Podcast | Folge: 150 | Dauer: 41:07

Was macht eine „Beauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen“, Miriam Zeleke?

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[00:00:00.050] - Miriam Zeleke

Eine Forscherin hat zum Chillen geforscht, die hat fünf Chilltypen rausgefunden: Hängen, Abhängen, Zocken, Shoppen, ich weiß nicht was. Und für sie war das nicht nur irgendwie eine Form des Zeitvertreibs, sondern auch eine Art der politischen Teilhabe und der Raumaneignung. Also diese Vermutung in Frage zu stellen, dass das, was junge Menschen machen, unvernünftig, unproduktiv oder nicht verantwortungsvoll oder nicht gemeinschaftsfähig wäre. So, Großteil des Ehrenamtes sind junge Leute!

[00:00:32.060] - Nadia Kailouli

Hi, herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche.

Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert. Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst! 

Sie ist Deutschlands erste Landesbeauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen. Das klingt ein wenig sperrig, das ist aber für Miriam Zeleke ein echter Traumjob, den sie da in Hessen angefangen hat. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich schon im Studium damit beschäftigt, warum Kinderrechte in Deutschland nicht umgesetzt werden, hat ein Kinderrechtsinstitut gegründet und sorgt seitdem dafür, dass das, was die Vereinten Nationen vor mehr als 25 Jahren als sogenannte Kinderrechtskonvention beschlossen haben, auch umgesetzt wird. Wie sie dafür sorgt, dass Kinderrechte zumindest in Hessen auch wirklich gelten, erzählt sie mir. 

Hier ist sie, Miriam Zeleke. Herzlich willkommen bei einbiszwei. Schön, dass du da bist!

[00:01:33.190] - Miriam Zeleke

Schön, dass ich da sein darf! Hallo.

[00:01:34.930] - Nadia Kailouli

Hallo! Miriam, wir sprechen heute über deinen Job, den du jetzt seit zwei Jahren hast und als erste sozusagen inne hast in Deutschland. Du bist nämlich - warte, ich muss das ablesen. Es tut mir leid, aber es ist nicht ganz unsperrig. Du bist Deutschlands erste Landesbeauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen. Herzlichen Glückwunsch!

[00:01:54.990] - Miriam Zeleke

Ja, jein.

[00:01:56.910] - Nadia Kailouli

Ach so.

[00:01:57.390] - Miriam Zeleke

Ich bin oder ich war Landesbeauftragte für Kinderrechte, und zwar seit Oktober 2020. Es gab aber in der Zwischenzeit Wahlen und eine neue Landesregierung. Und da gehören natürlich dann auch noch mal Schwerpunktsetzungen dazu. Und man hat sich zwar dafür entschieden, auch weiter mich als Landesbeauftragte zu beschäftigen, aber diese Umressortierung und so haben dazu geführt, dass man auch den Titel da noch mal zuspitzt. Das heißt, ganz vieles von dem, was ich tue, hat auch viel damit zu tun, was ich in den drei Jahren zuvor gemacht habe. Also Kinderrechte nach innen und außen zu stärken, aber eben noch mal mit dieser besonderen Zuspitzung „Förderung und Beteiligung“. Und es sollte sich dann auch im Namen abbilden. Das heißt, das mache ich seit zwei Jahren, aber eigentlich mache ich es seit dem 19. Oktober 2020.

[00:02:42.670] - Nadia Kailouli

Genau, und das sind dann jetzt schon fast sechs Jahre. Ja, okay, also das heißt...

[00:02:46.380] - Miriam Zeleke

Ich bin alt geworden in dem Job.

[00:02:48.380] - Nadia Kailouli

Das heißt, du bist schon länger so aktiv in dieser Thematik, auf Landesebene Kinderrechte nach vorne zu bringen. Aber diese Betitelung, diese sperrige Betitelung, die ich jetzt gerade vorgelesen habe, ist seit zwei Jahren so. Ja, alles klar. Reden wir mal darüber, was du machst. Beauftragte für Kinder- und Jugendrechte, das ist auf jeden Fall safe. Was ist da so dein typischer Arbeitsalltag? Was macht man da eigentlich?

[00:03:11.240] - Miriam Zeleke

Also jetzt heute an diesem Freitag hatte ich erst mal ein bisschen mit Mails zu tun. Wir sind in diesem Jahr Vorsitzland von der Jugend-Familienministerkonferenz. Da gibt es wahnsinnig viele Abstimmungsnotwendigkeiten. Dann hatte ich einen Termin mit jemandem, mit dem wir ein Projekt umsetzen wollen. Da geht es um Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Wir wollen die Gelingensbedingungen für die Inanspruchnahme aus dem Bildungs- und Teilhabepaket erhöhen. Die sind wahnsinnig schlecht. Das ist ein Problem, das kennt jeder. Und wir wollen gucken, welche Möglichkeiten wir finden, um das zu verbessern. Da wäre zum Beispiel KI eine Frage oder Digitalisierung eine Möglichkeit. Und dazu habe ich mich jetzt eben vorher noch mit jemandem getroffen. Jetzt bin ich bei dir und später bereite ich eine Veranstaltung nächste Woche vor.

[00:03:56.620] - Nadia Kailouli

Worum geht es da?

[00:03:57.420] - Miriam Zeleke

Da geht es um einen Vortrag, den ich halte, und zwar zum Thema Beteiligung als präventiven Kinderschutz. So, und das ist dann vor Fachkräften. Also kann aber auch sein, dass ich den Vormittag in der Kita verbringe, um mit Kindern über irgendwas zu sprechen. Das ist jetzt zum Beispiel in zwei Wochen der Fall. Da haben wir so einen Kita-Fachtag und wir wollen die Positionen der Kinder auch in diese Jugend-Familienministerkonferenz einbringen. Kann aber auch sein, was kann noch alles sein, irgendwelche Gremien, politischen Räume. Wir haben eine Enquete-Kommission Kinder- und Jugendbeteiligung. Da gibt es richtig viele Notwendigkeiten, auch mit Politik ins Gespräch zu kommen, um zu gucken, was geht da, was können wir zusammen erreichen.

[00:04:39.280] - Nadia Kailouli

Okay, das macht so ziemlich deutlich, dass man als Landesbeauftragte für Kinder- und Jugendrechte jetzt eben nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt und monoton irgendwie Gesetzeslagen durchliest oder erarbeitet, um Kinder- und Jugendrechte besser zu stärken, sondern das ist sehr, sehr viel, ich sage mal, aktiv im Feld, wo sich Kinder und Jugendliche sozusagen bewegen. Da bist du unterwegs. Vielleicht kannst du uns aber einmal zusammenfassend sagen: Was können wir unter Kinderrechten eigentlich verstehen?

[00:05:04.990] - Miriam Zeleke

Ja, die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen ist ein völkerrechtlicher Vertrag, der auf höchster diplomatischer Ebene verhandelt wurde. Ist eigentlich kein pädagogisches Konzept. Deswegen ist der Titel leider immer so ein bisschen, dass viele dann denken, och, habe ich nichts mit zu tun. Aber Tatsache ist, dass eigentlich jeder im Grunde mit Kinderrechten zu tun hat. Sei es, dass man irgendwelche Rahmenbedingungen für, wie können Werkstätten im Ausland tätig werden, irgendwelche Rahmenbedingungen für Kinderarbeit und so oder präventiven Maßnahmen gibt es bis hin zu Klimapolitik über Straßenverkehrsordnung, Straßenverkehrserlass, was weiß ich was. Es hat eigentlich ja sehr vieles, wenn nicht alles, mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Und die Frage, die dahinter steckt, ist: Die Kinderrechtskonvention ist ratifiziert in Deutschland, eigentlich so verbindlich wie die Straßenverkehrsordnung. Wir erleben ja nur in ganz vielen Bereichen ein Umsetzungsdefizit. Wie können wir diese Lücke schließen? Also wie können wir dazu beitragen, dass Kinderrechte allgemein besser bekannt und damit auch stärker umgesetzt werden. So ein bisschen das Ding.

[00:06:07.080] - Nadia Kailouli

Jetzt muss man ja sagen, dass du eben Landesbeauftragte bist. Du bist nicht Bundesbeauftragte. Das heißt, das, was wir jetzt besprechen, bist du aktiv am Angehen auf Landesebene in Hessen. Warum nur in Hessen? Also klar, du kommst dorther und so, alles klar, safe. Aber es gibt ja bundesweit keine einheitlich geregelte Struktur, dass es in jedem Bundesland eine Landesbeauftragte für Kinder- und Jugendrechte gibt?

[00:06:32.820] - Miriam Zeleke

Das ist tatsächlich spannend, weil es war in der Tat so, dass ich die erste Kinderrechte- und überhaupt die erste Hauptamtliche mit so oder so einem ähnlichen Auftrag gewesen bin. Das war ja 2020. Danach ist Brandenburg nachgezogen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen jetzt erst im letzten Jahr. Rheinland-Pfalz steht in den Startlöchern. Also da tut sich was. Es ist aber noch mal spannend zu beobachten, weil wir alle durchaus unterschiedlich ausgestattet sind. Unterschiedlich verortet sind in den Systemen und auch in den Titeln durchaus auch sich Unterscheidungen abbilden. Also in Nordrhein-Westfalen ist es die Kinderrechte- und Kinderschutzbeauftragte, in Brandenburg ist es die Kinderbeauftragte. 

Und da steckt viel auch Vorstellung von, mit und über Kinderrechte irgendwie drin. Also als Kinderrechte-Person würde ich den Kinderschutz immer von den Kinderrechten her denken. Das ist aber nicht immer das, was Politik so in den Fokus setzen will. Und es macht in der Tat auch manchmal Sinn, wie zum Beispiel bei der UBSKM zu sagen, okay, hier haben wir eine Person, die insbesondere für den Kinderschutz unterwegs ist, weil das ganze Feld an sich, das ist unfassbar weit. Also du hast eben gesagt, hier am PC sitzen und irgendwelche Gesetzestexte wälzen. Es gibt gerade eine Änderung im Baugesetz, da sollte, oder ich muss mal gucken, was der aktuelle Stand ist, der Beteiligungsparagraf im Baurecht rausgekreuzt werden.Das ist natürlich eine Katastrophe, finden wir. Ich würde es nur nicht wissen, wenn wir uns das nicht gegenseitig auch mitteilen würden. Das heißt, man kann gar nicht alles im Blick haben. Das Thema ist so weit.

[00:08:05.200] - Nadia Kailouli

Jetzt musst du mir einmal erklären, warum ist das eine Katastrophe?

[00:08:08.800] - Miriam Zeleke

Ja, Kinder und Jugendliche haben umfassende Rechte. Kinder und Jugendliche haben so viele Rechte wie noch nie zuvor in der Geschichte. Wir merken aber an ganz vielen Stellen, dass diese Rechte gar noch nicht hinreichend umgesetzt werden. Ich sage immer, Kinder und Jugendliche halten sich in erschöpften Räumen auf, also mit erschöpften Fachkräften, Lehrerinnen, Eltern, sogar die die vier Wände sind in der Regel erschöpft. Und das macht so ein bisschen deutlich, sehr plastisch deutlich, wie groß diese Diskrepanz ist. 

Einerseits eben diese umfassenden Rechte zu haben, auch Rechte, die durchaus auch präventiv ausgelegt werden, und gleichzeitig aber auch bei den Kindern selber oder von den Kindern selber zu hören, dass es vielen gar nicht gut geht. Also Gewalterfahrung, Diskriminierungserfahrung, die Frage der psychischen Gesundheit, der Peer Group und so, da wissen wir von den Kindern, dass sie in unglaublich herausfordernden Zeiten leben. Und die Frage ist ja im Grunde, wie kann man diese Diskrepanz schließen? Was können wir tun, damit Kinder auch wirklich mehr aktiv ihre Rechte in Anspruch nehmen können? So.

[00:09:11.780] - Nadia Kailouli

Und das jetzt in Verbindung mit der Veränderung im Baugesetz?

[00:09:14.500] - Miriam Zeleke

Im Grunde wäre das ja ein Rückschritt. Also Fakt ist, Kinder und Jugendliche haben unfassbar viele Rechte, auch noch mal Landesrechte, die Kinderrechte stärken, auch in unterschiedlichen Rechtskreisen noch mal gestärkte Kinderrechte. Aber ganz viele dieser Rechte sind ja noch gar nicht vollumfänglich umgesetzt, weil Kinder ja auch in ganz vielen Kontexten gar nicht sich selbst juristisch vertreten lassen können, weil ganz viele der Sachen gar noch nicht für die hinreichende Sensibilisierung gesorgt haben. 

Und das heißt, wir brauchen diese rechtsverbindlichen Rahmen, damit Kinderrechte auch wirklich krisensicher sind, damit wir wirklich auch gewährleisten können, dass zumindest auf der normativen Ebene der Haken dran ist zu „Beteiligungsrecht voll erfüllt“. Und Kinder haben natürlich wahnsinnig viel damit zu tun, wenn irgendwo gebaut wird, also wenn irgendwo eine kleine Mehrfamilienhausanlage gebaut wird, die Frage, wohin kommt der Spielplatz, welche Spielgeräte kommen dahin, welche Regelungen für pro Kind, wie viel Quadratmeter und so weiter und so fort müssen gefasst werden. Also es macht einfach Sinn, Kinder und Jugendliche zu beteiligen an den Dingen, die sie betreffen. Deswegen ist es wichtig, dass es im Baurecht weiterhin bestehen bleibt.

[00:10:21.040] - Nadia Kailouli

Es ist total lustig, dass du das so sagst. Ich war mal mit dem Sohn von einem Freund auf dem Spielplatz und er hatte dann keinen Bock mehr. Es war so ein Spielplatz für größere Kinder. Und dann habe ich gesagt: Ja, was denn los? Du magst doch klettern. Und er so: Ja, es ist aber viel zu heiß. Viel zu heiß. Und dann ist mir dadurch erst aufgefallen: Scheiße, stimmt. Jeder Spielplatz, jede Outdooranlage für Kinder hat überhaupt gar keinen Sonnenschutz. Ja, wie soll denn ein Kind da um 13:00 Uhr mittags da total abgehen, wenn da die Sonne draufknallt und du denkst: Puh, nee, das ist mir viel zu heiß. Hätte man ja vielleicht hier irgendwie so ein Segeldach noch bauen können oder so. Das meinst du mit, man muss Kinder beteiligen an Konzepten, die Kinder betreffen?

[00:10:59.840] - Miriam Zeleke

Da gibt es richtig tolle Sachen. Auch so Klimaaktionspläne, kommunale, wo Kinder auch gefragt werden, wie kann hier dieser Spielplatz gestaltet sein? Und die erzählen dir dann was über, es macht Sinn, dass die Fallschutzmatte nicht schwarz ist, weil dann ist die heiß. Und wenn ich dann mit nackten Beinchen da drauf sitze, dann ist das blöde.

[00:11:16.020] - Nadia Kailouli

Und die ist so oft schwarz.

[00:11:17.560] - Miriam Zeleke

Ja, doof, ne?

[00:11:18.940] - Nadia Kailouli

Total doof.

[00:11:19.620] - Miriam Zeleke

Aber ich kenne auch kommunale Spielplatzplanerinnen, also Kommune hat 'ne Spielplatzplanerin, die irgendwie die Außengelände für die Kitas bauen soll. Ja, die weiß dann exakt, Fallschutzmatte soll zum Kischlorbeer vom Nachbar so und so viel Abstand halten. Fallschutzmatte muss so und so tief sein. Einmal in der Woche muss der TÜV kommen, um das abzunehmen und zu gucken, dass da irgendwie alle Spielgeräte funktionieren. Die sagt aber im Zweifelsfall: Bleibt mir weg mit Kinder- und Jugendbeteiligung. Aber es wäre ja irgendwie schlau, mit den Kindern darüber ins Gespräch zu kommen, welche Spielgeräte die gerne hätten, also was sie auch wirklich nutzen würden, weil sonst sucht auch so eine Spielplatzplanerin das aus, was sie halt cool findet.

[00:11:53.480] - Nadia Kailouli

Ja, ja, genau.

[00:11:55.960] - Miriam Zeleke

Malt man sich gar nicht aus, was dann da steht. Aber es ist ja auch nur, also ich sag mal, Spielplatz zu überlegen ist ja auch nur das Naheliegendste. Da reden wir auch über die Bushaltestelle, wir reden über eine gute Gehwegplanung, die auch wirklich kindersicher ist, also dass Kinder, wenn sie den Schulweg selber bestreiten, dass dann auch der Gehweg so ist, dass der auch dahin führt, dass Kinder auf dem Gehweg bleiben können, dass da vielleicht auch irgendwelche bunten Steine, Spielgeräte, Tafeln, wo vielleicht noch mal was zu lesen ist, dran sind, sodass ein Kind auch möglichst sicher den Weg in Anspruch nehmen kann.

[00:12:30.190] - Miriam Zeleke

Ja, ja, und wann - und das ist auch so eine eigentlich tragische Zahl ist: Der Großteil der Unfälle, die Kinder auf dem Weg in die Schule erleben, passiert durch Elterntaxis.

[00:12:41.880] - Nadia Kailouli

Was?

[00:12:43.270] - Miriam Zeleke

Also man tut ja viel dafür, dass Kinder selber in die Schule gehen. Wir erleben, dass immer mehr Kinder von den Eltern gebracht werden. Das ist ein Thema, das Schulen und Kitas sehr beschäftigt, weil man natürlich möchte, dass die Kinder sich mehr bewegen, dass sie diese Autonomieerfahrung machen und und und und und. Und Ding ist aber, dass das ein Stück weit verunmöglicht wird durch die Angst vor Unfällen, die aber dann durch Elterntaxis entsteht.

[00:13:05.600] - Nadia Kailouli

Weil die dann einfach gestresster immer, zu viele Autos oder so...

[00:13:09.400] - Miriam Zeleke

Mit dem SUV um die Ecke düsen.

[00:13:10.760] - Nadia Kailouli

Ach, du ahnst es nicht. Ja, okay, krass. So, so ist das dann. Bist du sozusagen Stellvertreterin für die Kinder und Jugendlichen jetzt in deinem Land? Setzt dich da also in die Schulen oder in die Kita, stellst da mal ein paar Fragen, gehst dann vom Ministerium zu Ministerium, vom Bauamt zu ich weiß nicht was Amt und sagst, ich habe aber mit Kindern gesprochen und denen ist das wichtig, weil ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass wenn so ein Baugesetz geändert wird, dass da eine Schulklasse sitzt und die erst mal befragt werden?

[00:13:38.420] - Miriam Zeleke

Also ich bin ja nicht gewählt. Das muss man ja tragischerweise so sagen. Wäre schön, wenn es anders wäre. Also ist so eine Beauftragte eine Interessensvertretung? Muss man klar mit Jein beantworten. Der Auftrag ist aber durchaus, Kinderrechte zu stärken. Und das bedeutet natürlich auch zu schauen, wie kommt die Kinderperspektive in die Gremien und in die Verhandlungsräume, in die Wahrnehmung, ins Bewusstsein, wie auch immer. Und das ist durchaus sehr unterschiedlich. Wir haben ja, ich hatte das eben gesagt, die Jugendfamilienministerkonferenz, die wir in diesem Jahr ausrichten, da gibt es was, das nennt sich Leitantrag, so ein bisschen das Framework, die auch einen Impuls dafür geben, was so thematisch Tacho ist in diesem Jahr. In dem Jahr ist es Demokratie und digitale Räume, also Kompetenz für die Demokratie, Kompetenz für die digitale Welt. Diese Leitanträge werden aber in der Regel ohne Kinder und Jugendliche entwickelt. Also da sitzt die Fachabteilung und die guckt, was würde Sinn machen in so einem Leitantrag, und dann wird es abgestimmt, dann wird es in den Gremien abgestimmt und, und, und, und, und. Da sitzen die wichtigsten Ministerinnen für die wichtigsten Kinder- und Jugendthemen miteinander zusammen. 

Also es wäre schon schlau, man würde auch Kinder fragen: Was sind denn eure Themen? Womit sollen sich die Jugendfamilienministerinnen beschäftigen? Was wollt ihr denn gerne für Impulse geben? Und dazu gab es auch schon Beschlüsse. Die hat Brandenburg auch das erste Mal umgesetzt 2023. Aber seitdem wurde nichts mehr in Richtung Beteiligung umgesetzt und auch vorher hat nicht viel Beteiligung stattgefunden. Und das wollen wir ändern. Wir haben zum einen diesen Leitantrag, der da von Erwachsenen abgestimmt wurde - da habe ich natürlich inhaltlich durchaus auch mitgearbeitet - den haben wir genommen und mit Kindern und Jugendlichen diskutiert an Thementischen und haben mit Jugendlichen einen eigenen Kommentar verfasst. Und wir konnten dann in der Vorkonferenz der JFMK in der AGJF...

[00:15:28.290] - Nadia Kailouli

Oh mein Gott.

[00:15:28.920] - Miriam Zeleke

Wirklich! Für eine 16:0-Abstimmung sorgen, dass dieser Kommentar die Anlage des Leitantrags wird und im Leitantrag noch ein Satz ergänzt wird mit dem Hinweis zur Anlage. Das ist im Verwaltungs-Tohuwabohu, ungefähr das Beste, was man sich vorstellen kann, was da passiert. Und das ist total toll. Und wir werden auch noch mehr Beteiligungsformate zur JFMK umsetzen und auch entsprechende Impulse...

[00:15:53.490] - Nadia Kailouli

JFMK ist was?

[00:15:54.810] - Miriam Zeleke

Jugendfamilienministerkonferenz.

[00:15:57.030] - Nadia Kailouli

JFMK - Leute, merkt euch diese Abkürzung.

[00:15:59.550] - Miriam Zeleke

Wirklich. Wenn man, also ich bin ja Pädagogin in der Verwaltung, in so einer Verwaltung gibt es natürlich wahnsinnig viele Abkürzungen und wenn man die mal drauf hat, dann kommt man durch.

[00:16:08.750] - Nadia Kailouli

Da kann man sich unterhalten, wirklich.

[00:16:12.490] - Miriam Zeleke

Dann zieht euch die Hosen an. Aber dieser Kommentar ist tatsächlich für mich auch noch mal total schön und bewegend gewesen. Es ging ja auch viel um Demokratie und digitale Medien und da diskutieren ja auch die Erwachsenen gerade unfassbar viel drüber. Social-Media-Verbot und so weiter und so fort. Für mich so schön, noch mal zu sehen, ist eine Erfahrung, die man immer wieder macht, wenn man mit jungen Menschen diskutiert, ist, wie differenziert und versiert und klug wie sehr die über diese Sachverhalte nachdenken, wie sehr die abwägen und auch noch weitere Perspektiven mit einbringen und auch auf Lebensrealitäten hinweisen, die vielleicht ihre eigenen nicht immer so wiedergeben. Das zum einen. Und jetzt in dem konkreten Kontext fand ich das noch mal spannend, wie sehr die jungen Menschen darauf gepocht haben oder wie sehr sie auch appelliert haben an: Ey, wir brauchen verantwortungsbewusste, verantwortungsfähige Erwachsene. Die müssen nicht über alles Bescheid wissen, aber die müssen wissen, was Verantwortung bedeutet, wie sie uns adressieren können, und zwar wertschätzend und als irgendwie auch starke Partnerinnen, die am Ende des Tages aber auch eine gewisse Verantwortung übernehmen. Die wissen, dass wir Kinder sind und dass sie am Ende des Tages diese Verantwortung tragen müssen, die aber auch eine Art und Weise haben, uns zu adressieren, sodass wir uns eingeladen und mitgenommen fühlen. Das fand ich jetzt auch noch mal auf eine Art super pragmatisch und irgendwie total klar nachvollziehbar, aber auch sehr bewegend. Da noch mal in der Form zu lesen.

[00:17:42.120] - Nadia Kailouli

Ja, gibt es was, was du mitgeben kannst? Was haben denn die Kinder, Jugendlichen da so aus ihrer Perspektive zu dieser Thematik jetzt auf den Tisch gebracht? Gibt es da was, was du sagst, ah ja, das war für uns total lehrreich, diesen Blick zu bekommen?

[00:17:56.460] - Miriam Zeleke

Also spannend fand ich zum einen, dass sie - es waren 35 junge Menschen aus ganz Hessen ab 14 Jahren - dass sie durchaus sehr paternalistisch über die Jüngeren nachgedacht haben, auch eine große Sorge für die jüngeren Kinder hatten, die vielleicht in der Kita sind und da für sich sehr sehr klar gesagt haben oder ein Großteil sehr klar gesagt hat, die sollten eigentlich mit Social Media noch gar nichts am Hut haben. Und ja, Medienpädagogik in der Kita, alles fein, aber auf gar keinen Fall ohne eine Form von Begleitung. So, das fand ich noch mal sehr spannend. Und auch noch mal dieses Beharren oder dieser Hinweis auf: Wir bieten uns euch an, ja, wir würden gerne mit euch gemeinsam gestalten, wir sind total verantwortungsbereit und wir würden auch gerne im Vorfeld schon mit euch über Leitanträge sprechen. Aber wir verstehen auch, dass ihr da steht, wo ihr gerade steht. Das heißt aber nicht, dass wir euch damit auch stehen lassen. Wir machen trotzdem mit. Wir freuen uns aber, wenn ihr in Zukunft früher drüber nachdenkt. So, also dieser sehr konstruktive Gedanke der jungen Menschen.

[00:18:56.660] - Nadia Kailouli

Okay. Und wie stehen die zum Social-Media-Verbot, Handyverbot an Schulen? Gab es da eine Tendenz?

[00:19:03.130] - Miriam Zeleke

Die sind schon durchaus dafür, dass man sagt, manche Social-Media-Angebote nur ab einem gewissen Alter. Die sind aber auch sich im Klaren darüber, dass das ein Stück weit auch immer umgangen werden kann und dass es noch viel mehr braucht. Also dass es zum einen medienpädagogische Angebote für sie, aber vor allem auch für die Eltern geben muss. Dass das aber nicht bedeutet, dass Eltern alle Spiele schon mal durchgezockt haben müssen, bevor sie sie selber durchzocken dürfen, sondern dass Eltern, wenn sie zum Beispiel mit einem Problem an Eltern herantreten und sagen, du, auf Minecraft hat mich jemand angeschrieben, ich habe den aber blockiert, nicht hysterisch reagieren, sondern ein Stück weit einen kühlen Kopf bewahren und eben Verantwortung übernehmen und irgendwie gucken, was hast du denn eigentlich schon selber Gutes und Richtiges gemacht und wie kann ich dich unterstützen, wie kann ich deine Kompetenzen Stärken. Das war so ein bisschen das.

[00:19:51.080] - Nadia Kailouli

Ja, interessant.

[00:19:51.600] - Miriam Zeleke

Wir haben ja in Hessen auch ein sogenanntes Handyverbot an Schulen und das ist auch total spannend, weil ich da sehr unterschiedliche Gespräche mit Schülerinnen führe. Es gibt die Schülerinnen, die irgendwie erzählen, das funktioniert bei uns überhaupt nicht. Wir haben so komische Täschchen, wo die Handys dann so reinkommen und irgendwie nachmittags dürfen wir sie aufmachen, dann tun die da Attrappen rein oder was.

[00:20:12.540] - Nadia Kailouli

Ja klar. Ja, mein Gott. Ja, lustig.

[00:20:16.330] - Miriam Zeleke

Wer hätt's gedacht? Aber auch viele Schülerinnen, die irgendwie erzählen, dass es bei ihnen gut klappt, weil sie sagen, wir haben ja in Hessen auch ein Gesetz, dass es Schutzkonzepte an Schulen geben muss und dass diese Frage der Handynutzung in der Schule auch Teil der Schutzkonzeptentwicklung war und dass sie eingebunden gewesen sind. Und dass sie mit verhandelt haben darüber, wie sie als Schulgemeinschaft mit Handys auch auf dem Pausenhof oder im Unterricht umgehen wollen. Und dass sie dann sagen, so für uns gar kein Ding, wir haben das ja schon vorher besprochen, wir sind uns da auch alle einig, so und so machen wir es. Und es ist auch nicht nur was, was uns Schüler:innen betrifft, sondern auch die Lehrer:innen dürfen kein Handy aus der Tasche holen während dem Unterricht oder TikToks angucken, während wir gerade eine Klassenarbeit schreiben. So, und da merkt man schon auch noch mal, wie essenziell das ist, wenn man die Kinder und Jugendlichen mitnimmt bzw. sie konsultiert bzw. sie fragt, wie sie das empfinden und nicht nur drüber spricht, sondern mit ihnen gemeinsam schlaue Regeln für die Gemeinschaft verhandelt.

[00:21:20.000] - Nadia Kailouli

Nun gibt es ja nichtsdestotrotz immer noch die Haltung so: Ja, ja, ihr habt halt noch nicht den Erfahrungswert, ihr seid viel zu jung. Lasst uns, die Älteren, machen und wir bestimmen über eure Zukunft. Jetzt hattest du aber gerade gesagt, es steht so gut um die Kinderrechte und Jugendrechte, oder es gibt so viele Kinder- und Jugendrechte wie noch nie. Da kann man ja sagen, da sind wir doch auf einem super Weg. Oder gibt es da noch eine Diskrepanz, wo man sagen muss, da müssen wir echt dran.

[00:21:45.110] - Miriam Zeleke

Das ist ja ein Stück weit auch eine Frage, die keiner so richtig beantworten oder nicht richtig versiert beantworten kann. Das Verfahren dazu würde sich Monitoring nennen. Das empfiehlt uns auch der Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen, der sagt: Hey Deutschland, alles cool, aber fangt doch mal an, strategisch systematisch das in den Blick zu nehmen, um gewisse Dinge auch gegenzusteuern oder anzusteuern. Wir sind in Hessen tatsächlich auch auch das erste und bislang einzige Bundesland, das so ein Monitoring macht. Wir beauftragen dafür das Deutsche Institut für Menschenrechte als die unabhängige Stelle für Kinderrechte-Monitoring. Die haben nach Pariser Prinzipien und Hochheiligkeits-Siegel Erlaubnis, oder die können das unabhängiges Monitoring nennen, und wir setzen das gerade zum dritten Mal um. Die ersten zwei Berichte, weil der erste war zur Frage der Umsetzung der Bekanntheit der Kinderrechte, der zweite war zur Frage der Beteiligungsrechte, und der jetzt, der stattfindet, ist zur der Umsetzung der Bildungsgerechtigkeit. Und das ist nicht noch so eine weitere Jugendstudie. 

Das Monitoring berücksichtigt Studien, die es bereits gibt, aber das Verfahren sieht eigentlich vor, die staatlichen Bemühungen zu prüfen bei der Frage von: Was macht der Staat, um Kinderrechte wirklich umzusetzen? Dabei guckt er auf die normativen Regelungen eines Landes, also welche Rechte und Gesetze gibt es? Es guckt aber auch auf welche Maßnahmen werden umgesetzt. Also wir haben so einen großen Fördertopf Extremismusprävention, damit unterstützen wir die Kinderrechte-Schulen. Was macht ein Land, um Kinderarmut oder Kinderarmutsfolgen abzufedern? So was. Und was kommt bei Kindern und Jugendlichen und ihren Familien an? Und das setzen wir gerade um. Das ist super spannend. Wir wissen zum Beispiel aus dem Bericht der Frage der Bekanntheit der Kinderrechte, dass fast 90% der hessischen Verwaltung, jetzt würde ich sagen, das ist nicht nur in Hessen so, sondern auch in vielen anderen Ländern, sagen, dass sie die Kinderrechte nur vom Namen her erkennen. So, jetzt denk mal an unsere Spielplatzplanerin oder denk an die Leute, die irgendwie den Park neu gestalten, oder denk an das Kommunalparlament oder, oder, oder. Also ganz viel von dem, was Kinder betrifft, findet ja in der Verwaltung vor Ort statt. So, wenn die das aber nicht wissen als Teil ihrer Aufgabe, als Teil ihrer Verantwortlichkeit, wie soll es dann umgesetzt werden? 

Und da spricht dann das Monitoring auch Empfehlungen an die Landesregierung aus, wie sie das verbessern könnte, welche Maßnahmen sie ergreifen könnte, um das zum nächsten Messzeitpunkt zu verändern. Wir werden jetzt zum Beispiel eine Schulung für Verwaltungskräfte entwickeln. Ich bin mir sicher, da gibt es auch in Ländern schon Unterschiedliches. Aber es macht noch mal den Unterschied, ob es sozusagen etwas ist, was aus Verwaltung selbst kommt, oder ob es etwas ist, was auch als Auftrag wahrgenommen wird, um Kinderrechte in Verwaltungshandeln zu übersetzen.

[00:24:36.100] - Nadia Kailouli

Wahnsinn. Also ich nehme jetzt schon mal mit: Kinderrechte und Jugendrechte funktionieren am besten, indem man Kinder und Jugendliche einfach mit einbezieht. Und das ist ja das, was du sagtest: Partizipation, reingehen, mit denen reden, Impulse mitnehmen und dann eben auf Landesebene oder Bundesebene oder so was diskutieren. Aber nicht einfach denken, wir wissen schon, was am besten für euch ist.

[00:24:58.590] - Miriam Zeleke

Aber Obacht!

[00:24:59.400] - Nadia Kailouli

Ja, oha!

[00:25:01.470] - Miriam Zeleke

Das Ergebnis soll nicht sein, das Ziel ist nicht Kinder an die Macht oder Kinder dafür instrumentalisieren, dass sie ihren eigenen Schutz organisieren, sondern die englische Formulierung ist „in the best interest of the child" und der Artikel 12 sagt „Right to be heard", also das Recht, angehört zu werden. Und es geht eben um ein sehr verantwortungsvolles Ausloten von dem, was Kinder auch als Expert:innen eigener Sache einbringen mit den Regelungen, Verfahren, Strukturen, die es in der, ich nenne es jetzt mal Erwachsenenwelt so gibt und da sozusagen dann auch die Verantwortung zu übernehmen.

[00:25:38.070] - Nadia Kailouli

Ja, wichtiger Punkt auch zu sagen, Kinder sind nicht dafür verantwortlich, ihren eigenen Schutzraum zu gestalten oder ihren eigenen Rechteraum zu gestalten. Diese Aufgabe, die liegt dann...

[00:25:47.050] - Miriam Zeleke

Bei Erwachsenen.

[00:25:48.510] - Nadia Kailouli

Bei den Erwachsenen - absolut. Wenn wir jetzt aber darauf gucken, weil du ja auch gesagt hast, so digitale Welt, das Politische, Kinder dürfen ja nicht wählen. Und da frage ich mich immer so, inwieweit greift das Kinderrecht auch auf politische Bildung, sage ich mal, ne? Hast du da eine Antwort?

[00:26:05.760] - Miriam Zeleke

Bildungssache ist ja Ländersache, das sozusagen mal vorweg, und dann macht es Sinn, auch zu gucken, welche Regelungen hat denn so ein Land, was steht denn im Schulgesetz, was sagen die Bildungs- und Erziehungspläne, die auch jedes Land inzwischen vorweist. Wir haben gerade eine Enquete-Kommission am Laufen für die Dauer der Legislaturperiode. Da befassen sich alle Fraktionen mit der Frage, was können wir tun, um Bildungs- und Teilhaberechte von Kindern und Jugendlichen zu stärken, auch mit Blick auf Demokratie - in Klammern (Bildung und Teilhabe in digitalen Räumen) -genauso aber auch wie analog. Da geht's um Staatenrecht, Verfassungsrecht, Kommunalrecht. Ist eine richtig fette Bestandsaufnahme und wir hören unterschiedliche Expert:innen an, die dann zu einer Einschätzung kommen und auch wiederum Empfehlungen aussprechen. Und es ist total spannend, weil ganz viele dieser Empfehlungen eigentlich in die gleiche Richtung laufen, nämlich Kindern und Jugendlichen angemessen an ihr Alter und ihren Entwicklungsstand schon möglichst früh möglichst viele Mitgestaltungsspielräume einzuräumen, um sie zu empowern. 

Und ich würde sagen, und ich glaube, das wäre etwas, was auch viele Demokratieforscher:innen so mit unterstützen würden und auch Wahlforscher:innen auch bei der Frage von politischer Teilhabe und Wahlrechtsabsenkung, das durchaus relevant wäre, da klug drüber nachzudenken. Demokratie lebt und verändert sich. Es gab irgendwann mal eine Zeit, da durfte man erst über 21 wählen. Es gab irgendwann mal eine Zeit, da durften Frauen nicht wählen. Es gibt mittlerweile immer mehr Länder, wo Kinder und Jugendliche ab 16 an Landtagswahlen, an Kommunalwahlen teilnehmen dürfen. Die EU-Wahl war auch schon ab 16. 18 ist eigentlich eher so ein schwieriges Alter, weil Kinder da häufig oder Jugendliche da häufig in einer Übergangssituation sind. Die sind irgendwie mit Abi befasst, die sind mit vielleicht Ausbildungsstart und so weiter befasst. 16 hat tatsächlich noch mal die Möglichkeit, auch mit Kindern und Jugendlichen so eine Wahlteilnahme zu erörtern und zu gucken, was steht denn in Wahlprogrammen. Weil diese erste Wahl, da gibt es ja auch eine spannende Studie, gerade erst von der Bertelsmann Stiftung erschienen, diese erste Wahlteilnahme, die mit vielen Hürden verbunden ist, nämlich wie informiere ich mich, wie komme ich überhaupt dahin, wie findet so eine Wahl statt, bin ich wirklich gemeint, was mache ich jetzt mit diesem Brief, total entscheidend und maßgeblich darüber ist, ob ich in Zukunft wähle oder nicht. Und wir reden über eine Generation, die ja in einer älter werdenden Gesellschaft aufwächst, also immer weniger junge Menschen. Das heißt, umso wichtiger ist es, dass junge Menschen auch wirklich aktiv an Wahlen teilnehmen, spätestens ab 18.

[00:28:40.890] - Nadia Kailouli

Was würdest du dir denn wünschen, jetzt die, die auf Landesebene unterwegs ist und sich den ganzen Tag damit auseinandersetzt, wie Kinder- und Jugendrechte, so wie sie im Gesetz ja schon stehen, bei den Vereinten Nationen seit 25 Jahren da verankert ist und so, wie das vorangetrieben wird, auch gesehen wird und auch angewendet wird, weil das eine ist ja, dass man viel sammelt und Erkenntnisse hat. Das andere ist ja die Anwendung. Ist man da erfolgreich oder stößt man dann doch auf große Hürden, wo man sagt, so einfach ist das dann gar nicht, da schwuppdiwupp dann auf einmal was umzusetzen?

[00:29:15.710] - Miriam Zeleke

Ja, ich glaube, dass viele Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen konkret arbeiten, immer wieder auch die Erfahrung machen, dass das besonders ergiebig ist. Also es ist ja toll, wenn man sich irgendwie ein tolles Angebot für Kinder und Jugendliche überlegt, aber keiner kommt hin, weil es halt einfach nicht cool ist. Um das mal so ganz konkret runterzubrechen. Aber wünschenswert wäre tatsächlich, dass im Grunde alle verstehen, dass sie, auch wenn sie nicht mit Kindern konkret zu tun haben und eigentlich der Meinung sind, sie sind weit weg, für sich klar kriegen, dass sie durchaus mit Kindern zu tun haben und dass niemandes Leben kinderlos ist. Dass man auf der Straße Verantwortung trägt, wenn dann ein weinender 6-Jähriger an einem vorbeiläuft. Genauso wie aber auch bei allen politischen Entscheidungen das Auswirkungen hat auf Kinderleben und dass auch Wirtschaftspolitik Kinderrechte/Familienpolitik sein muss oder Kinderrechtspolitik. So, das wäre total wünschenswert. 

Dafür könnte man auch auf der Normebene durchaus auch noch Akzente setzen. Wir debattieren ja auch über Kinderrecht im Grundgesetz. Ich finde, diese Herabsenkung des Wahlalters wird dann häufig als das eine Instrument diskutiert, das dann irgendwie scheinbar alle Probleme lösen sollte. Das tut es nicht. Das ist ein Mosaikstein und ein Puzzleteil von vielen. Ich würde mir wünschen, dass dieser Aspekt Kindeswohlvorrang bzw. „Best Interest of the Child“ viel mehr politischer Entscheidungsrahmen wird, weil ich auch nur glaube, dass so Demokratie sich selbst legitimiert. Also nicht, indem sie beschränkt wird, nicht indem bereits vorhandene Rechte wieder zurückgeschraubt werden, sondern indem sie sich ausweitet und an der Stelle auf Kinder und Jugendliche ausweitet. Ich glaube, dass viele junge Menschen gerade das Gefühl haben, und das sagen ja auch viele Studien, dass sie abgehängt sind, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden, dass sie auch - Corona hat ja einen Teil dazu geleistet, dass sie sich ein Stück weit vereinsamt gefühlt haben. Und das ist das Beste, was man tun kann, wenn man Extremisten zuspielen möchte. So, und wenn man das ändern möchte, dann muss man gelingendes Aufwachsen priorisieren. Da muss man dafür sorgen, dass Kinder in einem Kontext aufwachsen, in dem sie gesehen und wertgeschätzt sich fühlen, indem sie merken, es gibt Herausforderungen, aber ich kann die meistern. Und wenn ich merke, ich schaffe es nicht mehr, dann gibt es Erwachsene, die ich fragen kann. Also dass wir Kinderrecht oder gelingendes Aufwachsen krisensicher gestalten und checken, dass andere extremistische Kräfte, autoritäre Staaten, wer auch immer, das schon längst verstanden haben und Kinder und Jugendliche schon lange indoktrinieren und für sich vereinnahmen.

[00:31:52.280] - Nadia Kailouli

Weil sie Angebote schaffen.

[00:31:53.860] - Miriam Zeleke

Weil sie Angebote schaffen. Weil sie...

[00:31:55.360] - Nadia Kailouli

Teilhabe schaffen.

[00:31:58.170] - Miriam Zeleke

Genau, weil sie ihnen auch das Gefühl vermitteln, dadurch dass sie Verantwortung bekommen, dass sie schon mitgestalten. So, und die, die investieren einfach nicht nur für eine Legislaturperiode, sondern die investieren langfristig, weil die wollen was aufbauen und die wollen Zugriffsmöglichkeiten für sich gestalten. Und es wäre einfach super schlau, wir würden das verstehen und eben gucken, wie wir jungen Menschen ein gelingendes Aufwachsen ermöglichen.

[00:32:26.030] - Nadia Kailouli

Was wären denn da so die zentralen Stellen? Was ist gelingendes Aufwachsen? Was wäre toll für Kinder und Jugendliche, dass sie diese Räume hätten oder Möglichkeiten hätten?

[00:32:35.450] - Miriam Zeleke

Also sind ja ganz viele Fragestellungen drin. Also was ist ein gelingendes Aufwachsen? Was ist eine gute Kindheit? So, aber auch was ist denn ein Raum? Ist ein Raum die Schule oder ist ein Raum die Zeit? So, und das lässt sich natürlich immer nicht trennscharf voneinander irgendwie erläutern. Da kannst du zehn Leute, Sozialwissenschaftler fragen, die würden auch was Unterschiedliches erklären. Ich glaube, dass wichtig wäre zu verstehen, dass für junge Menschen stärker das Gefühl präsent werden muss, dass sie in den Räumen, in denen sie sich aufhalten, und das sei es die Schule, der Sozialraum, die Familie, vorkommen. Dass es da für sie Entsprechung gibt, dass es Jugendtreffs gibt, dass der Bus regelmäßig kommt, aber auch, dass wenn sie mittwochnachmittags in die Kommunalverwaltung marschieren und sagen, sie hätten gern beim Bürgermeister einen Termin, dass dann nicht die Empfangsdame über sie lacht und sagt: Ja, ja, da könnt ihr mal ne Mail schreiben. Also das Gefühl, dass es verantwortungsvolle Erwachsene um sie herum gibt, denen es durchaus ein Anliegen ist, wie es ihnen geht. Um es mal so ganz schwammig zu formulieren.

[00:33:39.110] - Nadia Kailouli

Und dass man Angebot hat. Ich denke mir auch immer so, krass, was macht man denn heutzutage als Jugendliche oder Jugendlicher? Wenn ich überlege, ich war beim Volleyball, da musste ich hin, dann gab es den Turnverein, da musste ich hin und so. Gut, ich bin in einer Welt aufgewachsen ohne digitale Geräte zu Hause. Klar, es gab den Computer, aber da hat man halt, habe ich halt irgendwie keine Ahnung, Super Mario damals heimlich am Computer meines Bruders mal gespielt und das war's dann auch. Aber ich denke mir manchmal auch so, puh, was macht ihr eigentlich den ganzen Tag nach der Schule? Wo entsteht soziale Kompetenz? Und wenn natürlich gerade in dörflichen Regionen immer mehr abgebaut wird, weil es kein Geld gibt, keine Strukturen gibt und so, dann fehlen halt diese Räume, wo man sich trifft.

[00:34:19.690] - Miriam Zeleke

Ja, und ich glaube, dass es ganz oft aber auch die nicht gestalteten Räume sind. Also Kinder und Jugendliche halten sich einen Großteil ihres Tages in der Kita oder der Schule auf und manchmal sind sie dann noch hinterher im Verein. Und was ich aber glaube, was es viel mehr braucht, ist diese Räume ohne Erwachsenenzugriff. Also ohne dass man sich überlegt hat, was muss da passieren. So, und die Angebote gibt es immer weniger. Also junge Menschen halten sich auch immer weniger draußen auf. Also einfach mal so irgendwo chillen, weil es natürlich auch immer so die Vorstellung gibt von einer möglichen Gefahr, die entsteht. Also vorhin waren wir bei den Schulwegen. Aber auch am Nachmittag haben die ja wenig Möglichkeiten. Auch auf dem Land hängen die nicht mehr draußen irgendwo in der Form ab, weil mögliche Gefahren drohen. Aber mit Sicherheit spielt auch dieses Nutzen von digitalen Endgeräten eine Rolle. Und mit Sicherheit brauchst du da auch mit Eltern gemeinsam Absprachen und Regelungen darüber, was man wie viel nutzen darf und was eigentlich für die eigene Psyche gesund ist und was nicht.

[00:35:22.650] - Nadia Kailouli

Ja, die Alternative muss halt attraktiv genug sein. Und wenn die Alternative ist zu sagen, na ja, wir haben doch einen Park vor der Tür, triff dich doch da mit deinen Leuten, da aber überall Bierflaschen liegen und es einfach eklig und siffig ist, dann habe ich als junger Mensch auch keinen Bock, mich in einem ekligen, siffigen Park mit Freunden auf eine Wiese zu setzen. Da fängt es ja schon an zu sagen: Hey, wem gehört eigentlich dieser Raum? Aber dann kommen wir jetzt in eine ganz andere Debatte.

[00:35:43.310] - Miriam Zeleke

Aber die Debatte ist ja durchaus auch politisch. Also wem gehört die Stadt und was machen die eigentlich, wenn die chillen? Ja, Yağmur Mengilli, Forscherin, hat zum Chillen geforscht, hat fünf Chilltypen rausgefunden. Hängen ab, hängen, zocken, shoppen, ich weiß nicht was. Und für sie war das nicht nur irgendwie eine Form des Zeitvertreibs, sondern auch eine Art der politischen Teilhabe und der Raumaneignung. Und eben durchaus auch was Produktives, was junge Menschen da machen. So, und so auch mal die Perspektive darauf zu verändern, ist ja auch total spannend. Also wie viel haben wir einfach nur gechillt? Also Sommerferien, da wusste man irgendwann nicht mehr, ist jetzt die dritte oder die vierte Woche und welchen Tag haben wir eigentlich? Und das war ja trotzdem auch auf eine Art produktiv. Und ich will nicht meine Jugend romantisieren, die war durchaus auch mit Risiken verbunden. Aber zumindest mehr dahin zu kommen, jungen Menschen auch ihre, also diese Vermutung in Frage zu stellen, dass das, was junge Menschen machen, unvernünftig, unproduktiv oder nicht verantwortungsvoll oder nicht gemeinschaftsfähig wäre. So, Großteil des Ehrenamtes sind junge Leute. Ja, und die machen schon wahnsinnig viel fürs Gemeinwesen und für die Gemeinschaft.

[00:36:54.780] - Nadia Kailouli

Ja, und dass wir als Gesellschaft einfach auch annehmen oder anerkennen, dass es keine Störer sind. Ja, also wenn im Park eine Gruppe Jugendliche chillt, dann wird das ja oft so auch als Störfaktor so, dann kommt die Boombox. Okay, seitdem Corona haben wir auch die Boombox noch dabei. Gut, kann manchmal ein bisschen nerven, sehe ich ein. Okay, aber das Kind, das irgendwie mit dem Ball spielt, das Kind, das mit dem Fahrrad ein paar Tricks auf der Straße macht, die Gruppe Jugendlicher, die sich halt draußen trifft und abhängen will und dann natürlich nicht in die Kneipe geht, weil es viel zu teuer ist, sondern sich am Kiosk was zu trinken holt und so. Das wird ja auch oft als als Störfaktor gesehen. Weg hier, ihr müsst jetzt hier weg. Das ist ja hier kein, was weiß ich, keine Kneipe. Geht in eine Kneipe, wenn ihr - so, das fällt mir so auf in meinem Umfeld, dass junge Menschen oft auch irgendwie als störende Objekte gesehen werden, wenn die den öffentlichen Raum, den ja alle gehören, so für sich vereinnahmen.

[00:37:46.170] - Miriam Zeleke

Und dabei sind sie eigentlich diejenigen, die am häufigsten im öffentlichen Raum vorkommen, auf dem Weg zur Schule oder auf dem Weg zum Ausbildungsplatz oder was auch immer. Und das ist ja wirklich super schade, weil man könnte ja auch noch mal die Perspektive dahin wenden und sagen, die Jugend selbst ist unsere Ressource. Und es ist nicht nur irgendwie so ein Moratorium, so eine Schutzzeit, so eine Schonzeit, sondern da passiert was Produktives und wir sollten es auch als gesellschaftlichen Mehrwert nutzen, wenn man in so ökonomischen Arithmetiken denken möchte.

[00:38:20.190] - Nadia Kailouli

Absolut. Wir sind gespannt, was sich da auf diesem Weg noch so tut. Ja, und ich glaube, ich werde in Zukunft noch mehr darauf achten, wie denn so der öffentliche Raum zum Beispiel gestaltet ist in Kinder- und Jugendperspektive. Gibt es etwas, wo du heute als Erwachsene, die sich für Kinder- und Jugendrechte einsetzt, aus ihrer Vergangenheit als Kind oder als Jugendliche sagt: Hätte man mich damals gefragt, hätte ich das gerne angebracht, das hätte ich gerne für mich als mein Recht umgesetzt gewusst.

[00:38:47.600] - Miriam Zeleke

Ist voll fies und ich weiß, dass das aus diversen Gründen nicht geht. Aber wahrscheinlich wäre es das Recht auf ein Haustier gewesen.

[00:38:55.070] - Nadia Kailouli

Nett. Ja, okay. Hat man dir nicht das Recht auf ein Haustier gegeben?

[00:39:01.590] - Miriam Zeleke

Ich habe es mir hart erkämpft. Irgendwann gab es den Hund. Aber ja, gut.

[00:39:06.510] - Nadia Kailouli

Ich hätte gerne das Recht gehabt, dass ich auf öffentliche Toiletten gehen kann in Schulen und Grundschulen ohne diese dumme dünne Trennwand. Ich fand das ganz furchtbar. Finde ich heute als Erwachsene immer noch furchtbar. Ich dachte immer, wie kann man denn so einen privaten Raum so unprivat gestalten? Und das hat mich als Kind in der Kita, in der Grundschule immer gestört. Jetzt muss ich hier auf die Toilette und da ist nur so eine dünne Wand.

[00:39:28.310] - Miriam Zeleke

Ja, ich habe ja auch mal als Erzieherin gearbeitet, so am Ende meines Studiums. Wir hatten einen Jungen in meiner Gruppe, der wusste immer so um 10 Uhr gehen die alle raus in den Hof und dann hat er noch mal so ein bisschen auf die Bremse getreten und wir wussten schon immer, okay, der geht dann auf Toilette, wenn alle da draußen sind, weil er halt alleine auf die Toilette gehen wollte.

[00:39:47.420] - Nadia Kailouli

Ja, so das Recht, in Ruhe aufs Klo zu gehen.

[00:39:49.830] - Miriam Zeleke

Auf den Pott zu gehen. Total nachvollziehbar.

[00:39:52.810] - Nadia Kailouli

Total nachvollziehbar. Miriam, Vielen, vielen Dank, dass du heute bei uns bei einbiszwei warst. Danke dir.

[00:39:59.260] - Miriam Zeleke

Danke, hat Spaß gemacht.

[00:40:04.590] - Nadia Kailouli

Ja, super, dass wir mal so Einblicke bekommen haben, wo Kinder- und Jugendrechte wirklich wichtig sind, die mitzudenken und wirklich Kinder und Jugendliche einfach teilhaben zu lassen. Wenn wir Erwachsenen in verschiedenen Gremien, in Ministerien, in was weiß ich überall irgendwie gucken, wie gestalten wir irgendwas, dass man immer den Blick des Kindes und des Jugendlichen da irgendwie mitdenkt und dann im besten Falle auch mit umsetzt. Also sei es vom Spielplatz bis zur Toilette, haben wir ja gehört, alles mit dabei. Also liebe Kinder, liebe Jugendliche, ihr habt Rechte und macht euch stark dafür. 

An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich mal bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt. 

Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun. 

Eine E-Mail könnt ihr einfach schreiben an einbiszwei@ubskm.bund.de.

Mehr Infos zur Folge

Sie ist Deutschlands erste „Landesbeauftragte für Beteiligung und Förderung von Kindern und Jugendlichen“. Das klingt ein wenig sperrig, ist aber für Miriam Zeleke ein echter Traumjob, den sie in Hessen vor zwei Jahren angefangen hat. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich schon im Studium damit beschäftigt, warum Kinderrechte in Deutschland nicht umgesetzt werden, hat ein Kinderrechte-Institut gegründet und sorgt seitdem dafür, dass das, was die Vereinten Nationen vor mehr als 25 Jahren als sogenannte „Kinderrechtskonvention“ beschlossen haben, auch umgesetzt wird. Wenn man sich anschaut, was in dieser Kinderrechtskonvention drinsteht, ist man fast schon erstaunt, dass in Deutschland überhaupt eine Extra-Beauftragte gebraucht wird, denn es geht da um ganz selbstverständliche Dinge wie das Recht auf Gleichbehandlung, das Recht auf Leben und persönliche Entwicklung, das Recht auf Kindeswohl und das Recht auf Beteiligung und Meinungsfreiheit. Damit sollte es hier eigentlich keine Probleme geben, könnte man meinen – aber die gibt es eben doch. Wie Miriam Zeleke dafür sorgt, dass Kinderrechte – zumindest in Hessen – auch wirklich gelten, erzählt sie bei einbiszwei.

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Folge: Kinderrechts-Expertin Miriam Zeleke: „Kein Leben ist kinderlos.”

Hessischer Landtag, Kinderrechte im Fokus
Interview mit Miriam Zeleke

Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
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Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch 

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(Nicht besetzt an bundesweiten Feiertagen und am 24. und 31. Dezember.)

Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch
 

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einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Webanalyse / Datenerfassung