PODCAST | Folge 52 | Beate Kriechel

„Es ist eine Illusion, zu glauben: Wenn wir als Angehörige nicht drüber sprechen, verschwindet das Thema Missbrauch von alleine.“




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Das Interview der Folge 52 als Transkript lesen

[00:00:00.780] - Beate Kriechel
Man muss sich einfach mal klar machen das verschwindet nicht von alleine, wenn man nicht drüber spricht, dann entfaltet es trotzdem seine Wirkung. Es ist, glaube ich, eine Illusion zu denken: „Ich gehe dem aus dem Weg, ich spreche nicht darüber, also bleibt die Familie heil.“ Man muss auch sagen, viele Familien waren leider ja auch nicht heil, wenn da Missbrauch stattgefunden hat. Also ich glaube, dass es so also gerade natürlich als Eltern, aber vielleicht auch als Freund, als Partnerin, als Freundin, als auch als Erzieherin sehr schmerzhaft ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und wer möchte das schon? Wer möchte schon hingucken oder vielleicht womöglich auch sagen müssen: „Oh, mein Kollege, oh mein Partner, oh meine Tante ist Täter.“

[00:00:37.860] - Nadia Kailouli
Hi! Herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert. Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst

Auch für Angehörige kann Missbrauch, wenn sie davon erfahren, ein einschneidendes Erlebnis sein. Auch ihr Vertrauen wird erschüttert, weil es von Tätern und Täterinnen missbraucht und getäuscht wurde. Vor allem, wenn die Täter:innen, wie so oft, aus dem engsten Umfeld kommen, ist der Schock meistens groß. Die Autorin Beate Kriechel, die selbst als Kind missbraucht wurde, hat in ihrem neuen Buch Angehörigen eine Stimme gegeben und ihre Geschichten aufgeschrieben. "Missbrauchtes Vertrauen. Wie sich sexualisierte Gewalt in der Kindheit auf Angehörige auswirkt", heißt das Buch, über das wir jetzt hier bei einbiszwei sprechen. Herzlich Willkommen, Beate Kriechel bei einbiszwei!

[00:01:35.100] - Beate Kriechel
Ja, Hallo. Vielen Dank für die Einladung!

[00:01:36.870] - Nadia Kailouli
Ja, schön, dass du da bist. Und ich sage Beate, das ist in Ordnung?

[00:01:39.920] - Beate Kriechel
Ja gerne, auf jeden Fall.

[00:01:40.640] - Nadia Kailouli
Super. Also ich möchte direkt von Anfang an ganz transparent machen, dass du eben auch Missbrauchserfahrungen hast und zwar durch tatsächlich verschiedene Täter, unterschiedliche Täter. Und ich möchte einen Satz direkt von dir zitieren. Du hast nämlich mal gesagt: "Mir wurde was angetan, warum schäme ich mich? Muss ich nicht!"

[00:01:59.360] - Beate Kriechel
Ja, genau.

[00:02:00.230] - Nadia Kailouli
Und da hab ich gedacht, was ein guter Satz, weil sie damit so recht hat. Aber ich habe mich auch gefragt, wie lange hat sie gebraucht, um das so für sich definieren zu können?

[00:02:08.090] - Beate Kriechel
Ja, das hat eine ganz, ganz, ganz lange Weile gedauert. Also ich bin jetzt 51 und, wie du eben schon gesagt hast, ja mehrfach Betroffene von sexualisierter Gewalt, sowohl in der Kindheit mit sieben, später aber auch noch mit 13 und ich sage mal so kleinere Sachen zähle ich gar nicht dazu. Und bis ich gebraucht habe, das tatsächlich so sagen zu können, weil also das Aussprechen war das eine und das zu denken das, gedacht habe ich das schon relativ früh und immer mal wieder, aber für mich. Und ich bin ja lange, lange, lange auch allein geblieben, so mit meiner Bewältigung. Ich meine, wie gesagt, ich bin ja 51 und das waren noch ein bisschen andere Zeiten, da hat man längst noch nicht so offen über Missbrauch, sexualisierte Gewalt gesprochen wie heute. Und ich würde sagen, dass das tatsächlich so gewesen ist, dass ich sagen kann und damit an die Öffentlichkeit gegangen bin, das war tatsächlich so um 2018, 2019 rum. Da habe ich ja mein erstes Buch veröffentlicht und das war auch schon ein Prozess, dahin zu kommen. Und das war aber mit diesem Gefühl eben so, ich habe mich für nichts zu schämen und ich bin jetzt soweit. Und ich habe überlegt, ob ich mit dem ersten Buch das anonym zu machen und bin dann aber dann dahin gekommen, dass ich gesagt habe: "Nee, überhaupt nicht. Ich gehe mit meinem Namen an die Öffentlichkeit, weil ich habe mich für nichts zu schämen."

[00:03:17.620] - Nadia Kailouli
Genau. Wir wollen heute mit dir über deine Bücher sprechen. Du hast nämlich mittlerweile ja schon ein zweites Buch auch geschrieben, wo eher die Angehörigen zu Wort kommen von Betroffenen. Bevor wir darüber sprechen, muss ich jetzt direkt auf diesen einen Satz zurückkommen, weil der hat mich gerade richtig irritiert. Du hast gerade gesagt, Missbrauchserfahrungen durch den Partner deiner Mutter, unterschiedliche Täter sind eben in deiner Missbrauchsgeschichte, wenn ich das jetzt mal so sagen darf, und dann sagtest du gerade: "Und die kleineren Sachen zähle ich gar nicht dazu."

[00:03:46.610] - Beate Kriechel
Ja, das ist natürlich auch so eine komische Formulierung: "die kleineren Sachen", also was ich damit gemeint habe, und das ist das, was oft hinten runter fällt. Es gibt diese Taten, es gibt Taten, die sich über Jahre zogen und es gibt Taten, eindeutige, wo ich 13 war, in einem Zeitraum von einem Ferienaufenthalt von sieben Wochen. Und was ich aber meine, ist einfach, dass ich eigentlich, ja, das kann ich einfach so sagen,, in meiner gesamten Kindheit in einer sehr sexualisierten Atmosphäre groß geworden bin. Und das, was ich meinte mit die kleineren Sachen, die eigentlich gar nicht so klein sind, sind zum Beispiel auch verbale Übergriffe. Meine Mutter war alleinerziehend und ist mit uns auch oft unterwegs gewesen und es gab immer mal wieder Interessenten, sag ich mal so, Männer, die sich für meine Mutter interessiert haben. Und wenn wir zum Beispiel zusammen in einer Kneipe waren, das war so 70er Jahre in einem kleinen Dorf in der Nähe von Köln, wo ich groß geworden bin, da gab es damals Kneipenkultur und da kam es immer wieder auch zu verbalen Übergriffen. Das halt ältere Männer  - also aus meiner Sicht als Kind ältere Männer - aber auch jüngere Männer immer wieder zweideutige Bemerkungen gemacht haben oder dass man wie zufällig berührt wurde, angefasst wurde. Das meinte ich mit diesen Dingen und da gibt es so viele Beispiele, die könnte ich jetzt gar nicht alle aufzählen, aber das hat sich eigentlich konstant durch meine Kindheit und Jugend gezogen oder auch dann, wenn man älter wurde als elf, 12-jährige, wenn man begutachtet wird: "Ah, du hast dich aber jetzt gut entwickelt. Oh, guck mal wie du wächst und hast du schon Freund?" Und also diese Dinge meinte ich mit diesen kleineren Sachen, die ich so gar nicht dazu zähle, die aber natürlich auch eine Wirkung haben.

[00:05:13.400] - Nadia Kailouli
Total. Und wo wir sagen können, ja, zum Glück befassen wir uns im Jahr 2023 intensiver eben auch mit diesen kleineren Dingen, denn sexualisierte Gewalt fängt ja nicht erst damit an, wenn jemand sexuelle Übergriffe erfährt, sondern schon viel, viel früher, eben durch Äußerungen, durch Beschreiben des Körpers oder wenn man in einer Kneipe ist und jemand sagt: "Na Kleene, komm mal auf meinen Schoß." Das ist auch sexualisierte Gewalt.

[00:05:36.860] - Beate Kriechel
Genau! Alles wo der Körper des Mädchens, des Jungens irgendwie in einer Form sexualisiert wird oder Grenzen überschritten werden, die Kinder halt teilweise ja auch noch gar nicht selber setzen können. Aber trotzdem, ich sage, ich erinnere mich auch immer an ein sehr, sehr ungutes komisches Gefühl. Und um ein anderes Beispiel zu nennen in meinem ersten Buch, das heißt ja: "Für immer traumatisiert?", da habe ich verschiedene Betroffene interviewt, unter anderem halt auch einen, wo der Missbrauch in Anführungsstrichen - wirklich dicke Anführungsstriche - nur in der Form stattgefunden hat, dass der Onkel ständig sie taxiert hat und solche Sätze gesagt hat, gefragt hat: "Hast du schon einen Freund?", oder wie zufällig ins Badezimmer gekommen ist, wenn sie sich geduscht hat umgezogen hat, gebadet hat. Und das ist sexualisierte Gewalt, ja, das ist eine Form des Missbrauchs. Später kam es dann auch fast zu einem tätlichen Übergriff bei dieser Betroffenen, der zum Glück noch verhindert werden konnte, aber auch das. Also es war mir auch wichtig die Bandbreite aufzuzeigen, dass das schon viel, viel früher anfängt und nicht immer nur so, wie das oft in Köpfen geistert der tätliche Übergriff, die tatsächliche Vergewaltigung, die Bandbreite ist da ja sehr, sehr groß.

[00:06:39.360] - Nadia Kailouli
Inwieweit würdest du sagen, hat dann trotzdem deine eigene Missbrauchsgeschichte dich dann eben dahin geführt, dass du gerade zum Beispiel bei medica mondiale eben als PR-Beraterin oder Medienberaterin aktiv bist, hat das damit, ist da ein Zusammenhang da?

[00:06:55.380] - Beate Kriechel
Presse- Öffentlichkeit. Ja, das hat einen ganz, ganz großen Zusammenhang, also ich glaube. Ich habe eine ganz normale Ausbildung als Krankenschwester gemacht, wollte Sozialpädagogik studieren danach und habe dann festgestellt, das ist nichts für mich und da war ich aber auch schon, da war ich so Ende 20, war für mich einfach klar, weil es war noch mal eine andere Zeit, aber wenn man sich überlegt die 90er das Thema war, hast du eben auch schon mal gesagt, noch gar nicht so präsent. Und ich hatte immer das Gefühl, das kann ja nicht sein, dass wir nicht drüber sprechen, weil auch zu dem Zeitpunkt hatte ich schon ganz, ganz viele Freundinnen und Bekannte, von denen ich wusste, dass sie Missbrauch erfahren haben. Mein Sohn hat irgendwann den Satz gesagt: "Hast du dir deine Freundinnen danach ausgesucht?" Und dann habe ich einen Moment gestutzt und habe gesagt: "Nee du, weißt du, wenn ich 20, 30 Freundinnen habe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zehn, zwölf vielleicht noch mehr darunter sind, einfach so groß, weil es einfach so oft vorkommt." So, das heißt, mir war klar, in welchem Maße das stattfindet und welches Ausmaß das hat und und habe ja immer und immer wieder dieses immense Schweigen auch selbst erfahren und auch gewusst, wir sprechen nicht drüber, wir sprechen nicht öffentlich drüber. Und da war das für mich schon eine bewusste Entscheidung, in die Öffentlichkeitsarbeit zu gehen und mich für das Thema einzusetzen. Ja.

[00:07:59.040] - Nadia Kailouli
Und das ist eben auch so weit gekommen, dass du eben eigene Bücher dazu schreibst. Dein erstes Buch hast du schon angesprochen. Dein zweites Buch heißt "Missbrauchtes Vertrauen. Wie sich sexualisierte Gewalt in der Kindheit auf Angehörige auswirkt". Und da muss man ja sagen, oft ist es ja so, dass man, wenn man über sexualisierte Gewalt spricht, natürlich mit den Betroffenen, mit den Opfern spricht. Und warum hast du dich aber darauf jetzt fokussiert, zu sagen, ich möchte mit betroffenen Angehörigen sprechen?

[00:08:26.820] - Beate Kriechel
Das war tatsächlich, sage ich mal, keine bewusste Entscheidung. Das war einfach, das habe ich eben schon gesagt. 2019 habe ich das erste Buch rausgebracht und bin dann auch dadurch mit, im Zuge dieser Veröffentlichung des Buches selbst in die Öffentlichkeit getreten, habe verschiedene Interviews auch gegeben, an Radiosendungen teilgenommen, bei Social Media bin ich aktiv und da ist es so gewesen, dass unter anderem viele Betroffene auf mich zugekommen sind und sich für das Buch bedankt haben und gesagt haben: "Das ist so anrührend und endlich finde ich mich in irgendetwas wieder." Und dann ist es im Laufe der Zeit eben auch gewesen, dass auch Angehörige auf mich zugekommen sind, die gesagt haben, dass also ich habe eben schon mal kurz erwähnt, das Buch arbeitet so ein bisschen der Opferstigmatisierung entgegen und hat zum Thema, dass es sehr wohl Betroffene gibt, die nicht für immer zerstört sind und auch ihren Weg finden, ein gutes Leben zu führen. Und da kamen so die ersten Angehörigen auch auf mich zu, auf verschiedenen Wegen und haben gesagt, dass sie das auch sehr tröstend fanden, zu wissen, dass ihre Angehörigen tatsächlich einen Weg gehen können. Und so über den Kontakt bin ich mit verschiedenen Angehörigen ins Gespräch gekommen und der eine oder andere hat mir dann halt auch seine Geschichte, ihre Geschichte erzählt. Und das ist auch ein längerer Prozess gewesen, zwei, drei Jahre, wo ich dann irgendwann in diesen Gesprächen gemerkt habe: Ach guck mal, da gibt es Parallelen! Also erst mal nehmen die das oft selber gar nicht wahr, wie sehr die auch davon betroffen sind. Viele nehmen es sehr wahr und stellen sich aber sehr hinten an. Also da gibt es ja, ich habe jetzt 15 Menschen interviewt, da gibt es ja von einer Mutter und einer Schwester, deren Bruder nach der Offenbarung, dass er bei den Pfadfindern sexualisierte Gewalt erfahren hatte, sich sechs Wochen später suizidiert hat. Bis hin zu Sohn, Tochter von betroffenen Müttern, über Freundinnen, die ihre Freundinnen spät kennengelernt haben und das in irgendeiner Form Auswirkungen gehabt hat. Und da habe ich diese Parallelen gesehen und gedacht, okay, die werden einfach gar nicht wahrgenommen als Betroffene.

[00:10:19.680] - Nadia Kailouli
Ja. Was mir so aufgefallen ist, seitdem wir hier den Podcast machen einbiszwei, dass wenn ich mit Betroffenen gesprochen habe, stellt man sich auch immer die Frage, die Frage kommt da bei mir immer automatisch, wie haben deine Eltern dann reagiert oder wann hast du dich deinen Eltern anvertraut? Wie hat dein Umfeld reagiert? Und ich habe so so oft eine Antwort bekommen, gerade von einem auch: "Ich wollte meinen Eltern das nicht so erzählen oder als ich es denen dann erzählt habe, fiel es mir so schwer, weil ich ihnen diesen Schmerz nicht antun wollte, den ich erlebt habe." Also dieses Bewusstsein war so da, zu wissen, meine Eltern könnten dann genau das, also ich könnte denen Schmerz zufügen dadurch, durch das, was mir passiert ist. Wie ist deine Erfahrung so, als du mit den betroffenen Angehörigen gesprochen hast?

[00:10:58.860] - Beate Kriechel
Mit den betroffenen Angehörigen. Das ist ja wirklich sehr, sehr unterschiedlich. Das kann man gar nicht so pauschalisieren. Da gab es auch welche, die die Aussage gemacht haben, dass ihre in Anführungsstrichen Betroffenen genau das auch gesagt haben. Was viel öfter eine Rolle gespielt hat, was bei mir persönlich auch eine Rolle gespielt hat, ist also das, was auch sehr oft aus dem Blick fällt, das sind eben die Täterstrategien. Es gibt ganz, ganz viele Betroffene, die von den Tätern bedroht wurden: "Wenn du was erzählst, dann stirbt deine Mutter, dann tu ich deinem Bruder was an, ich töte dein Haustier." Also die Täterstrategien sind da ja sehr, sehr, sehr perfide. Und das spielt schon auch eine große Rolle, dass viele sich nicht offenbaren. Dann, also man muss es auch mal wieder so ein bisschen glaube in die Zeit einordnen, mit den Angehörigen, mit denen ich jetzt gesprochen habe, deren Betroffene sind auch eher so Betroffene 70er, 80er Jahre. Da war die Atmosphäre, allgemeine gesellschaftliche Atmosphäre auch noch nicht so, dass man drüber gesprochen hat. Natürlich gibt es auch Aussagen darüber, das kommt in dem Buch so nicht vor, weil ich ja einen anderen Fokus gesetzt habe in dem Buch, aber es gab natürlich auch Aussagen darüber. Die Angehörigen haben sich gefragt: "Warum hat mein Sohn, warum hat meine Tochter mir das nicht früher erzählt?" Und da gibt es natürlich auch solche Aussagen wie, die wollten ihnen den Schmerz nicht antun, so wie du es eben ein bisschen beschrieben hast.

[00:12:14.310] - Nadia Kailouli
Inwieweit ist denn aber auch diese Frage der Mitschuld dann ein Thema? Weil Eltern haben ja sozusagen die Aufsichtspflicht, sich ums Kind zu kümmern, aufzupassen und so weiter und wenn dann rauskommt, meine Tochter, mein Sohn wurde sexuell missbraucht. Wie oft haben sich die Menschen, die du getroffen hast, die Frage gestellt: „Habe ich nicht gut genug auf unser Kind aufgepasst?“

[00:12:34.680] - Beate Kriechel
Also wenn ich jetzt, dann muss ich jetzt wirklich von Eltern fast ausschließlich ausgehen, wie gesagt ich habe ja noch andere Angehörige, andere Betroffene und Geschwister interviewt. Da war es tatsächlich so, dass sich fast alle die Frage gestellt haben, die Wege nur damit umzugehen oder halt, oder sagen wir mal, durch eine Unterstützung, die sie auch bekommen haben. Ich möchte mal das Beispiel einer Mutter zitieren, die sehr, sehr rigoros, deren zwei Töchter schon als Kleinkind aus dem engsten Familienkreis sehr strategisch missbraucht worden sind, muss ich schon fast sagen und die sehr explizit gesagt hat: "Nein, ich habe keine Mitschuld und jeder der mir sagt, ich habe eine Mitschuld, der hat einfach nicht recht." Aber die hat eine sehr gute therapeutische Unterstützung erfahren. Also schlechtes Gewissen spielte bei allen eine Rolle, aber der Weg, sich damit auseinanderzusetzen und welche Schlussfolgerung man hat, ist unterschiedlich. Wobei ich muss natürlich dazusagen, für mich war das jetzt für das Buch sehr, sehr wichtig, weil ich ja auch selbst Betroffene bin und mir war es in dem Buch wichtig und auch im Sinne der Selbstbetroffenen sehr wichtig, dass ich Angehörige interviewe, wo ich wusste, die sind nicht Mittäter. Das hätte ich nicht gemacht. Das hätte ich nicht gewollt und ich habe das so gut ich konnte ausgeschlossen. Und die meisten Angehörigen, die ich interviewt habe, kannte ich. Die kannte ich durch die Betroffenen. Die ich persönlich noch nicht kannte, habe ich vorweg getroffen, habe mir erst grob ihre Geschichte erzählen lassen. Und genau das war mir sehr, sehr wichtig, dass ich eben keine Täter oder Täterinnen oder Mittäter und -täterinnen interviewe.

[00:14:05.790] - Nadia Kailouli
Aber nichtsdestotrotz, wenn wir bei dieser Schuldfrage sind. Du hast jetzt gerade eben von der Frau gesprochen, die durch auch gute therapeutische Unterstützung gesagt hat: "Nein, mich trifft keine Schuld." Das ist ja auch oft so eine Täterstrategie, also die Eltern oder das engere Umfeld mit zu manipulieren, also gerade zum Beispiel der Turntrainer oder so, der sagt: "Nein, ich pass auf, ich mache das alles. Machen Sie sich mal keine Sorgen, die Kleine oder der Kleine ist hier gut aufgehoben."

[00:14:30.990] - Beate Kriechel
Also was man natürlich auch sagen muss, von wegen, weil das kann ja so ein bisschen weggewischt wirken, wenn man sagt: "Nee, mich trifft keine Schuld." Also die Leute, die ich gesprochen habe, Eltern, Geschwister, es ist eigentlich so, dass durchweg die Leute schon gemerkt haben, dass sich ihre Schwester, ihr Bruder, die Kinder verändert haben. Die sind nur nicht gleich auf Missbrauch als Ursache gekommen und wenn sie drauf gekommen sind, es explizit angesprochen haben, teilweise auch bei Fachleuten wie Therapeuten oder, nur um ein Beispiel wieder zu nehmen, der Sohn eines Interviewten ist in einem Internat für Körperbehinderte groß geworden und die haben ganz massiv gemerkt, dass ihr Sohn sich verändert hat und sind immer wieder in die Schule gegangen und haben gesagt: "Da stimmt was nicht, das stimmt was nicht!“ Nur die konnten eins und eins nicht zusammenzählen. Der ist durch einen älteren Mitschüler missbraucht worden. Und das muss man schon sagen, die merken schon, dass sich was verändert, nur bis man dann auf den Weg kommt, es ist Missbrauch als Ursache. Das ist auch ganz unterschiedlich.

[00:15:23.340] - Nadia Kailouli
Hast du die Hoffnung oder siehst du jetzt schon irgendwie Erkenntnisse, dass deswegen, weil wir eben zum Beispiel so ein Podcast machen, weil du Bücher schreibst, weil mehr Betroffene an die Öffentlichkeit gehen und ihre Geschichte erzählen, dass man dadurch mehr Sensibilität bekommt, dass eben in Zukunft Eltern oder Lehrer oder wer auch immer Geschwister merken: "Ah mein Bruder, mein Sohn, meine Tochter verändert sich - sexueller Missbrauch", dass diese Verbindung schneller passiert, dadurch, dass wir die Themen mittlerweile eben transparenter nach außen bringen?

[00:15:52.680] - Beate Kriechel
Also da habe ich nicht nur Hoffnung, sondern da fallen mir auch direkt konkrete Beispiele ein. Also das ist so, das hat sich massiv geändert. Wie gesagt, ich bin ja, wie du es eben gesagt hast, auch schon sehr, sehr lange mit dem Thema beschäftigt. Das hat sich 2010 viel verändert, aber dann durch die Fälle Lügde, Bergisch Gladbach und die es da gab, noch sehr viel. Zwei großartige Beispiele möchte ich auch mal nennen. Ich habe einen Vater interviewt, dessen Tochter in einem Ferienlager war, Schwimmverein, DLRG. Und da kam es zu einer Situation, dass der Trainer, der mit war, schon vom ersten Tag an im Prinzip verbal sehr übergriffig geworden ist. Und da waren es die Kinder, das war eine Gruppe von zehn, 15 Kindern zwischen elf und 16, dass die so - also da kriege ich ja selbst Gänsehaut, wenn ich das erzähle - selbst so großartig reagiert haben, gesagt haben: "Moment, das ist nicht in Ordnung!" Die haben alle Übergriffe verbale, körperliche aufgeschrieben, haben ihre Eltern angerufen, haben gesagt: "Hier stimmt was nicht und der verübt sexuellen Missbrauch an uns oder Übergriffe." Das ist so das eine Beispiel und das ist, das hat sich massiv geändert, dass auch Kinder und Jugendliche das sehen und das auch einfordern und auch sich trauen, Hilfe zu holen. Viele Betroffene haben das ja jahrelang eben nicht gekonnt, wie wir es eben auch schon mal kurz angedeutet haben. Das andere Beispiel, ich habe einen Sohn von Betroffenen interviewt, der jetzt im medizinischen Bereich eine Ausbildung macht und der auch erzählt hat, dass er selbst in seiner Ausbildung, das ist, ich habe selbst eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht, da weiß ich noch, da gab es zwei Unterrichtsstunden zum Thema Kinderschutz, das war's. Da nimmt es schon viel mehr Raum ein und auch dieser Sohn reflektiert ganz anders in seinem Freundeskreis, in seiner Ausbildung. Im Gespräch mit ihm habe ich dann gefragt: "Wie ist es denn, wenn du mitbekommst deine Kollegen, Kolleginnen werden übergriffig?" Das hat er gesagt: "Das hatten wir noch nicht im Unterricht, aber da bin ich mal gespannt. Ich habe ja noch zwei Jahre." So, also die Sensibilität hat allerorts schon zugenommen und das, ja, das ist eine immense Veränderung und das freut mich auch wirklich sehr.

[00:17:43.800] - Nadia Kailouli
Als ich mich so durch dein Buch gelesen haben, da habe ich teilweise das Gefühl bekommen, ich lese Tagebucheinträge und ich habe mich ertappt, so dass ich irgendwie das Gefühl hatte So, hu ist das jetzt, ist das jetzt okay, dass ich das lese? Weil es ist ja schon sehr detailreich beschrieben. Es sind ja auch Sachen beschrieben, was man sonst so in dem Alltag an dem Tag gemacht hat: "Wir wollten eigentlich ein Auto kaufen, haben das, das...", und so und da habe ich mir gedacht, oh, das ist irgendwie so, als hätte mir jemand erlaubt: „Hier, lies mal meinen Tagebucheintrag, wie ich das damals erlebt habe!“

[00:18:14.230] - Beate Kriechel
Ja, ich sage mal so, also die Interviewten haben erlaubt, die haben erlaubt, dass man Einblick in ihre Geschichten bekommt. Die haben es im wahrsten Sinne des Wortes erlaubt. Die haben auch ihre Angehörigen, also die Betroffenen selbst gefragt und erlaubt. Also ich komme ja jetzt, das habe ich eben schon gesagt, aus der Öffentlichkeitsarbeit, aus der Richtung und mein Weg, das gehört dazu, dass ich über Geschichten das berühren möchte und Leute bewegen möchte. Und auf der anderen Seite, die Interviews, die es da gibt, das ist längst nicht das, was die mir tatsächlich erzählt haben. Und das ist natürlich schwierig. Man muss da gucken, dass man eine Waage hält und findet. Ich möchte das auch nochmal betonen, nicht, dass die Leute Angst haben, das Buch zu lesen: Es werden ja keine Missbrauchsdetails beschrieben, bis auf ein, zwei Stellen mal, wo ich gedacht habe, das muss jetzt unbedingt auch mal erwähnt werden, in welcher, ja in welcher Härte manche Fälle sind aber auch das ist nur im Ansatz im Prinzip angedeutet. Aber ich habe das auch gemerkt in den Gesprächen, das war den Leuten auch wirklich ein großer Wunsch und ein großes Anliegen. Die haben fast alle gesagt, also manche haben am Anfang gesagt: "Ach, ich habe doch gar nichts zu erzählen, ich bin doch nicht betroffen." Und als sie dann aber, wir haben uns ja mehrmals teilweise getroffen, zwei, drei Stunden und alle waren hinterher so erleichtert, dass sie gesagt haben so: "Ach ja, danke, dass ich mal meine Geschichte erzählen durfte." Und viele haben das allererste Mal auch ihre Geschichte da erzählt. Und natürlich haben sie vorher begriffen, dass sie auch betroffen sind, spätestens in unserem Vorgespräch, wo ich gesagt habe, es geht nicht darum, dass du jetzt Details preisgibt oder Sie, je nachdem wie wir waren, aber einfach mal einen Einblick zu geben und zu zeigen, dass eben Missbrauch nicht nur heißt, die Betroffenen tragen Folgen und das wirkt sich nicht nur auf die aus, sondern das ganze Umfeld ist mit betroffen. Und ich habe ja noch nicht mal Tanten, Onkel, Großeltern, ich hätte Erzieher:innen, ich hätte alle möglichen noch reinnehmen können. Und wie gesagt, die haben das schon auch mit einer Überzeugung gemacht, weil die auch teilweise mein erstes Buch gelesen haben und gesagt haben, gerade diese Alltagsgeschichten oder gerade so die Schilderung, wie es eben ins Leben eingebettet ist, hat ihnen sehr viel Kraft gegeben und auch viel gebracht und viel die Augen geöffnet. Manchmal sind es auch kleine Nebensätze, die die mir nennen, wo ich niemals auf die Idee gekommen wäre, dass das bei denen tatsächlich tröstlich war oder was ausgelöst hat, dass sie gesagt haben: "So, ich hole mir jetzt Hilfe und Unterstützung." So ja, das ist sehr dicht dran. Das ist aber alles auch in Absprache mit denen passiert und da steht kein Wort drin, was die nicht haben wollten. Und das war ein längerer Prozess, auch jedes einzelne Interview.

[00:20:36.800] - Nadia Kailouli
Ja, jetzt hattest du gerade eben gesagt, dass viele Angehörige der Betroffenen gesagt haben: "Na ja, was soll ich denn erzählen, ich bin ja nicht betroffen selbst, sondern nur Angehörige." Aber hast du trotzdem Parallelen entdeckt zwischen dem Empfinden, dem Schmerz, zwischen, also von den Betroffenen und den Angehörigen, dass die gar nicht so weit entfernt sind von dem, wie man das Erlebte verarbeitet?

[00:20:57.750] - Beate Kriechel
Ja, das ist was ich eingangs ein bisschen erzählt habe. Aber natürlich muss man da unterscheiden, wenn jemand selbst tatsächlich die sexualisierte Gewalt erlebt hat. Aber es gibt ja auch nach einer Definition, was Trauma ist, zählt ja unter anderem zum Beispiel auch die Information über sexualisierte Gewalt eines nahen Angehörigen dazu. Und da gibt es so was wie Schock natürlich auch und ja, dieses schlechte Gewissen, Wut, Ungläubigkeit, da sind ganz viele Parallelen in dem Erleben. Ich meine, ich hatte ja auch zum Beispiel einen Sohn und eine Tochter. Wenn ich jetzt mir noch mal den Sohn vor Augen führe, da ist es bei ihm jetzt nicht so die Gefühle wie Verzweiflung, Wut, schlechtes Gewissen eine Rolle gespielt und bei der Tochter wiederum schon, weil es sie massiv auch im ganzen Leben beeinflusst hat. Also das hat ja auch ganz massive Auswirkungen und natürlich gibt es da auch Parallelen in der Bewältigung. Viele gehen in Therapie und brauchen auch Jahre um, manche sind krankgeschrieben jahrelang und brauchen jahrelang, um wieder arbeitsfähig zu werden. Eine, ich möchte diesen Satz gerne zitieren, weil er so schön ist, den benutze ich auch immer öfter, weil es auch so ein Bild war, was ich länger im Kopf hatte. Die Partnerin, also die Ehefrau einer Betroffenen, hat in unserem Gespräch so das Bild gesagt, mir gesagt: "Missbrauch ist wie ein Stein, der ins Wasser fällt und Kreise zieht." Und das finde ich so wunderbar bildhaft, dass das so Wellen schlägt, dass das eben sich nicht nur auf die Betroffenen fokussiert, sondern tatsächlich das ganze Umfeld betroffen ist. Das ist ja so, wie gesagt, die ich gesprochen habe und die ich interviewt habe, das sind ja keine, wo die Prozesse so ganz frisch sind. Das sind wirklich welche, die haben Therapie gemacht. Und meistens ist es ja eher so, dass gerade bei Eltern, bei Geschwistern, wenn dann der Missbrauch offenbar wird, wie auch immer, auch da sind die Wege unterschiedlich, dass die meisten Angehörigen tatsächlich erst mal für ihre Betroffenen da sind und gucken, dass die sich stabilisieren, dass die Hilfe für die Betroffenen holen und das wird ja bei Eltern auch zu Recht erst mal erwartet. Und dass sie oft erst dann tatsächlich für sich Hilfe holen, wenn die Angehörigen sich stabilisiert haben. Also das soll überhaupt nicht bedeuten, das hat ja auch Wirkung auf die anderen, also sollt ihr nicht mehr sprechen, im Gegenteil. Das zeigt aber halt einfach, dass vielleicht auch Verbindungswege möglich sind. Also noch mal andersherum gesprochen: Ich wollte das Buch ja eigentlich erst gar nicht machen. Ich habe gesagt: "Warum soll ich das tun? Ich bin selbst Betroffene und ich bin von meiner Familie überhaupt nicht unterstützt worden." Ich fand es super wichtig und habe aber gedacht, ich kann da emotional doch nicht ran. Das wühlt doch bei mir auch noch mal Dinge auf. Und das war für mich dann aber letztendlich so tröstlich zu sehen, dass es tatsächlich Angehörige gibt, die konsequent an der Seite der Betroffenen stehen und auch ohne mit der Wimper zu zucken glauben und eben unterstützen. Und das fand ich einfach auch wichtig. Ich meine, ich weiß ja, wie schwierig das gerade für Betroffene ist, das wahrzunehmen. Das kann auch sehr schmerzhaft sein, wenn man selbst jemand ist, der eben keine Unterstützung erfahren hat und aber es gibt halt eben auch die andere Seite. Und wenn, wie gesagt, ich habe mit denen gesprochen und habe irgendwann den Punkt erreicht, ich habe gesagt: "Ja, Moment mal, so einseitig ist das gar nicht zu sehen!" Sie sind nicht alle vertuschend und alle Mittäter, die sind selbst auch Betroffene.

[00:24:00.780] - Nadia Kailouli
Aber war das, wenn wir kurz bei dir bleiben, das war doch sicherlich dann aber trotzdem auch, so wichtig du hast dann eben gefunden hast, zu sagen:  "Hier, wir müssen auch zeigen, es gibt eben Angehörige, die verschließen sich dem nicht, die sind da offen, das aufzuarbeiten, wollen da sein, wollen das Verarbeiten und und und und wollen auch an der Seite der Betroffenen stehen." Du hast eben leider die Erfahrung gemacht, dass du innerhalb deiner Familie, wo dein Missbrauch ja auch passiert ist, eben nicht diesen Halt bekommen hast. Wie bist du denn damit umgegangen? Ich stelle mir vor, dass das sehr schmerzhaft ist zu sehen: "So hätte es auch sein können und ich habe das aber leider nicht erfahren."

[00:24:36.690] - Beate Kriechel
Ja, das war für mich auch noch mal ein sehr interessanter Prozess. Ich meine, ich habe ja in meinem Leben auch mehrere Therapien gemacht und dachte, ich bin damit jetzt abgeschlossen. Und als ich dann vor drei Jahren das Buch angefangen habe, ich möchte mal eine Spanne aufmachen: Für das erste Buch, habe ich fünf Monate gebraucht, also mit Interviews, mit Schreiben, allem Drum und Dran. Dieses Buch hat jetzt mehr als zwei Jahre gebraucht, weil ich halt auch tatsächlich meine Zeit gebraucht habe dazwischen, zwischen den Interviews. Und ich bin damit umgegangen, indem ich halt auch viele Gespräche geführt habe, auch noch mal mir therapeutische Unterstützung geholt habe und aber auch dem einfach Raum gegeben habe, einfach noch mal zu sehen, was vielleicht auch in meiner Familie schief gelaufen ist. Also ich muss das auch ein bisschen einschränken. Es gibt schon auch noch eine Cousine, mit der ich mich viel austausche und die auch da ist. Ich habe einfach eine sehr große Familie und es ist halt nicht die Kernfamilie von damals, aber es war für mich auch noch mal ein Auseinandersetzungsprozess, ja. 

[00:25:29.880] - Nadia Kailouli
Viele könnten sich jetzt die Frage stellen, wenn man selbst Missbrauch erfahren hat und das dann in dem Buch verarbeitet hat und jetzt aber auch noch eine Stufe weitergeht und eben ein Buch schreibt, wo die Betroffenen zu Wort kommen, also seine eigene Geschichte so ein bisschen rausnimmt, aber dann sich auf die Geschichte vieler anderer konzentriert, fragt man sich doch, Warum macht man nicht einfach mal einen Punkt? Warum sagt man nicht einfach: "Das ist mir jetzt passiert, das liegt jetzt hinter mir und damit stecke ich eine Schublade und mach's weg!" Warum ist das ist nicht dein Weg gewesen? Und warum bist du heute da, wo du bist, dass das Thema sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen eben so ein intensives Thema sowohl beruflich als auch privat bei dir geworden ist?

[00:26:11.360] - Beate Kriechel
Naja, also ich würde die Schublade zumachen, wenn sexualisierte Gewalt in der Form nicht mehr vorkommen würde. Also ich sage es mal umgekehrt: Ich mache das, weil ich es inzwischen kann. Es gibt ja viele, die das einfach nicht können, aus unterschiedlichen Gründen und auch das ist kein Vorwurf. Ich habe mich wie gesagt auseinandergesetzt und lebe mein Leben, ich habe meinen Sohn groß gezogen, habe beruflich unterschiedliche Schritte gegangen. Und es ist mir einfach tatsächlich wichtig, vielleicht auch diesen langen, langen Weg, den ich ja gegangen bin. Das erste Mal habe ich mich einer Freundin auch offenbart. Da war ich 16, 15, 16 und das ist ja mittlerweile ein Prozess von über 35 Jahren. Und ich möchte einfach, dass andere den Weg nicht so lange gehen müssen. Und ich möchte einfach so meinen Teil dazu beitragen, weil ich es eben kann, weil ich relativ offen darüber sprechen kann, weil ich diese Scham nicht mehr habe, die wir am Anfang schon angesprochen haben, es zu tun nach dem ersten Buch. Also ich habe selbst immer sehr aus Geschichten von anderen Menschen im positiven Sinne als Vorbild gelernt. Und ja, wenn ich mir überlege, was möchte ich denn beruflich machen? Für mich war es immer schon wichtig, auch einen Sinn in meinem Job zu sehen. Und die ersten Jahre habe ich ja auch nicht mich mit dem Thema beschäftigt. Aber ich habe halt einfach lange, lange gesehen, da wird nicht drüber gesprochen, da wird kaum drüber geschrieben. Also gesprochen haben die Betroffenen schon immer und auch Fachberatungsstellen, aber es war mir einfach zu wenig, was in der Öffentlichkeit passiert. Inzwischen passiert ganz viel, aber ich wüsste jetzt nicht, warum ich es jetzt sein lassen sollte. Vielleicht lasse ich es ja auch irgendwann mal sein und vielleicht sage ich ja in fünf Jahren: So, jetzt ist gut und jetzt suche ich mir einen ganz anderen Job und jetzt mache ich was ganz anderes. Aber im Moment sehe ich da einfach noch einen großen Sinn drin, eben andere Betroffene zu unterstützen und eben auch noch mal auf die gesellschaftlichen Dimensionen aufmerksam zu machen. Also wo, worüber jetzt wir zum Beispiel auch noch gar nicht gesprochen haben, es gibt ja auch noch Angehörige von Tätern und Täterinnen. Das ist auch noch ein Feld, wo zu wenig drüber gesprochen wird. Also was ich meinte ist, natürlich wird inzwischen viel drüber gesprochen, viele Menschen sind inzwischen sensibilisiert, aber das ist längst noch nicht genug.

[00:28:14.000] - Nadia Kailouli
Warum glaubst du, verschließen sich dennoch so viele Menschen vor dem Thema? Also es ist ja oft so ein bisschen Angst behaftet: "So wenn ich, ich muss dazu nichts lesen und nichts hören, weil bei mir passiert so was eh nicht in unserem Umfeld. Es passiert immer woanders, aber nicht bei uns." Ich habe das Gefühl, ist es immer noch bei ganz vielen Leuten so, dass sie sagen: "Super wichtig, macht ihr das mal, aber wir brauchen es nicht!"

[00:28:37.640] - Beate Kriechel
Ja, wenn ich die Frage beantworten könnte. Ich habe die selbst auch schon gestellt, ich habe die auch schon, das habe ich ja eben gesagt, auch bei Social Media gestellt. Ich habe auch schon die Frage gestellt Was braucht ihr, was braucht ihr eigentlich als Angehörige oder was braucht ihr als Umfeld, um euch damit auseinanderzusetzen? Und es kamen sehr, sehr spärliche Antworten. Ich kann da auch nur spekulieren. Natürlich ist das ein sehr, sehr schmerzhaftes Thema. Also was das Buch, mein neues Buch ja jetzt zum Beispiel auch zeigt, ist eben, dass das ja nicht nur die Betroffenen sind. Es gibt das Umfeld und es kann im Prinzip keiner sagen, ich kenne keinen oder ich bin von dem Thema nicht betroffen. Es gibt ja diese Zahl eins bis zwei in jeder Schulklasse, dazu gehören Angehörige. Also ich glaube, dass das so also gerade natürlich als Eltern, aber vielleicht auch als Freund, als Partnerin, als Freundin, als auch als Erzieherin sehr schmerzhaft ist, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und wer möchte das schon? Wer möchte schon hingucken oder vielleicht womöglich auch sagen müssen: "Oh, mein Kollege, oh mein Partner, oh, meine Tante ist Täter." Ich habe da auch noch keine Antwort darauf gefunden, warum das so schwierig ist. Und deswegen versuche ich halt eben auch über den Weg der Geschichten eine andere Berührbarkeit vielleicht zu bringen. Und ich glaube aber auch, dass vielleicht ein Stückweit eine Rolle spielt, dass eben ganz, ganz lange dieses typische Opferbild von Betroffenen geprägt wurde. Und da möchte sich ja niemand in die Ecke stellen lassen: "So, du bist jetzt ein Leben lang zerstört", auch wenn es oft sehr, sehr zerstörerische Folgen hat. Aber eine Antwort auf die Frage, warum die Gesellschaft als solches sich damit nicht auseinandersetzen möchte, da müsste man mal vielleicht mal Soziologen, Psychologen fragen, was sie so dazu meinen.

[00:30:12.510] - Nadia Kailouli
Also ich möchte noch gerne auf einen Punkt eingehen in deinem Buch. Und zwar sprichst du da mit einer Mutter, die so sehr in die Verantwortung gezogen worden ist, weil sie eben die Mutter ist und nicht der Vater. Und auf den Punkt würde ich gerne noch mal mit dir zu sprechen kommen. Wie ist da so grundsätzlich deine Erfahrung: Also sind es immer die Mütter, die dann hätten besser aufpassen müssen und die Väter spielen dann nicht so eine Rolle, oder?

[00:30:35.060] - Beate Kriechel
Ah, hätte ich durchweg so gesagt. Ich meine, ich kann jetzt natürlich nur aus dem Hintergrund sprechen, weil ich ja auch nicht soziologisch oder wissenschaftlich dazu arbeite, hätte ich gesagt. Und ich glaube schon, dass die Erwartung an die Mütter oft sehr viel größer ist und sehr viel stärker ist. Die Mütter sind oft die, die mit den Kindern immer noch zu Hause sind. Natürlich hat sich viel geändert, aber wie gesagt, man muss das rückwirkend betrachten, wann die Fälle aufgetreten sind vor 20, 30 Jahren. Jetzt aber habe ich ja zum Beispiel, das habe ich eben schon mal erwähnt, auch den Vater interviewt, dessen Tochter im Ferienlager war. Da war der die tragende und treibende Kraft in diesem Prozess. Die Tochter hat angerufen, er hat sofort alles in die Hand genommen, um die Kinder nach Hause zu holen, mit den anderen Eltern zusammen. Das hat sich schon auch geändert. Oder es gibt ein Ehepaar, Eltern, die ich interviewt habe. Da ist auch der Vater, der da nach außen tritt. Die Mutter sagt: "Ich bin diejenige, die unseren Sohn stützt und mein Mann Henning...", der ist ja mit dem richtigen Namen erwähnt, Henning Stein, "ist der, der in die Öffentlichkeit geht und versucht, politisch was zu bewirken." Also ich glaube schon, dass sich auch das geändert hat, also gerade wenn es eben unterstützende Angehörige sind.

[00:31:47.530] - Nadia Kailouli
Aber dennoch gibt es ja auch Familien, die daran zerbrechen, die die Erfahrungen gemacht haben: "Durch den Missbrauch in unserer Familie ist unsere Familie auch zerbrochen."

[00:31:58.720] - Beate Kriechel
Ja, die habe ich jetzt tatsächlich ja nicht interviewt, das war aber halt Zufall. Und ich meine, der Verlag hat irgendwann gesagt: "Wir sind jetzt bei 230 Seiten, mach mal einen Cut!" Ich hätte noch 15 Leute mehr interviewen können. Also das gibt es natürlich auch. Natürlich gibt es das, und auch da kann ich nur einen kurzen Abstecher machen. Wir hatten zwischendurch, ich habe zwischendurch mit einer Fachberatungsstelle, ich bin ja auch noch im Vorstand von Zartbitter, überlegt, welche Aspekte noch wichtig sind. Und da hatten wir erst die Idee, noch einen Fachartikel reinzubringen, wo es um Missbrauch durch Geschwister geht, also diese besondere Situation: Täter und Betroffene sind in einer Familie und das sind hoch schwierige Situationen. Ich meine, wie gesagt, ich bin keine Beraterin im eigentlichen Sinne, aber ich habe mit einer Beraterin von Zartbitter gesprochen, die mir, die mir diese ganze Situation in Zügen erzählt hat und gezeigt hat, welche Schwierigkeiten da sind. Ja, gerade das sind auch Situationen, wo es sehr, sehr schwierig wird. Oder die Mutter, die du eben schon erwähnt hast mit diesen beiden Kindern, da ist die Ehe auch auseinander gegangen und sie führt es auch zum großen Teil auf diese Geschichte zurück, auf die Familiengeschichte.

[00:33:05.450] - Nadia Kailouli
Ja. Und wenn man das jetzt hört, soll man bloß keine Angst bekommen zu sagen: "Oh Gott, wir können dann, ich möchte nicht, dass meine Familie kaputt geht", im Gegenteil, sondern dass man sich eher vielleicht motiviert fühlt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und eben, wenn man so ein Buch dann liest, wo Betroffene und Angehörige eben dann zu Wort kommen in deinen beiden Büchern, dass man eher merkt, okay, es gibt da Wege raus, wenn wir anfangen darüber zu sprechen und wenn wir anfangen, das aufzuarbeiten, was uns passiert ist, und zwar am besten früher als zu spät.

[00:33:34.390] - Beate Kriechel
Je früher, desto besser. Also man muss sich einfach mal klar machen, das verschwindet nicht von alleine. Also wenn man nicht drüber spricht, dann entfaltet es trotzdem seine Wirkung. Es ist glaube ich eine Illusion zu denken: "ich gehe dem aus dem Weg, ich spreche nicht drüber, also bleibt die Familie heil." Ich meine, man muss auch sagen, viele Familien waren leider ja auch nicht heil, wenn da Missbrauch stattgefunden hat. Und nein, das soll das überhaupt nicht bewirken, sondern ja, wie du sagtest, je früher man sich da Hilfe und Unterstützung holt, holen kann. Es gibt leider nicht so viele Anlaufstellen bis dato für Angehörige. Die gibt es nicht. Es gibt kaum Selbsthilfegruppen in dem Bereich, aber je früher man sich da Unterstützung, Hilfe holt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man das gut hinbekommt, sag ich jetzt mal so platt. So wie bei anderen Betroffenen eben auch, je früher da die Hilfe stattfindet, umso größer die Wahrscheinlichkeit, das es da einen guten Weg raus gibt.

[00:34:21.490] - Nadia Kailouli
Müsste man nicht auch die Therapeuten, die sich um die Betroffenen kümmern, dahingehend sensibilisieren oder vielleicht ist es auch schon so, dass die eben nach Hause mit rein tragen: Wir können hier zusammen daran arbeiten, dass es uns allen gut geht und nicht, dass es Betroffene so getriggert bekommen: "Wo liegt eigentlich der Fehler? Wie konnte es eigentlich so weit kommen? Vielleicht war meine Mutter doch nicht so aufmerksam im Turnverein."

[00:34:43.560] - Beate Kriechel
Ja, ich meine, das ist jetzt auch wieder so ein weites Feld und das so beantworten zu können. Also zum einen gibt es ja die unterschiedlichsten therapeutischen Richtungen und natürlich gibt es gute Therapeuten und es gibt weniger gute Therapeuten. Und was ich glaube, ist, dass Therapeuten schon auch, also die arbeiten ja dann mit den Betroffenen und inwieweit das richtig und korrekt ist, dass man dann auch mit den Angehörigen arbeitet in der Therapie, das glaube ich nicht. Das, was ich weiß, ist eben, die müssen ihre eigenen Therapeuten sich suchen. Ich glaube, wichtig ist es überhaupt einfach auch auf dem Schirm zu haben und das haben glaube ich schon auch viele, gerade Therapeuten, dass es da ja noch Angehörige gibt, die ebenso betroffen sind oder Fachberatungsstellen. Wenn, jetzt will ich wieder das Beispiel der Eltern nennen, die eine Fachberatungsstelle kommen, weil es einen Verdacht oder tatsächlich einen gesicherten Fall von Missbrauch gibt, Natürlich werden die da auch oft mit beraten und mit in den Blick genommen, weil die sind ja auch diejenigen, die mit den Betroffenen umgehen sollen. Was ich noch mal meinte ist eben, dass wenn dieser Prozess abgeschlossen ist und wenn dann wie gesagt die Betroffenen sich stabilisiert haben und wenn dann die eigene Geschichte dann auch hochkommt, viele Eltern, viele Angehörige haben, dann im Zuge dessen, wenn ihre Angehörigen sich stabilisiert haben, haben eigene Erinnerungen zum Beispiel an erfahrenen Missbrauch, an unausgehandelte Konflikte in ihrem Leben und da muss es ja einfach auch noch mal was geben. Und das fängt auch schon bei Informationen an, wo hole ich mir Informationen, wo finde ich Unterstützung als Angehörige? Und da würde ich das nicht so pauschal sagen, dass das Therapeuten nicht im Blick haben, aber ich glaube oft noch nicht so sehr, wie es sein muss. Das haben auch hier ein, zwei erzählt, dass sie lange unterm Radar liefen und dass dann manche erstaunt waren: "Ach ja, Moment, Sie sind ja mitbetroffen als Angehörige."

[00:36:25.180] - Nadia Kailouli
Was wünschst du dir oder was forderst du, damit Angehörige auch mehr in den Fokus geraten und sich auch gesehen fühlen vielleicht?

[00:36:33.130] - Beate Kriechel
Ja, was heißt fordern? Das ist genau das. Wir sitzen hier und sprechen heute. Also es ist schon ein Erfolg, dass wir darüber sprechen, dass das thematisiert wird. Ich sehe das ja auch noch mal als Gesamtgesellschaft. Für die Angehörigen selber wünsche ich mir, also für die, die ich kennengelernt habe und die eben unterstützende Angehörige sind, dass die genauso Hilfe bekommen wie Betroffene auch. Das hat ja auch wiederum Effekt auf das, man kann das ja nie so trennen, das hat ja auch wieder Effekte auf die Beziehung mit den Betroffenen, mit den anderen. Also das wünsche ich mir, dass es viel, viel mehr Anlaufstellen gibt, dass die tatsächlich auch wahrgenommen werden als Betroffene. Wenn ich jetzt noch mal an die Tochter dieser betroffene Mutter denke, die das wirklich auch gesagt hat: "Wir werden einfach überhaupt nicht wahrgenommen als Mitbetroffene, wo soll ich mir Hilfe holen, wo kann ich mir Hilfe holen?" Oder, die ist 18, die wird bald 19, die ist sehr, sehr jung, sehr reflektiert, die auch sagt: "Ich muss ja überhaupt erst mal auf die Idee kommen, auch Betroffene zu sein und die Anerkennung erfahren, dir ist es genauso nicht jetzt direkt widerfahren, aber du bist Mitbetroffene." Das ist ganz, ganz große Bewusstseinsarbeit, die da einfach schon mal stattfinden muss, dass man es überhaupt einfach mal wahrnimmt. Das reicht nicht, dass man sich auf die Betroffenen fokussiert, dass sie Therapie machen, dass sie wieder in die Reihe kommen, sondern es ist wichtig, eben das gesamte gesellschaftliche System sich da auch mit anzuschauen. Und das ist so, jetzt ist das, klingt es immer so ein bisschen abstrakt, das gesamte gesellschaftliche System und da spreche ich eben die jetzt noch mal die Täter Strategien an. Ich wünsche mir das auch für die Angehörigen, dass Täter Strategien viel mehr in Blick genommen wird. Es fokussiert sich wirklich sehr oft auf die Angehörigen: "Hättest du doch merken müssen", und "das hättest du doch sehen müssen." Denen wird ja oft genug noch die Schuld gegeben, oft vielen Müttern. Und da ist noch ganz, ganz viel Bewusstseinsarbeit auch zu leisten, dass man die Täter in den Blick nimmt, dass man eben sagt, die haben bewusst getäuscht, die haben bewusst die Eltern, die Partner hintergangen und dass man auch da mal hinschaut. So, das wünsche ich mir auch für die Angehörigen, ja, dass denen auch ein Stück die Schuld genommen wird, wenn sie tatsächlich da nicht Mittäter und -täterin geworden sind.

[00:38:39.880] - Nadia Kailouli
Und ich finde es super, dass du uns heute ein Stück weit dahingehend eben sensibilisiert hast, eben auch auf die Angehörigen zu gucken von Betroffenen, von sexualisierter Gewalt. Beate Kriechel, vielen, vielen Dank, dass du heute bei einbiszwei warst.

[00:38:52.720] - Beate Kriechel
Ja, ebenso, vielen Dank!

[00:38:58.220] - Nadia Kailouli
Ja, das war, glaube ich, tatsächlich das erste Mal, dass wir hier bei einbiszwei den Fokus mal auf die Angehörigen von Betroffenen gelegt haben. Und bewundernswert ist ja, dass Beate eben selbst Betroffene ist und da eben für sich irgendwann erkannt hat: "Moment mal, wir müssen eben auch mit den Angehörigen und über die Angehörigen sprechen." Deswegen gibt es jetzt hier in den Shownotes natürlich auch noch mal das Buch von Beate verlinkt, damit ihr wisst, was ihr da zu lesen habt.

[00:39:25.430] - Nadia Kailouli
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt. Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun. Eine E-mail könnt ihr einfach schreiben an presse@ubskm.bund.de

Auch für Angehörige kann Missbrauch, wenn sie davon erfahren, ein einschneidendes Erlebnis sein. Die Autorin Beate Kriechel, die selbst missbraucht wurde, hat ein Buch dazu geschrieben und Angehörigen eine Stimme gegeben. Davon erzählt sie bei einbiszwei.

Mehr Infos zur Folge

Beate Kriechel arbeitet seit über 15 Jahren als Autorin und Referentin im Themenbereich Kindesmissbrauch. Sie hat in der Kindheit selbst sexuellen Missbrauch erlebt und engagiert sich heute in unterschiedlichen Vereinen und Gruppen.

In ihrem aktuellen Buch wird deutlich: Auch Angehörige brauchen Unterstützung, Begleitung, Informationen. Auch sie wurden aus ihren bis dahin für sie tragenden Selbstverständlichkeiten und ihrem Alltag geworfen, ihre Werte und Ansichten wurden erschüttert, ihre Arglosigkeit und ihr (Grund-)Vertrauen von Tätern und Täterinnen missbraucht, getäuscht, hintergangen.

WEITERE INFOS + HILFEANGEBOTE:

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Die konnten zwei und zwei nicht zusammenzählen" –
Kinderschutz in Studium und Ausbildung integrieren
Praxisaustausch Kinderschutz in der Lehre der Sozialen Arbeit
Beate Kriechel, Impulsvortrag 20. April 2023
Zum PDF

Bücher von Beate Kriechel

Beate Kriechels Buch über ein Leben nach sexuellem Missbrauch
Mabuse-Verlag | „Für immer traumatisiert? Leben nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit”

Beate Kriechels Buch über die Auswirkungen auf Angehörige
Mabuse-Verlag | „Missbrauchtes Vertrauen – Wie sich sexualisierte Gewalt in der Kindheit auf Angehörige auswirkt”

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

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