nicht - ich schreibe es irgendwann auch im Buch - ist es nicht ein Tropfen auf den heißen Stein, all das, was ich mache? Oder ist es eher steter Tropfen höhlt den Stein? So, which one is it? Welche Steinmetapher? Und tatsächlich, und das hat mich - und ich will immer nicht so viel vorweg spoilern - aber das hat mich einfach wahnsinnig, wahnsinnig glücklich gemacht, macht und irgendwie ein Stück weit beruhigt, dass wir Eltern dennoch einen sehr, sehr, sehr, sehr großen Einfluss haben.
Also es gibt irgendwie verschiedene Studien und, und Kinderärzte und Ärztinnen und Pädagog:innen und irgendwie verschiedenste Leute, die dazu recherchiert haben. Und immer wieder, und so eine Bildungsforscherin, und immer wieder kommen sie alle zurück zu: Okay, aber wenn quasi die Grundbedürfnisse des Kindes gedeckt sind, genug gedeckt sind in der Familie, in seinem sozialen Umfeld, dann ist die Verführung von Social Media und all diese Dinge, auf die diese Kinder dort stoßen, zwangsläufig, dann ist diese Verführung und der Schaden, der dadurch genommen werden kann, dann doch geringer. Und das, was wir unseren Kindern mitgeben, größer, sodass sie bestenfalls einigermaßen unbeschadet aus dieser Zeit rauskommen. Und Grundbedürfnisse, das klingt immer alles so super theoretisch. Es sind am Ende solche Sachen wie: Sieht mein Kind sich genug gesehen, gewertschätzt? Weiß es, dass es so sein darf, wie es ist? Weiß es, dass es Schutz bekommt? Weiß es, dass es mitwirken kann? Weiß es, dass seine Stimme zählt, dass seine Meinung zählt? Wird er einfach angenommen in all dem, was er ist? Darf er Kind sein? Darf er Fragen stellen, ohne Angst zu haben? Wächst er grundsätzlich in einer angstfreien Umgebung auf, die gewaltfrei ist? Größtenteils, ne? All diese Dinge sozusagen, größtenteils.
Also niemand muss jetzt irgendwie „Perfect Parent“, „Perfect Mom Number One“ sozusagen, Plakette des Jahrtausends, irgendwo sich drauf tätowieren, sondern sind diese Dinge größtenteils, kann man diese Dinge größtenteils mit Ja beantworten für sein Kind? Dann werden diese Dinge, diese Verführungen, diese Körperbilder, diese Verzerrten, die sie da sehen, die rassistischen Dinge, die frauenfeindlichen Dinge, die queerfeindlichen Dinge, dann werden unsere Kinder sie eher hinterfragen. Dann werden sie, weil ihnen eben beigebracht wurde, deine Meinung ist wertvoll, deine Stimme zählt, du darfst deine Meinung sagen, du darfst mich kritisieren als Eltern und du wirst nicht irgendwie Angst haben, dass ich dir eine knalle dafür. All diese Dinge, die die Sicherheit, die sie bei uns in der Familie bekommen haben, die werden sie dann anwenden auf diese Inhalte. Und da werden sie dann sagen, ich darf sie kritisch hinterfragen, weil mir beigebracht wurde, ich muss nicht stumpf gehorchen und darf nichts hinterfragen.
In so einer typischen autoritären Erziehung beispielsweise, so armeenmäßig. Du musst gehorchen, du musst Befehlen gehorchen, weil ich es dir gesagt habe. Diese typischen alten Glaubenssätze, „Weil ich es sage!“, „Solange du deine Füße unter meinen Tisch schiebst, dann machst du, was ich sage“. Und so, wenn Kinder so was lernen, dann treffen natürlich diese ganzen absurden Videos und diese ganzen schlimmen Content-Sachen auf fruchtbaren Boden. Weil wenn das Kind nie gelernt hat, Sachen zu hinterfragen, weil es Angst hat, selbst zu denken, selbstständig zu denken. Wenn das Kind immer denkt, ich bin nichts wert und ich darf eh nichts und ich werde quasi geschlagen und gehauen und ich darf nicht sein, wie ich bin. Dann ist es natürlich sehr empfänglich für Videos aus der Manosphäre oder auch aus dieser Skinny-Talk-Sphäre, die dir dann sagen: Du bist nichts wert, wenn du dick bist, und du bist nichts wert, wenn du nicht irgendwie 30 Frauen aufgerissen hast und so. Dann sind sie sehr empfänglich für solchen Content. Aber wenn unsere Kinder uns einfach genug Sicherheit mitgegeben haben, so was hinterfragen zu dürfen und zu wissen: Hey, ich bin gar nicht abhängig von Bewertungen von außen. Ich weiß doch innen, dass ich gut bin, so wie ich bin, dann werden diese Videos eher nicht verfangen. Und das sagen sozusagen verschiedenste Disziplinen, die sich immer wieder mit dem Einfluss von Social Media beschäftigen, auch von diesen ganzen Videos und den Filmen und der Popkultur und irgendwie Skinny Talk und so. Sie alle sagen, ja, es ist gefährlich, man will die Gefahr davon auch nicht schmälern, aber es trifft nicht auf alle Kinder gleich und wir können unsere Kinder davor schützen.
Und gleichzeitig stellt sich da aber die Frage, was ist aber mit all den Kindern, die in diesem warmen, geschützten Kindheiten, Elternhäusern nicht aufwachsen. Was ist dann mit denen? Die bräuchten ja dann erst recht mehr Schutz und mehr Ressourcen und mehr Geld sozusagen, damit sie eben auch dieses Gefühl von Wärme und Schutz bekommen. Wenn sie es nicht im Elternhaus bekommen, dann vielleicht in Jugendclubs, in Kitas, in Schulen, bei Hilfen für Jugendliche mit migrantischen Traumata beispielsweise, die gar kein Elternhaus haben, die in Flüchtlingsunterkünften leben, wo einfach gar keine Sicherheit herrscht. Da bräuchte man viel mehr Schutz, damit diese Kinder und Jugendlichen eben nicht verfangen in diesen ganzen Manosphären, Radikalisierungsstrudel. Und da werden aber die ganzen öffentlichen Gelder für all diese Dinge gekürzt. Und dann wundern wir uns gleichzeitig, warum sich alle irgendwie radikalisieren und in diesem Netz untergehen. Aber es ist wirklich - wir müssen Kindern einfach Schutz geben und sie aufwachsen lassen in einer geschützten, liebevollen Umgebung, wo sie ihre Meinung sagen dürfen und nicht autoritär gedrillt werden, alles zu glauben, was sie sehen. Weil dann ernten wir das, was wir säen.
[00:29:33.080] - Nadia Kailouli
Hast du denn schon Feedback, sage ich jetzt mal, von deinen Kindern bekommen? Nach dem Motto, dass dein Sohn zum Beispiel zu dir gekommen ist und gesagt hat: Also Mama, da haben wir was gesehen, das war voll doof, weil da haben die das und das gesagt, das ging gar nicht. Wo du dann eher gedacht hast: Haha, es fruchtet sozusagen. Also dass sie von sich aus merken, da ist ein Missstand, da wurde jemand diskriminiert oder so und selber für sich das so erkennen.
[00:29:56.800] - Alexandra Zykunov
Total. Ich habe das immer wieder. Meine Kinder kommen wie gesagt zu mir und sagen, wir hatten Sexualkunde, das, was ich vorhin meinte, wir hatten Sexualkunde, das nennt man gar nicht mehr Sexualkunde. Ich glaube Aufklärung, weiß ich nicht mehr. Also Biologie. So, und dann kamen sie zu mir und meinten, ja, nee, die hat das alles richtig erklärt. Und dann habe ich schon, sie wissen schon, sie wissen schon, was ich quasi nachfrage oder was ich hören will. So die Klassiker, weil sie das alles von mir schon als Gegennarrative, sozusagen als Warnung vorgesetzt bekamen. Und das war dann eben so was wie: „Ja, ja, und die Lehrerin hat auch gesagt, dass das weibliche Geschlechtsorgan Vulva heißt." Und ich so: „Ah ja, krass, okay, das ist ja schon mehr, als man erwarten würde." Und dann kamen sie aber irgendwie an einem zweiten Tag und meinten: „Ach so, ja, aber als es dann um die einzelnen Teile ging, hat sie schon noch Schamlippen gesagt." Und solche Sachen. Oder wenn sie dann in Serien zu mir kommen und sagen irgendwie: „Oh Mama, der eine Junge wollte mit dem einen Mädchen nicht ausgehen, weil sie angeblich zu dick war." Und dann rolle ich halt schon mit den Augen und sag so: „Oh Gott, ich hasse das, ich würde dir am liebsten diese Serie verbieten." Und sie so: „Nein, nein, nein, ich habe das alles schon gemerkt. Du musst mir das nicht verbieten. Ich weiß das. Es ist auch nicht so schlimm. Ich gehe jetzt weiter gucken." Und das sind halt auch so Momente, da bespreche ich auch im Buch so: Darf ich meinen Kindern solche Dinge auch verbieten? Irgendwelche sexistischen Hörspiele? Ich weiß nicht, wer von euch „Die drei !!!“ kennt, als Pendant zu „Die drei ???“. Diese Detektivgeschichten.
[00:31:21.820] - Nadia Kailouli
Die kenne ich.
[00:31:22.410] - Alexandra Zykunov
Die gerade quasi wie...Genau, „Die drei ???“ Kennt man, das sind ja die drei Jungs. Und dann gibt es das weibliche Pendant. Ein halbes Jahrhundert später hat sich dann jemand erbarmt, auch das weibliche Pendant auf den Weg zu bringen. „Die drei !!!“ und deren Geschichten sind aber voller so „Geheimnis im Fitnessstudio“, „Fauxpas beim Schönheitswettbewerb“, „Geheimnisvolle Küsse in der Lagune“. Also es sind dann sozusagen solche Fälle, so „Influencerin in Not“. Wo du dir denkst, wer hat euch eigentlich - ich möchte jetzt ausfallend werden - irgendwie eine rübergebraten oder so, dass ihr denkt, dass das gescheite, coole Settings sind für kleine Mädchen zum Hören, dass es da unbedingt um Küsse und Fitnessstudios und so gehen muss. Und da überlege ich dann schon, sollte ich meinen Kindern vielleicht sowas verbieten, wo dann irgendwann mein Mann, der selbst Pädagoge ist, einschreitet und sagt, nein, Alex, du kannst ihnen nichts verbieten.Wir reden hier immer noch von irgendwie Hörspielen für Kinder. Sie wollen sich da jetzt auch nicht irgendwie, weiß ich nicht, einen YouTube-Channel abonnieren, wo es um Crack geht und wie man irgendwie Menschen ersticht. So, und dann reden wir darüber.
Und dann muss ich mich aber immer wieder darauf verlassen, auf das, was ich ja schon in der Recherche gelesen habe. Okay, das, was sie von mir mitbekommen haben, wird hoffentlich genug gewesen sein. Und das ernte ich jetzt ja auch. Weil sie ja dann von alleine zu mir kommen und sagen: „Da war jetzt voll der sexistische Spruch, Mama.“ Und es ist natürlich auch obersüß für mich, wenn meine neunjährige Tochter, die noch so latent lispelt, dann sagt: „Das war aber sexistisch.“ Also jetzt so übertrieben nicht, aber dass sie einfach diese Begrifflichkeiten benutzt oder dass sie sagt: „Mama, war das jetzt dieses Patriarchat, diese Kackscheiße?“ So, und so was beantworte ich dann mit: „Ja, das war gerade Patriarchat, diese Kackscheiße.“ Und sie so: „Ja, aber ich weiß das schon. Ich kann das dann weiter gucken, ich weiß das schon.“ Und das ist, glaube ich, auch der richtige Weg, von dem ich immer wieder lese, dass sie genug Gegennarrative von mir bekommen haben und hoffentlich solche Dinge dann hier rein und da rausgehen und sie dann die Geschichte weiter guckt, die ich sie dann auch gucken lasse – wieder willentlich – aber sie guckt sie und ich hoffe dann darauf, dass sie das hoffentlich schon richtig selektieren wird.
[00:33:34.720] - Nadia Kailouli
Also ich habe auf jeden Fall schon den Titel für dein nächstes Buch. Das heißt „Ich rolle mit den Augen“.
[00:33:38.560] - Alexandra Zykunov
Also gut, da gehen bei mir schon so Gedanken los. Kann ich auf jeden Fall eine Menge zu schreiben.
[00:33:46.220] - Nadia Kailouli
Das glaube ich dir. Du arbeitest ja aber auch in deinem Buch wirklich ganz gezielt mit den Fragen, die du dir jetzt nicht ausgedacht hast oder so, sondern die deine Kinder tatsächlich so auch in eure Familie reintragen. Und damit stehen sie ja auch für viele andere Kinder, die solche Fragen haben. Was beschäftigt Kinder in diesem Alter, neun, 13, rund um dieses Thema, wo du sagst, nein! Patriarchale Kackscheiße - nicht mit uns. Ich erkläre euch das jetzt mal.
[00:34:12.900] - Alexandra Zykunov
Das sind auch so ganz typische alltägliche Dinge. Wie gesagt, diese Geschichte mit den Pornos, das wurde dann an uns teilweise so herangetragen. Mir erzählte auch eine Freundin, dass ihr Sohn zu ihr kam. Oh Gott, Grundschule, auch Grundschule, und meinte: „Mama, was ist Fisting?“ Was sagst du da? Was sagst du da? Dein Kind, acht Jahre, glaubt gefühlt noch an den Weihnachtsmann. Und sagt dir dann so was. Das sind dann so Sachen, wo man dann erst mal kurz sich sammeln muss.
[00:34:43.130] - Nadia Kailouli
Okay, aber was sagt man da? Sagt man dann, was es ist? Oder sagt man dann: „Das besprechen wir wann anders?“
[00:34:49.140] - Alexandra Zykunov
Nee, und genau das nicht. Genau das ist falsch. „Das Besprechen wir wann anders“ ist quasi für das Kind das Zeichen: „Ah, okay, ich kann so was meine Mutter nicht mehr fragen. Sie sah auch latent irgendwie ängstlich aus und ein bisschen verärgert“. Und „Das besprechen wir wann anders“ bedeutet eine Einladung für: Ah, okay, wenn ich Sie nicht fragen kann, dann frage ich meinen achtjährigen Kumpel auf dem Schulhof, dessen Bruder Pornos guckt. Von dem habe ich ja auch das Fisting. Dann soll er mir das mal erklären. Oder ich google das. Viel Spaß dabei. Ein Kind, was googelt: Fisting? Oder ich frage die KI. Viel Spaß auch dabei. Eine KI, die gefüttert wird mit all dem, was im Internet sowieso schon an frauenverachtender Scheiße rumschwirrt, nutzt dann die KI zum Training. Also genau das macht man nicht, sondern man kann sich dann auch kurz sammeln und sagen: „Okay, weißt du, ich muss das selbst mal kurz nachschlagen. Ich erzähle es dir aber auf jeden Fall bis heute Abend oder bis morgen" oder so, dass man wirklich so eine Deadline setzt. Und dann muss man das Gespräch mit seinem Kind auch wirklich führen.
Und dann, und das habe ich auch immer wieder gelernt, keinen riesengroßen Vortrag halten, kein Monolog. „Okay, es gibt das Patriarchat und es gibt Pornofilme und die sind patriarchal" und so, und also nicht so was, sondern wirklich - daran verzweifle ich aber auch regelmäßig und scheitere daran, ehrlicherweise, weil ich immer neige zu Monologen, wie man vielleicht jetzt auch an dem, wie ich hier mal erzähle, merkt. Und dann wirklich nur in so kleinen Häppchen nur das beantworten, was sie wirklich gefragt haben. Und dann wirklich einfach nur so was zu sagen. Kindern reicht schon so was, eine Information wie: Das ist eine, weiß ich nicht, Sache, die man beim Sex machen kann, aber nicht muss. Was für Erwachsene ist, Punkt. Und meistens reicht denen das schon. Da fragen die meist schon gar nicht groß nach. Da muss man nicht ins Detail gehen, buchstäblich beim Thema Fisting, boah, sondern kann einfach nur sagen, wie es ist. Und solche Dinge. Und dann nicht zu sehr, wie gesagt, ausufern und auf keinen Fall sagen: „Das ist nichts für dich, wo hast du das überhaupt her?" Weil dann lernt das Kind, ah okay, Mama wird sauer und sie will es mir nicht beantworten, dann frage ich mal lieber jemand anderes. Was fragen die mich noch so? Wie sagt man Mädchen, dass man sie mag, aber ohne dass es für die Mädchen irgendwie unangenehm ist? Und das allein sind schon so Fragen, wo ich einfach abfeier und frohlocke, weil ich denke, okay krass, dir ist also schon mit deinen - und das hat mein Sohn mich gefragt mit so zehn - dir ist schon mit zehn Jahren bewusst, dass man Komplimente machen kann, aber dass es eine Balance gibt, wann diese Komplimente ins Eklige - quasi ohne dass du die Worte dafür kennst, sexuelle Belästigung - rüberrutschen. Und da fragt er mich, wie kann man Mädchen sagen, dass man sie mag, ohne dass das irgendwie für die doof ist oder eklig oder irgendwie so komisch unangenehm.
Da habe ich schon gedacht, du hast mit zehn schon eher eine Ahnung davon als so mancher fünfzigjährige Günther auf Facebook, der sich dann darüber beschwert und sagt: „Ich weiß schon gar nicht mehr, was ein Kompliment ist, wo eine Frau sich nicht irgendwie belästigt sich fühlt." Wo ich mir denke, herzlichen Glückwunsch, mein zehnjähriger weiß das. Was sagt dir das, Günther? Und das sind so Sachen, da kommen sie auf mich zu, so was wollen sie wissen. Und dann ist das für mich so, ah, das kann ich doch mal ins Buch reinschreiben. Aber natürlich mit der Erlaubnis meiner Kinder, dass ich über so was überhaupt schreiben darf, weil die haben das alles vorher gelesen und haben es quasi autorisiert und haben mir erlaubt, dass ich das alles so schreiben darf. Oder eben sie wollten Sachen anders und dann habe ich es dementsprechend verändert.
[00:38:14.640] - Nadia Kailouli
Ja, wenn du jetzt so auf deine Recherchen guckst und deine Erkenntnisse, was macht dich trotz aller schlimmen Sachen, die da so draußen unterwegs sind... Was macht dich für die neue Generation zuversichtlich?
[00:38:28.350] - Alexandra Zykunov
Also ich denke, ich denke schon, dass ich durch meinen Beruf natürlich vielleicht eine, wie soll ich sagen, radikalere feministische Mutter bin als wahrscheinlich die durchschnittlichen Mütter, die sich vielleicht so als Feministin oder eine feministische Erziehung gar nicht so bezeichnen würden. Aber wenn man denen runter bricht, was sich eigentlich darunter verbirgt, dann doch feststellen: Ach so, aber wenn man das jetzt so runter bricht, doch, das erkläre ich meinen Kindern eigentlich auch schon, dass alle Menschen gleich sind und dass alle Menschen diskriminierungsfrei leben dürfen und jeder lieben kann, wen er will und aussehen kann, wie er will. Und ich weiß, dass ich vielleicht ein bisschen extremer da sozusagen ins Thema reingehe und da sehr drauf erpicht bin, das meinen Kindern beizubringen. Aber es macht mir riesengroße Hoffnung, dass solche Gespräche mit unseren Kindern und mit dieser Gen Alpha, die sie ja sind, überhaupt geführt werden, weil mit uns wurden solche Gespräche nicht geführt. Also ich bin ein Millennial-Kind. Nadia, du bist wahrscheinlich auch eins, oder? Oder bist du Zwischengeneration?
[00:39:27.250] - Nadia Kailouli
Ja, nee, ich bin das schon auch. Wann bist du geboren? Du bist Baujahr 1985? 1983? Genau.
[00:39:33.680] - Alexandra Zykunov
Und solche Gespräche sind mit uns nicht geführt worden.
[00:39:36.260] - Nadia Kailouli
Nee!
[00:39:36.350] - Alexandra Zykunov
So, und all diese Begrifflichkeiten, genau diese Sprachen hatten wir überhaupt nicht, diese Worte dafür hatten wir überhaupt nicht. Und dass das so existiert und dass Eltern da heute so viel mehr hinterher sind. Und man weiß ja auch aus Untersuchungen, dass heutzutage Eltern sehr, sehr viel mehr tägliche Zeit aufwenden, um mit ihren Kindern überhaupt Zeit zu verbringen und mit ihnen zu sprechen, als beispielsweise Eltern der Generation davor oder der Generation davor. Das heißt, das macht mir sehr, sehr große Hoffnung, dass diese Themen überhaupt draußen sind, dass Eltern - und vorwiegend auch Mütter, muss man leider auch dazu sagen, dass so was wie Erziehung ja immer noch in Frauenhand liegt und feministische Erziehung dann erst recht. Aber dass das überhaupt Thema ist und präsent ist und ich nicht quasi die Erste bin, die solche Bücher schreibt, wie man Jungs irgendwie feministisch begleitet, dass sie nicht zu maskulinistischen Incel-Männern werden. Wie man Mädchen begleitet, dass sie gestärkt rausgehen und nicht denken, ich muss jetzt irgendwie zurück an den Herd. Dass es diese Bücher gibt, nicht nur vereinzelt irgendwie so als Einhorn irgendwo, sondern immer mehr. So was macht mir Hoffnung.
Und dass unsere Kinder dafür tatsächlich empfänglich sind, es auch anwenden, dass sie sensibilisiert sind, dass das jetzt schon fruchtet, dass sie, wie gesagt, auch wenn wir zusammen einen Film gucken und ich gar nicht auf Pause drücke und ich auch gar nicht sage, und da aber einfach nur so eine Szene ist, und sie wissen es schon, sie drehen sich grinsend schon zu mir. Und gucken, wie ich reagiere. Ja, also sie wissen es schon. Eine andere Freundin hat mir neulich erzählt - habe ich auch schon wieder so krass mit den Augen gerollt. In der Schule war dann ein Gespräch, weiterführende Schule, und da stand da irgendwie die Schuldirektorin oder irgendwer und hat gesagt so: „Ja, und jetzt Sommer, und achten Sie bitte bei Ihren Mädchen darauf, dass sie nicht zu kurze Röcke tragen in der Schule und nicht so viel bauchfrei, damit unsere Jungs nicht abgelenkt werden." Wo ich gedacht habe, wäre ich da, ich wäre dieser Frau an die Gurgel gesprungen oder hätte mich zusammengerissen und wäre dann, nachdem diese Versammlung war, ihr an die Gurgel gesprungen, weil es nicht das Problem ist, dass Mädchen sich bedecken sollen, sondern dass Jungs hoffentlich beigebracht wird, dass sie nicht Mädchen irgendwie sexualisieren sollen und sie irgendwie anstarren sollen, dass das nicht das Problem ist. „Don't protect your daughters, educate your sons." Aber dass bei dem Spruch, als der fiel, der Sohn meiner Freundin sich schon zu seiner Mutter umgedreht hat und sie schon so angeguckt hat mit so einem Grinsen. Und sie quasi ihm nur so, sie haben sich einfach ohne Worte verstanden und sie hat nur so genickt und mit den Augen gerollt. Und sie wussten ohne irgendwas, dass sie sich verstehen und dass das gerade patriarchale Kackscheiße war von dieser Frau da oben.
Und das sind so Sachen, das wäre einfach uns mit acht Jahren nie im Leben irgendwie aufgefallen. Niemand hätte uns da aufgeklärt. Und das sind so Sachen, sie wachsen einfach, die nächste Generation bestenfalls, wenn Eltern darauf Wert legen, wachsen einfach auf mit einem völlig anderen Bild und Verständnis von Gerechtigkeit, von Solidarität, von Diskriminierungen und einem völlig anderen Bild davon, wie sie hoffentlich dem begegnen können. Das macht mir sehr, sehr große Hoffnung. Und wirklich dieses, was ich am Ende des Buchs einfach recherchiert hatte, dass wir definitiv, wenn wir es gut genug anstellen, wirklich ohne Druck aufzubauen - es muss nicht die super krasse Gender-Studies-Feminismus-Erziehung sein, bevor man Eltern wird. Wenn wir einfach gut genug unsere Kinder begleiten, ohne Gewalt, ohne Autorität, ohne „Du musst mir jetzt gehorchen, komme was wolle!", wenn Eltern das hinkriegen, mit ihren Kindern ansatzweise gut genug sie wirklich zu begleiten in diesem „Du bist gut so wie du bist und du musst nicht gehorchen, du darfst hinterfragen und deine Stimme zählt!", dass sie dann all diese reaktionäre Scheiße auf Social Media mit ihren Glaubenssätzen und Körperbildern und so dass sie da dem gegenüber immun sein können, dass sie da eine Patriarchatsresilienz aufbauen. Das macht mir auch auf jeden Fall sehr, sehr große Hoffnung nach der Recherche für dieses Buch.
[00:43:27.790] - Nadia Kailouli
Und ich glaube, nach dem Gespräch, was wir beide hier geführt haben, wollen viele, viele mehr von dir hören und vor allem vielleicht auch gerne dein Buch lesen.
[00:43:36.610] - Alexandra Zykunov
Hoffentlich.
[00:43:37.030] - Nadia Kailouli
„Aber patriarchale Kackscheiße darf man schon noch sagen, oder?“ So heißt es. Und ich sage vielen, vielen Dank, dass du heute bei uns warst, Alexandra Zykunov.
[00:43:45.330] - Alexandra Zykunov
Sehr, sehr gerne. Vielen Dank!
[00:43:51.420] - Nadia Kailouli
Ja, die war ja lebendig. Mein Gott. Also ich sag mal so, mit Alex einen Film gucken ist wahrscheinlich viel Augenrollerei und viele Pausen. Das muss man aushalten können. Aber wenn es für die feministische Erziehung ist, tja, da muss man da wohl durch. Also lest euch dieses Buch durch. Ich finde, da sind ganz, ganz tolle Sachen drin, die uns alle vielleicht ein Stück näher zusammenbringen können.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich mal bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt!
Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun.
Eine E-Mail könnt ihr einfach schreiben an einbiszwei@ubskm.bund.de.
Mehr Infos zur Folge
„Was sind Pornos und wenn dort alles Fake ist, warum gibt es sie dann überhaupt?“ Oder: „Soll mein Lieblingsspieler jetzt nie mehr Fußball spielen, nur weil er EINmal eine Frau geschlagen hat?“ Das sind Fragen, die Kinder stellen, gern auch an der Supermarktkasse und selten, wenn man vorbereitet ist.
Alexandra Zykunov ist Autorin, Journalistin und Spiegel-Kolumnistin. Sie schreibt über Feminismus, Care-Arbeit und das, was Gleichberechtigung im Alltag wirklich bedeutet. Ihr neues Buch hat den schönen Titel: „Aber patriarchale Kackscheiße darf man schon sagen, oder? Wie ich versuche, meine Kinder feministisch zu erziehen – und ständig daran scheitere“. In ihrem neuen Buch beantwortet sie genau solche herausfordernden Fragen ihrer Kinder. Ihr Sohn wird dieses Jahr 13, ihre Tochter ist noch in der Grundschule. Und je größer die Kinder werden, desto weniger wiederholen sie einfach das, was ihre Eltern sagen. Irgendwann kommen Peergroup, Social Media, Fußballidole, die Frauen schlagen. Alexandras Recherche für das Buch zeigt trotzdem: Das, was die Eltern mitgeben, hat mehr Einfluss als oft gedacht – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.
Mit ihr sprechen wir darüber, wie man mit Kindern über Consent, den eigenen Körper und Grenzen redet und was man tut, wenn der Alltag, das Umfeld und Social Media einem immer wieder dazwischenkommen.
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„Wenn man das vorlebt, zieht man seine Tochter mit in den Abgrund”
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Di., Do.: 15.00 bis 20.00 Uhr
(Nicht besetzt an bundesweiten Feiertagen und am 24. und 31. Dezember.)


