PODCAST | Folge 16 | Nina Fuchs

„Totaler Blackout - zwei Stunden, die mir bis heute komplett fehlen.”

Nina Fuchs musste eine der schlimmsten Erfahrungen machen und kann sich an kaum etwas erinnern. Im April vor 9 Jahren wurden ihr in einem Club unbemerkt K.O.-Tropfen (K.O. = Knockout) verabreicht. Anschließend wurde sie vergewaltigt. Als sie wieder wach wurde, war der Täter direkt über ihr. Ein Verfahren gegen den Täter wurde fallen gelassen, obwohl es Beweise gab. Die Begründung: „Da sich die Geschädigte jedoch an längere zeitliche Abschnitte nicht erinnern kann, kann nicht nachgewiesen werden, dass es sich bei dem Beschuldigten tatsächlich um einen der Täter handelt.“ Bei einbiszwei erzählt Nina, warum sie dennoch nicht aufgegeben hat, sich sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht gekämpft hat und wie sie mit ihrem Verein “K.O. – Kein Opfer e.V.” anderen Betroffenen hilft.


Mehr Infos zur Folge

Nina wurde vor neun Jahren mit KO-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt. Ninas Geschichte ist auch deshalb so schrecklich, weil es damals sogar Leute gegeben hat, die das mitbekommen, aber nicht eingegriffen haben. 

Dabei sind KO-Tropfen schon lange kein schrecklicher Einzelfall mehr. Die Polizei warnt eindringlich davor und Hilfsdienste berichten, dass es kein Festival mehr gibt, bei dem nicht mit K.O. Tropfen betäubte Frauen in das Erste-Hilfe-Zelt gebracht werden. 

Nina wollte sich mit dem, was ihr passiert ist, aber nicht abfinden: Sie kämpfte sich bis vor das Bundesverfassungsgericht – denn, obwohl der Täter ein paar Jahre nach der Vergewaltigung überführt  wurde, wurde das Verfahren eingestellt. Und außerdem hat sie den Verein K. O. – Kein Opfer e. V. gegründet, um anderen Betroffenen zu helfen. Sie kämpft damit auch gegen das Gefühl an, das sie hatte, als sie im April 2013 zur Polizei ging: Das Gefühl, dass ihr nicht geglaubt wurde. 

Unter den Begriff K.O.-Tropfen fallen in Deutschland eine Reihe von Substanzen, die wichtigsten sind GBL und die verwandte Substanz GHB, auch „liquid ecstasy“ genannt. Die rechtliche Situation in Deutschland ist ein wenig paradox: GBL ist als wichtiger Grundstoff für die Chemieindustrie nicht verboten. GHB hingegen ist in Deutschland verboten, es fällt seit 2001 unter das Betäubungsmittelgesetz.

Mehr Informationen und Hilfe-Angebote findet ihr hier:

Nina hat den Verein „K.O.- Kein Opfer e.V.“ gegründet um Betroffenen zu helfen:
https://www.ko-ev.de/

Das Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben: https://www.hilfetelefon.de/ 

Die Einrichtungen der Opferhilfe beraten bundesweit Betroffene von Straftaten: https://www.hilfe-info.de/WebS/hilfeinfo/DE/HilfeUndBeratung/AnsprechpartnerUndBeratungsstellen/EinrichtungenOpferhilfe/EinrichtungenDerOpferhilfe_node.html 

Buzz Feed News hat ausgiebig zum Thema K.O. Tropfen recherchiert: https://www.buzzfeed.com/de/marcusengert/gbl-ghb-ko-tropfen-vergewaltigungsdroge-nr1 

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

presse@ubskm.bund.de