Aktuelles | 07.05.2026

Fachtag „Aktuelle Herausforderungen in der Arbeit gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend“

Missbrauchsbeauftragte Claus: „Das Hilfesystem für Betroffene sexualisierter Gewalt ist heute sichtbarer und fachlich stärker verankert als je zuvor. Gerade deshalb müssen wir die erreichten Fortschritte sichern, Fachberatung strukturell stärken und Betroffenenrechte konsequent weiter ausbauen.“

Berlin, 07.05.2026. Wie kann die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wirksam bleiben und weiter gestärkt werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich der heutige Fachtag, zu dem die Bundeskoordinierung Spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend (BKFS) in das Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Berlin eingeladen hatte. Vertreter:innen aus Fachpraxis, Wissenschaft, Politik und Betroffeneninitiativen nutzten die Veranstaltung für einen intensiven Austausch über aktuelle Herausforderungen und zukünftige Handlungsbedarfe im Hilfesystem.

Zum Auftakt gaben die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, sowie Vertreter:innen von Fachberatungsstellen und Betroffenenrat bei der UBSKM „Schlaglichter“ auf die Entwicklung der vergangenen Jahre – darunter Anne Voss und Dorothea Zimmermann von Wildwasser Berlin, Stefan Port vom Kinderschutz München (KIBS), Clemens Fobian von basis‑praeventbasis & woge e.V., Dolly Tembaak (Violetta Dannenberg) sowie Alex Stern vom Betroffenenrat bei der Bundesbeauftragten.

In ihrem Beitrag würdigte Claus die Rolle der Fachberatungsstellen und ordnete die Fortschritte sowie bestehenden Herausforderungen ein: „In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt grundlegend verändert. Spezialisierte Fachberatungsstellen sind heute ein zentraler und anerkannter Bestandteil des Hilfesystems. Sie leisten qualifizierte Unterstützung für Betroffene, treiben Prävention voran und wirken an fachlichen Standards sowie politischen und rechtlichen Entwicklungen mit. Diese Fortschritte sind Ergebnis kontinuierlicher fachlicher und politischer Arbeit – häufig unter begrenzten Ressourcen und getragen von großem Engagement.“ Zugleich betonte sie, dass diese Errungenschaften nicht selbstverständlich seien: „Viele Fortschritte sind strukturell noch nicht ausreichend abgesichert. Es bleibt unsere gemeinsame Aufgabe, die Fachberatung nachhaltig zu stärken und Betroffenenrechte weiter auszubauen.“

Im weiteren Verlauf des Fachtags wurde deutlich, dass aktuelle gesellschaftliche Debatten die zentralen Grundlagen der Präventions- und Beratungsarbeit zunehmend infrage stellen. Dazu zählen die Stärkung von Kinderrechten sowie die Akzeptanz vielfältiger sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten. Besonders eine fachlich fundierte Sexualpädagogik sei derzeit Angriffen ausgesetzt, was erhebliche Auswirkungen auf den Kinderschutz haben kann. 

In vertiefenden Fachrunden wurden zentrale Herausforderungen der Arbeit gegen sexualisierte Gewalt weiter ausdifferenziert. Dabei zeigte sich, wie das Wiederaufleben tradierter Rollenbilder, antidemokratische und rechtsextreme Einflüsse sowie die Umsetzung von Kinderrechten in familiengerichtlichen Verfahren die Arbeit prägen. Die Diskussionen verdeutlichten, dass die Facharbeit weiterhin in gesellschaftliche Spannungsfelder eingebettet ist und eine klare fachliche Positionierung erfordert.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörterten zudem Bundestagsabgeordnete verschiedener Fraktionen, welche politischen Entwicklungen die Arbeit gegen sexualisierte Gewalt derzeit gefährden und welche Schritte notwendig sind, um erreichte Standards zu sichern und weiter auszubauen. Insgesamt bestätigte der Fachtag, dass die bisherigen Fortschritte nicht selbstverständlich sind und aktiv gesichert sowie weiterentwickelt werden müssen. „Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass Veränderung möglich ist – auch unter schwierigen Bedingungen“, so Claus. „Gleichzeitig erleben wir immer wieder Gegenbewegungen. Entscheidend ist, dass wir uns davon nicht spalten lassen, sondern gemeinsam für eine starke, fachlich fundierte und solidarische Praxis eintreten.“

Praktikumsplätze

Wir bieten regelmäßig Praktikumsplätze im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit/Social Media an.



Weitere Informationen: Zu den Stellenangeboten

Angebote und Projekte des UBSKM

Webanalyse / Datenerfassung