Bildercollage aus Begegnungen der UBSKM auf ihrer Ländertour in NRW mit engagierten Menschen
Aktuelles | 24.04.2026

Claus auf Ländertour in NRW: „Das Engagement in NRW ist beeindruckend“

Unter dem Motto „Kinderschutz geschieht vor Ort!“ besuchte die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, auf der zweiten Station ihrer Ländertour vom 21.-23.04.2026 das Land Nordrhein-Westfalen.

Berlin, 24.04.2026. Im Mittelpunkt stand neben politischen Gesprächsterminen mit Familienministerin Verena Schäffer, Justizminister Dr. Benjamin Limbach,  der Landesbeauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte Petra Ladenburger und Christina Schulze Föcking (MdL)  der Austausch mit der Fachpraxis: Die Bundesbeauftragte besuchte ein Mädchenhaus, die Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW, das LVR-Landesjugendamt Rheinland, ein kommunales Dezernat für Schule, Jugend und Soziales sowie eine Berufsschule. Auch der Austausch mit Betroffenen stand auf dem Programm. Ziel der Ländertour ist es, den Dialog mit den Bundesländern zu intensivieren, gute Praxis sichtbar zu machen, gemeinsam Lücken beim Schutz von Kindern und Jugendlichen – auch in der digitalen Welt – zu identifizieren und Hilfe- und Unterstützungsangebote für Betroffene zu verbessern.

Unabhängige Bundesbeauftragte Kerstin Claus: „Es beeindruckt mich, mit welchem Engagement und welcher Zielstrebigkeit Politik und Fachpraxis in NRW den Kinderschutz in den vergangenen Jahren gestärkt haben. In den Gesprächen und Austauschformaten, die zum Teil auch von der Landesbeauftragten Petra Ladenburger begleitet wurden, wurde deutlich, wie sehr das Land NRW mit dem beschlossenen Landeskinderschutzgesetz und dem Amt der Landesbeauftragten spürbare Konsequenzen aus Fällen wie Lügde oder Bergisch Gladbach gezogen hat. Viele Stellen und Netzwerkstrukturen wurden seither neu geschaffen oder weiterentwickelt. Davon profitiert die Arbeit vor Ort enorm. Denn Kinderschutz braucht diese starken Strukturen, finanzielle und personelle Ressourcen und das Engagement von uns allen.“

Austausch mit Fachpraxis

Zum Auftakt der Ländertour NRW besuchte Kerstin Claus gemeinsam mit Familienministerin Verena Schäffer und der Landesbeauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte Petra Ladenburger das Mädchenhaus von ProMädchen in Düsseldorf, die Mädchen und jungen Frauen nach sexualisierten Gewalterfahrungen wie sexuellem Missbrauch, Menschenhandel oder Prostitution eine Zuflucht bietet. Kinder- und Jugendministerin Verena Schäffer betonte: „Wir dürfen nicht nachlassen, um präventiv alle Kinder und Jugendlichen besser vor Gewalt zu schützen. Es war deshalb ein wichtiger Schritt, in Nordrhein-Westfalen eine Landesbeauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte einzusetzen. Ich begrüße den engen Austausch mit Kerstin Claus und Petra Ladenburger zu diesen wichtigen Themen sehr.”

Im Mittelpunkt des Austauschs bei der Landesfachstelle Prävention sexualisierte Gewalt NRW in Köln stand die Frage, was gelingende Prävention braucht und wie regionale, landes- und bundesweite Angebote sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren können. Der Besuch bot Gelegenheit, gemeinsam auf die Kinderschutzstrukturen in NRW zu blicken, zum Beispiel auch auf neue Fortbildungsangebote wie die der „Schutzkonzepte-Berater:innen“, die über zusätzliche Landesmittel gefördert werden.  
Claus: „Für mich wurde durch den Besuch noch einmal sehr anschaulich, wie wirksamer Kinderschutz gelingen kann: Über die Bündelung und Weitergabe von Wissen, eine flächendeckende Qualitätsentwicklung und die Vernetzung bereits existierender, landesweiter Angebote. Auch Schulungen mit dem Fokus auf Intervention wurden ausgebaut, um Handlungskompetenz in diesen komplexen Situationen sicherzustellen. Genau diese Breite und gleichzeitige Praxisnähe schaffen die notwendige Orientierung und Transparenz. In Zeiten, in denen Kinderschutz zunehmend von ideologisch motivierten, fachfremden Akteur:innen instrumentalisiert wird, braucht es eine differenzierte, fachlich fundierte Praxis, die schützt, ohne zu vereinfachen oder Risiken einseitig zu verzerren.“ 
Ein weiterer Gesprächsfokus lag auf den Gefahren der digitalen sexualisierten Gewalt. Die Geschäftsführerin der AJS NRW, Britta Schülke, betonte, dass Teilhabe nur mit Schutz gehe. Das Netz sei ein grenzenloser Raum geworden. Für viele gelte das mittlerweile auch im analogen Raum. Kinder und Jugendliche hätten aber ein Recht auf Grenzen, „nur gemeinsam können wir Kinderrechte konstant stärken und ihnen den Raum geben, der ihnen gebührt.“
Die Landesbeauftragte Petra Ladenburger bekräftigte, wie wichtig die Arbeit der seit 2020 bestehenden Landesfachstelle sei, sie stärke nicht nur die bestehenden Strukturen und bündele Wissen, sondern biete auch wertvolle Unterstützung in der Qualitätsentwicklung und Vernetzung: „Es gibt sehr viel Expertise in Nordrhein-Westfalen, jedoch noch nicht flächendeckend. Deswegen kommt den fünf Regionalstellen eine besondere Bedeutung zu. Sie sind wichtige Ansprechstellen für Fachkräfte und freie Träger vor Ort in den fünf Regierungsbezirken Arnsberg, Detmold, Düsseldorf, Köln und Münster und helfen bei der Prävention, Fortbildung und Vernetzung.“

Beim Besuch des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) in Köln stand der Austausch mit Fachkräften des Landesjugendamtes Rheinland im Zentrum. Das LVR-Landesjugendamt hat in den letzten Jahren seine Unterstützung für Jugendämter und freie Träger zur Stärkung des präventiven und intervenierenden Kinderschutzes deutlich ausgeweitet. Dazu gehören insbesondere spezialisierte Angebote zur Prävention, Intervention und Nachsorge bei sexualisierter Gewalt. Im Gespräch standen zudem auch Weiterentwicklungsbedarfe im Fokus, die über die vom Land finanzierten, in jedem Jugendamt neu eingeführten Netzwerk-Koordinationsstellen geschlossen werden sollen. Die Landesjugendämter in NRW erfassen zudem eigeninitiativ statistisch alle Meldungen zu möglichen Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen aus Kitas und werten diese nach Kategorien wie „sexuelle Gewalt“ aus. 
Sandra Clauß, LVR-Fachbereichsleiterin Kinder und Familien, plädierte für bundesweite einheitliche Vorgaben: „Die gesetzliche verankerte Verpflichtung zur Erstellung von Kinderschutzkonzepten ist ein wichtiger Baustein für wirksamen Kindesschutz. Die Konzepte müssen besondere Risikolagen berücksichtigen: Alter, Entwicklungsstand, fehlende oder eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit, Teilhabebeeinträchtigungen und das Risiko von Diskriminierung sind Faktoren, die sich wechselseitig verstärken. Umso wichtiger ist es, dass Fachkräfte in stabilen Teams arbeiten und sich regelmäßig fortbilden. Fachkräftemangel und Personalfluktuation erschweren den Kindesschutz – deshalb sind Maßnahmen zur Fachkräftesicherung immer auch Investitionen in den Schutz von Kindern.“

Schule als Kompetenz- und Schutzort

Um das Thema Schutz vor sexualisierter Gewalt in Sozialräumen sowie in Schulen generell ging es in den Gesprächen mit der Beigeordneten für Schule, Soziales und Jugend der Stadt Bonn, Azra Zürn sowie beim Besuch der Kaufmännischen Schulen in Rheine und dem dortigen „Projekt gegen Kindesmissbrauch“:

Die Schüler:innen der Kaufmännischen Schulen Rheine haben freiwillig den Projektkurs gegen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution bei ihrem Lehrer Dietrich Tebbe gewählt und ihre Ergebnisse Kerstin Claus vor Ort vorgestellt: Eine große Ausstellung mit Plakaten, um andere aufzuklären. Themen sind u. a. der Missbrauchsfall Münster, die Epstein Files, Cybergrooming, Loverboys oder Sextortion. Claus: „Der Besuch hat deutlich gemacht, wie für den Kinderschutz engagierte Schulen einen Unterschied bei der Prävention von sexueller Gewalt machen können. Es ist elementar wichtig, dass junge Menschen sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Indem wir alle kompetenter werden und über Missbrauch sprechen, verhindern wir, dass Täterstrategien greifen können.“

Austausch mit Betroffenen

Am letzten Tag der dreitägigen Ländertour durch NRW hat sich Kerstin Claus gemeinsam mit der Landesbeauftragten für Kinderschutz und Kinderrechte mit Vertretungen der Betroffenenbeiräte der Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen der katholischen Bistümer in Essen getroffen. Im Rahmen einer stärkeren landesweiten Vernetzung der Gremien geht es auch um einheitlichen Wissenstransfer. Im Fokus standen daher Fragen an die Missbrauchsbeauftragte Claus u. a. zu den Themen Fonds Sexueller Missbrauch, Unfallversicherung, Schmerzensgeldforderungen bei den Zivilgerichten sowie Leistungen für ehemalige Heimkinder.

Bildercollage aus Begegnungen der UBSKM auf ihrer Ländertour in NRW mit engagierten Menschen

Nächste Stationen der Ländertour

Nach Rheinland-Pfalz im März und Nordrhein-Westfalen im April sollen Baden-Württemberg im Juli und Thüringen im August sowie weitere Länder in 2026/2027 folgen.  
Ein besonderes Anliegen der Bundesbeauftragten ist es, auf den Länderreisen dafür zu sensibilisieren, dass gesetzlich verankerte Strukturen für Landesmissbrauchs- oder Kinderschutzbeauftragte sowie Landesbetroffenenräte wichtig sind. 
Die Bundesbeauftragte wird bei ihren Besuchen in den Ländern auch für eine Unterstützung der jeweiligen Kultusministerien bei der für 2026 erstmals geplanten bundesweiten Befragung von 9. Klassen zur Prävalenz sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend werben (www.zefsg.de). Die Dunkelfeldstudie soll ab 2026 regelmäßig durchgeführt werden, die Ergebnisse sollen u. a. in den Bericht der Bundesbeauftragten an das Parlament einfließen, damit Politik evidenzbasiert handeln und entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.  

Hintergrund

In 2026 gibt es fünf Landtagswahlen – eine Chance, den Kinder- und Jugendschutz in der Landespolitik nachhaltig zu verankern. Gleichzeitig sieht das im Juli 2025 in Kraft getretene „Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ vor, dass die Bundesbeauftragte dem Parlament regelmäßig einen Bericht vorlegt, auch zur Situation in den Ländern. Hierfür sind der Austausch und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ländern eine wichtige Grundlage. Oberste Priorität der Arbeit der Bundesbeauftragten ist es: Den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt flächendeckend zu stärken. Ein erster Bericht soll im Herbst 2026 dem Parlament übergeben werden.

Weitere Informationen


Besuch in Düsseldorf

Besuch Mädchenhaus mit Familienministerin Schäffer und Landesbeauftragter Ladenburger:

www.mkjfgfi.nrw  
www.instagram.com

Austausch mit MdL Schulze Föcking:

www.instagram.com

Besuch in Köln

Landesfachstelle Prävention NRW:  

psg.nrw 
www.linkedin.com  
www.instagram.com

LVR Rheinland:

www.lvr.de 
www.instagram.com

Besuch in Bonn

Beigeordnete für Schule, Soziales und Jugend:

www.linkedin.com

Besuch in Rheine

Kaufmännische Schulen Rheine:

kfmschulen.de 
www.radiorst.de

Besuch in Essen

Austausch mit Vertretungen der Betroffenenbeiräte der Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen der katholischen Bistümer:

www.bistum-essen.de

Praktikumsplätze

Wir bieten regelmäßig Praktikumsplätze im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit/Social Media an.



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