Berlin, 16.03.2026. Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, hat ihre Ländertour in Rheinland-Pfalz gestartet. Drei Tage lang gewann sie Einblicke an Orten, an denen Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihres Alltags verbringen – in der Schule, im Sportverein und im digitalen Raum.
Würdigung der strukturellen Schritte von Rheinland-Pfalz im Kinder- und Jugendschutz
„Rheinland-Pfalz zeigt, wie es geht: Mit dem Landesgesetz zur Einrichtung einer unabhängigen Landesbeauftragtenstelle gegen sexualisierte Gewalt, dem ‚Pakt gegen sexualisierte Gewalt‘ und der Neuberufung des Landesbetroffenenrats setzt das Land wichtige Zeichen. Hier werden Strukturen geschaffen, die Kinder und Jugendliche wirksam schützen – das ist genau der Weg, den wir brauchen“, erklärte die Bundesmissbrauchsbeauftragte.
Austausch, Vernetzung und konkrete Praxisbeispiele
Zum Auftakt besuchte Kerstin Claus das Gutenberg-Gymnasium in Mainz. Die Schule baut derzeit ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt auf. Dies geschieht in einem partizipativen Prozess gestaltet, an dem sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte engagiert beteiligt sind. Tibor (18) einer der Schüler, den Kerstin Claus an der Schule traf sagte, er findet es „total wichtig“, dass sie das Schutzkonzept gemeinsam entwickeln. Mitschüler Fabian (18) betonte, dass „viele von Zuhause keine Gesprächskultur kennen“ und es wichtig sei, „dass sie wissen, hier sind Leute, wo sie sich hinwenden können“ sollten sexuellen Übergriffe geschehen. Der Besuch verdeutlichte die Bedeutung gemeinsamer Haltungen und klarer Verhaltensregeln für einen wirksamen Schutz im Schulalltag.
Bei einem Treffen mit der rheinland-pfälzischen Familienministerin Katharina Binz standen die aktuellen landespolitischen Schwerpunkte im Kinder- und Jugendschutz im Mittelpunkt. „Der enge Dialog mit der Bundesebene und mit Betroffenen stärkt unsere Arbeit. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Schutz vor sexualisierter Gewalt konsequent weiterentwickeln und Betroffenen verlässlich zur Seite stehen“, betonte Familienministerin Katharina Binz.
Auch der Austausch mit dem neu konstituierten Landesbetroffenenrat war Teil des Programms. Die Mitglieder brachten ihre Perspektiven ein und benannten zentrale Erfahrungen und Anliegen, die aus ihrer Sicht in die Weiterentwicklung von Schutz- und Unterstützungsangeboten einfließen sollten.
Engagement im Sportverein
Ein weiteres Beispiel für Prävention vor Ort bot der Besuch des Turnvereins in Mainz-Mombach. Der Verein kommuniziert sein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt öffentlich und macht es unter anderem über soziale Medien sichtbar. „Ich finde es bemerkenswert, dass der Verein beispielsweise über Instagram so offensiv auf das Thema sexualisierte Gewalt aufmerksam macht und sein Schutzkonzept als Qualitätsmerkmal eines verantwortungsvollen Sportvereins herausstellt“, sagte Kerstin Claus. Auch die Kinderschutzbeauftragte des Vereins, Manuela Preis, betonte die Bedeutung von Unterstützung für Vereine: „Man kann die Vereine mit diesem Thema nicht allein lassen. Unterstützung, Ansprechpartner und Schulungen sind sehr wichtig – so wie wir sie bei uns durch den Landessportbund erhalten haben.“
Risiken für Kinder und Jugendliche im Netz
Bei einem Austausch mit jugendschutz.net standen die Risiken im digitalen Raum für Kinder und Jugendliche im Fokus. Sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige nimmt im Internet immer stärker zu – etwa durch Cybergrooming, sexuelle Belästigung in sozialen Netzwerken oder die Verbreitung von Darstellungen sexuellen Missbrauchs. Digitale Technologien erleichtern Täter*innen die Kontaktaufnahme, Manipulation und Verbreitung entsprechender Inhalte. „Unsere Recherchen zeigen immer wieder, dass viele Plattformen noch nicht genügend Maßnahmen ergreifen, um Kinder und Jugendliche effektiv zu schützen“, erklärt jugendschutz.net.
Unabhängige Aufarbeitungskommission Trier und Kinderschutzbund in Trier
Am letzten Tag der dreitägigen Ländertour durch Rheinland-Pfalz stand ein Austausch mit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission für das Bistum Trier (UAK) auf dem Programm. Im Fokus stand hier die Idee einer Meta-Studie, die die Berichte aller unabhängigen Aufarbeitungskommissionen in Deutschland bündeln könnte. Ziel wäre es, Erkenntnisse zusammenzuführen und daraus weitere Lehren für Prävention und Aufarbeitung abzuleiten.
Abschließend beim Besuch des Kinderschutzbundes Trier wurde deutlich, wie viel wertvolle Arbeit von Ehrenamtlichen geleistet wird. Der Vorschlag der Mitarbeitenden dort in Deutschland flächendeckend verpflichtend mit allen Viertklässlern einen Aktionstag zum Schutz vor sexueller Gewalt zu machen, begrüßte Kerstin Claus als „sehr überlegenswert“. Denn: Prävention ist entscheidend für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen.
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