Pressemitteilungen | 02.11.2026

Missbrauchsbeauftragte beruft neue Mitglieder der Aufarbeitungskommission des Bundes

Prof. Dr. Karin Böllert, Prof. Dr. Bettina Rulofs und Prof. Dr. Wolfgang Schröer als neue Mitglieder der Unabhängigen Aufarbeitungskommission des Bundes berufen.

Berlin, 02.11.2026. Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, hat drei neue Mitglieder in die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs berufen: Prof. Dr. Karin Böllert, Prof. Dr. Bettina Rulofs und Prof. Dr. Wolfgang Schröer.
Prof. Dr. Bettina Rulofs wird zum 1. November berufen und folgt auf Prof. Dr. Silke Gahleitner. Prof. Dr. Wolfgang Schröer und Prof. Dr. Karin Böllert folgen auf Matthias Katsch und Prof. Dr. Heiner Keupp, die ihre Ehrenämter in der Kommission zum Jahresende niederlegen.

Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen: „Aufarbeitung gelingt nur, wenn Menschen mit Erfahrung und Mut genau hinsehen. Ich freue mich sehr, dass wir drei herausragende Persönlich-keiten aus dem Themenfeld sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche für die ehrenamtliche Arbeit in der Kommission gewinnen konnten. Mit ihnen stellen wir sicher, dass die Unabhängige Aufarbeitungskommission ihre gesellschaftspolitisch wichtige Arbeit weiter erfüllen kann. Den ausscheidenden Mitgliedern danke ich von Herzen. Sie haben Missstände benannt und das Unrecht, das so vielen Betroffenen angetan wurde, anerkannt. Sie haben zugehört wo andere geschwiegen haben. Für Betroffene ist dies von unschätzbarem Wert.“

Prof. Dr. Julia Gebrande, Vorsitzende der Aufarbeitungskommission des Bundes: „Wir freuen uns, dass wir drei ausgewiesene Expert*innen im Bereich der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche für die ehrenamtliche Arbeit in der Kommission gewinnen konnten. Gemeinsam haben die neuen Mitglieder, dass Sie sich seit vielen Jahren in Lehre und Wissenschaft für die Enttabuisierung sexualisierter Gewalt engagieren und für ein Recht der Betroffenen auf Aufarbeitung einsetzen. Wir sind fest entschlossen, systematisch die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs politisch und gesellschaftlich voranzubringen. Nur so kann es gelingen, künftig Kinder und Jugendliche besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen.“

Betroffenenrat bei der UBSKM: „Wir begrüßen die Berufung von Bettina Rulofs, Wolfgang Schröer und Karin Böllert in die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Mitglieder des Betroffenenrates kennen alle drei aus der Zusammenarbeit und schätzen ihre betroffenenorientierten Ansätze. Für alle drei ist die Beteiligung von Betroffenen selbstverständlich und Ausdruck einer ethischen Haltung. Seit Jahren treten sie konsequent für die Perspektiven von Betroffenen und die notwendige Aufarbeitung ein und verbinden eine klare Überzeugung mit fundiertem Wissen über die Herausforderungen, vor denen Menschen nach erlebter sexualisierter Gewalt stehen.“

Die neuen Kommissionsmitglieder

Prof. Dr. Karin Böllert ist Seniorprofessorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Münster und forscht unter anderem zur Kinder- und Jugendhilfe, zu sozialpolitischem Wandel und zur Sozialen Arbeit im Kontext sexualisierter Gewalt. Sie war Vorsitzende der Sachverständigenkommission des 17. Kinder- und Jugendberichtes und von 2012 bis 2025 Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ).

Prof. Dr. Bettina Rulofs ist Professorin am Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln und arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich der sportsoziologischen Diversitäts- und Ungleichheitsforschung sowie zu Gewalt und Diskriminierung im Sport. Sie leitete das internationale, EU-geförderte Aufarbeitungsprojekt VOICE mit Betroffenen sexualisierter Gewalt im Sport, sowie die Fallstudie „Sexualisierte Gewalt und sexueller Kindesmissbrauch im Kontext des Sports“.

Prof. Dr. Wolfgang Schröer ist Professor am Institut für Sozial- und Organisations-pädagogik an der Universität Hildesheim. Er hat unterschiedliche Studien zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt und Medikamentenmissbrauch in der Kinder- und Jugendhilfe sowie den Rechercheratgeber für Akten zu sexualisierter Gewalt miterstellt. Von 2019-2022 war er Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums, das die Bundesregierung berät.

Alle drei Expert*innen haben in den letzten Monaten in der nordrhein-westfälischen Landeskommission zur Entwicklung von Standards zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend mitgearbeitet.

Hintergrund

Die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Kern der Untersuchungen sind vertrauliche Anhörungen von heute erwachsenen Betroffenen, die in ihrer Kindheit sexuellen Missbrauch in der Familie, im sozialen Umfeld, in Institutionen oder in Täternetzwerken erfahren haben. 

Die Kommission ist angesiedelt bei der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Mit dem 2025 verabschiedeten Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen wurde die Arbeit der Kommission verstetigt und auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Das Gesetz sieht vor, dass die Kommission zukünftig verstärkt Institutionen bei ihrer Aufarbeitung beobachtet, begleitet und bewertet und hierzu öffentlich berichtet.

Praktikumsplätze

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