BERLIN – Im Hotel Adlon Kempinski tagt heute der Runde Tisch Kinderschutz unter dem Leitthema „Prävention und Intervention bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – gesellschaftliche und ökonomische Folgen, Chancen und intersektorale Entwicklungsziele". Die Veranstaltung der World Childhood Foundation Deutschland (WCFD) in Kooperation mit der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM) findet im Beisein Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden, Gründerin der WCFD, statt; Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten, unterstützt die Initiative und nimmt teil.
Ihre Majestät betont in ihren Grußworten: „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, nachhaltig und langfristig ein stabiles Fundament zu schaffen. Denn wir schulden Kindern nicht nur Mitgefühl, sondern wirksames, verantwortungsvolles Handeln – nicht auf ihre Kosten, sondern zu ihren Gunsten."
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist eine Querschnittsaufgabe: Sie betrifft Gesundheit, Jugendhilfe, Justiz, innere Sicherheit, Bildung und viele weitere gesellschaftliche und ökonomische Strukturen – direkt oder indirekt. Diese intersektorale Perspektive prägt den Runden Tisch: In sechs parallel arbeitenden Fachforen identifizieren die Teilnehmenden zentrale, systemübergreifend wirksame Prioritäten. Die Ergebnisse werden anschließend im moderierten Runden Tisch zusammengeführt und in einem gemeinsamen Handlungspapier gebündelt.
Dr. Astrid Helling-Bakki, Vorständin der WCFD, fasst den fachlichen Ausgangspunkt zusammen: „Kinderschutz scheitert nicht an fehlendem Wissen – sondern daran, dass Wissen zu Prävention und Intervention nicht verbindlich umgesetzt wird und entsprechende Kompetenzen nicht systematisch gesichert sind."
Im Beisein der Forumsrepräsent:innen überreicht die Stiftung das Handlungspapier symbolisch an Staatssekretärin Dr. Petra Bahr, die in Vertretung der Bundesregierung teilnimmt. Das Papier ist Grundlage eines mehrstufigen, ressort- und sektorübergreifenden Folgeprozesses.
Kerstin Claus unterstreicht die Notwendigkeit der Vernetzung aller beteiligten Professionen und Strukturen: „Wir müssen dafür sorgen, dass Schutz, Früherkennung und gute Hilfen verlässlich ineinandergreifen und Kinder und Jugendliche nicht auf dem Weg durch die Systeme verloren gehen. Es ist wichtig, dass wir Kinder und Jugendliche konsequent in den Mittelpunkt stellen – in der Gesundheit, in der Jugendhilfe, im Rechtssystem und in der Bildung. Politik steht hier in der Verantwortung." Bisher allerdings fehlten hierfür verlässliche Daten zu den Folgen und Kosten von Missbrauch; eine umfassende Folgestudie sei deshalb dringend erforderlich. Diese lege „Zuständigkeitslücken und ineffiziente Strukturen offen und stellt klar, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt und sexuellem Missbrauch langfristig auch ökonomisch geboten ist."
Elke Büdenbender, Ehefrau des Bundespräsidenten und 2024 Gastgeberin des ersten gemeinsamen Runden Tisches Kinderschutz im Schloss Bellevue, ergänzt: „Für mich ist Kinderschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Demokratie bedeutet, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Deshalb ist Kinderschutz auch eine demokratische Aufgabe. Es ist unser aller Pflicht, unsere Kinder vor jeglicher Gewalt zu bewahren und ihnen ein sicheres Aufwachsen zu ermöglichen. Für mich gehören die Kinderrechte daher ins Grundgesetz. Kinder haben eigene Bedürfnisse und brauchen daher eigene Rechte.“ Wichtig sei ihr aber auch ein anderer Umgang mit Betroffenen, so Elke Büdenbender. „Wir müssen ihnen den Zugang zu Therapie, Beratung und Anerkennung des erlittenen Unrechts ermöglichen. Wir müssen aber auch davon wegkommen, sie als Opfer zu stigmatisieren.“
Staatssekretärin Dr. Petra Bahr unterstreicht in Vertretung der Bundesregierung: „Kinderschutz gelingt nur, wenn wir alle zusammenarbeiten. Wenn Prävention wirkt, Hilfen ineinandergreifen und wir Erwachsenen unsere Verantwortung für den Schutz von Kindern gemeinsam tragen. Sehr eindrücklich belegt der heutige Tag, wie wichtig es ist, über die Systemgrenzen von Ermittlungsbehörden, Justiz, Medizin und Kinder- und Jugendhilfe hinaus zusammenzuwirken.“
Folgeprozess: Jugendkonsultation und offizielle Übergabe
Der Runde Tisch ist Auftakt eines länger angelegten Arbeitsprozesses. Eine Jugendkonsultation begleitet das Vorhaben: Junge Repräsentant:innen wurden bereits im Vorfeld einbezogen, verfolgen den Veranstaltungstag, und in den kommenden Wochen werden die formulierten Prioritäten gemeinsam mit ihnen überprüft und geschärft. Das ausgearbeitete Handlungspapier wird in einem nächsten Schritt offiziell an die Bundesregierung übergeben.
Hintergrund
Die World Childhood Foundation wurde 1999 von Ihrer Majestät Königin Silvia von Schweden gegründet. Als Pionierin für systemische Veränderung im Kinderschutz setzt sich die Stiftung weltweit dafür ein, Kinder und Jugendliche wirksam vor (sexueller) Gewalt und Ausbeutung zu schützen und ihre Kinderrechte zu stärken.
Der Runde Tisch Kinderschutz 2026 knüpft an den Round Table 2024 in Schloss Bellevue an und überführt das Format in einen evidenzbasierten Arbeitsmodus. Die sechs Fachforen sind als Diskussions- und Analyseformate angelegt: Identifikation systemischer Herausforderungen, Benennung von Wirkungsverlusten, Priorisierung wirkungsvoller Handlungshebel und Sichtbarmachung intersektoraler Abhängigkeiten. Ziel ist nicht ein umfassender Maßnahmenkatalog, sondern die Verständigung auf wenige, ressortübergreifend tragfähige Prioritäten.
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