Gruppenbild der Teilnehmenden am Aktionstag "Schieb deine Verantwortun nicht weg!" in der Stadtbibliothek München
Aktuelles | 27.02.2026

„SCHIEB DEINE VERANTWORTUNG NICHT WEG!“ – AKTIONSTAG IN MÜNCHEN SETZT ZEICHEN FÜR KINDERSCHUTZ

Beim Aktionstag in der Stadtbibliothek im Motorama ist sich das Podium einig: Kinderschutz ist Daueraufgabe – kein Projekt. Kerstin Claus fordert verlässliche kommunale Strukturen statt befristeter Förderung.

München/Berlin, 27.02.2026. Unter dem Motto „Schieb deine Verantwortung nicht weg!" veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft „Münchner Fachstellen Prävention und Hilfen für Kinder bei sexueller Gewalt" gestern in der Stadtbibliothek im Motorama einen Aktionstag für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt. Die Mitgliedseinrichtungen – darunter AMYNA, die IMMA-Beratungsstelle, das Stadtjugendamt, KIBS, das KinderschutzZentrum sowie Wildwasser München – informierten an Ständen über ihre Arbeit und die bundesweite Kampagne „Nicht wegschieben". Die Kampagne wird seit fünf Jahren durch die UBSKM gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium umgesetzt.

Bundesmissbrauchsbeauftragte Kerstin Claus nahm als Rednerin teil und dankte der Arbeitsgemeinschaft und der Stadtbibliothek München ausdrücklich für die Kooperation: „Dass eine kommunale Einrichtung wie diese Bibliothek ihre Türen für ein Thema öffnet, das viele lieber meiden, ist alles andere als selbstverständlich. Es braucht öffentliche Räume, die ihre Verantwortung beim Thema sexuelle Gewalt nicht wegschieben – und es braucht die Expertinnen und Experten, die diesen Raum füllen." Das Motto der „Nicht wegschieben“-Kampagne entfalte seine Wirkung genau dort, wo Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen zusammenkommen – in Kitas, Schulen, Sportvereinen und eben auch in der Stadtbibliothek.

Für Claus bot der Aktionstag zudem die Gelegenheit, aus Bundesperspektive auf die zentrale Rolle lokaler Fachstellen aufmerksam zu machen. In ihrem Grußwort betonte sie: „Mit dem UBSKM-Gesetz bekennt sich die Politik dazu, dem Schutz vor sexualisierter Gewalt in Deutschland höchste Priorität einzuräumen. Zugleich muss sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche vor Ort geschützt werden". Dies sollten wirksame Strukturen in den Ländern bewirken. Dafür sei eine enge und verlässliche Zusammenarbeit von Bund und Ländern unerlässlich, so Kerstin Claus. Diese Zusammenarbeit erwarte sie nicht nur auf Bundesebene, sondern von allen politischen Verantwortlichen auf sämtlichen Entscheidungsebenen. Nur so könnten Prävention und Intervention unabhängig, qualitätsgesichert und bedarfsgerecht umgesetzt werden.

Im Anschluss an die Grußworte – auch Münchens Bürgermeisterin Verena Dietl, die die Schirmherrschaft für den Aktionstag übernommen hatte, sprach zu den Gästen – diskutierte Kerstin Claus gemeinsam mit Andrea Bergmayr von der Beratungsstelle IMMA, einer Vertreterin der Jugendamtsleitung sowie Yvonne Oeffling, Geschäftsführerin von AMYNA e.V., auf dem Podium. Moderiert wurde die Diskussion von Heidrun Holzer von der Stabsstelle Kinderschutz des Jugendamts München. 

Im Zentrum stand die Frage, wie die differenzierten Angebote von Prävention, Beratung und Intervention dauerhaft gesichert werden können – eine Frage, die in München angesichts der anstehenden Kommunalwahlen und der laufenden Gespräche über die Finanzierung der Soziallandschaft ab 2027 besondere Dringlichkeit hat. Claus betonte, dass spezialisierte Fachstellen keine zeitlich befristeten Projekte sein dürften: „Kinderschutz ist Daueraufgabe – nicht Projektarbeit. Unser heutiges Verständnis von Prävention und Intervention beruht auf über 30 Jahren fachlicher Expertise. Diese Kompetenz darf nicht durch unsichere Finanzierung gefährdet werden. Das gilt für München genauso wie für jede andere Kommune in Deutschland,“ so Claus.  

Die Bundesbeauftragte betonte außerdem, dass Prävention ohne Intervention nicht funktioniere: Wer Schutzräume öffne und Menschen ermutige, hinzuschauen, müsse auch sicherstellen, dass betroffene Kinder und Jugendliche anschließend Zugang zu qualifizierter Beratung fänden – niedrigschwellig und flächendeckend. Dafür brauche es hauptamtliche, vernetzte Strukturen statt punktueller Angebote. 

Nach lebhafter Diskussion zog das Podium ein gemeinsames Fazit: Der Kinderschutz in München steht auf einem starken Fundament – doch dieses Fundament muss verlässlich finanziert bleiben. Eine langfristige, stabile Förderung der spezialisierten Fachstellen sei entscheidend, um die in München bereits erzielten Erfolge zu sichern und das aufgebaute Fachwissen dauerhaft verfügbar zu halten. Ob ein Kind professionelle Unterstützung erhält oder  Jugendliche zu digitaler Gewalt sensibilisiert werden, dürfe kein Zufall sein – die kommunale Zusage  für ein sicheres Aufwachsen und wirksamer Hilfe bei sexualisierter Gewalt müsse sich in konkreten Entscheidungen und verlässlichen Strukturen niederschlagen, nicht in befristeten Projekten.

Die Kampagne „Schieb deine Verantwortung nicht weg!" richtet sich an alle Erwachsenen im Umfeld von Kindern und Jugendlichen. Sie will dazu ermutigen, genauer hinzuschauen, hinzuhören und nachzufragen, wenn Kinder Verhaltensänderungen zeigen oder Belastungszeichen aufweisen. Mehr Informationen sowie Materialien – darunter ein Messenger-Kurs mit sieben konkreten Tipps – sind unter https://nicht-wegschieben.de/ abrufbar.

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