Podcast | Folge: 72 | Dauer: 30:26

Warum brauchen „Frauenhauskinder“ besonders viel Unterstützung, Juliane Kremberg?

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[00:00:01.910] - Juliane Kremberg

Wenn Gewalt eine Strategie ist, von einem Teil der Familie mit Konflikten umzugehen, dann gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, die liegt so bei 30 bis 60%, dass sichs halt nicht nur die Gewalt gegen die Mutter, sondern auch gegen die Kinder natürlich richtet.

[00:00:17.180] - Nadia Kailouli

Hi, herzlich willkommen bei einbiszwei, dem Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Ich bin Nadia Kailouli und in diesem Podcast geht es um persönliche Geschichten, um akute Missstände und um die Frage, was man tun kann, damit sich was ändert. Hier ist einbiszwei. Schön, dass du uns zuhörst.

[00:00:41.190] - Nadia Kailouli

Rund 15.000 Kinder finden jährlich Schutz in Deutschlands Frauenhäusern. Das sind mehr Kinder als Frauen. Die meisten sind schwer traumatisiert, denn meistens sind auch sie Opfer von Misshandlungen und Missbrauch geworden. Diese Kinder haben ein Leben in Angst hinter sich. Angst um die Mutter, Angst selbst misshandelt zu werden. Für die besondere Unterstützung, die diese Frauenhaus-Kinder brauchen, sind viele Frauenhäuser nicht ausgerüstet. Juliane Kremberg von der Frauenhauskoordinierung will das ändern. Sie schafft Öffentlichkeit für die Belange der Kinder in Frauenhäusern und organisiert finanzielle Mittel. Ich freue mich sehr, dass sie heute hier ist. Herzlich willkommen bei einbiszwei Juliane Kremberg. Schön, dass du da bist.

[00:01:18.040] - Juliane Kremberg

Hallo, ich freue mich hier zu sein.

[00:01:19.430] - Nadia Kailouli

Ja, wir freuen uns auch sehr. Wir haben hier bei einbiszwei schon des Öfteren darüber gesprochen, wie es ist, wenn Frauen in ein Frauenhaus kommen. Wir haben noch nicht darüber gesprochen, wie es ist, wenn diese Frauen eben Kinder dabei haben. Und das ist ja so, kann man sagen, dein Spezialgebiet?

[00:01:35.000] - Juliane Kremberg

Das ist mein Spezialgebiet. Ganz genau. Immer wenn es um die Kinder geht bin ich dabei.

[00:01:39.080] - Nadia Kailouli

Ja, was machst du da genau?

[00:01:40.930] - Juliane Kremberg

Also ich arbeite bei Frauenhauskoordinierung und wir sind die Bundesvernetzungsstelle von ungefähr zwei Drittel der Frauenhäuser, die es gibt in Deutschland, als Referentin für Kinder in Frauenhäusern. Und was vielen nicht bewusst ist, ist, dass im Frauenhaus mehr Kinder leben als Frauen, weil 75 Prozent der Bewohnerinnen sind Mütter. Und wenn sie vor Gewalt flüchten müssen, nehmen sie natürlich ihre Kinder mit ins Frauenhaus, in Schutzunterkünfte, auch in Beratungen. Und da die Kinder natürlich sehr viel von der Partnerschaftsgewalt und häuslichen Gewalt miterleben, haben sie einen eigenen Bedarf an Unterstützung und Beratung und Begleitung und Betreuung. Und für die Mütter ist es natürlich auch wichtig, entlastet zu werden in dieser sehr, sehr schweren Zeit, in der sie versuchen, sich aus der Partnerschaftsgewalt zu lösen.

[00:02:28.870] - Nadia Kailouli

Jetzt versucht man natürlich, sich das irgendwie vorzustellen, wie das sein muss für ein Kind. Also nicht nur, dass Mama und Papa nicht mehr zusammen sind, sondern dass man dann auch sein Zuhause in dem Sinne kurzzeitig dann auch verliert und irgendwo dann unterkommt, wo zum Glück die Mama da ist, aber es ist ja nicht das zu Hause.

[00:02:50.430] - Juliane Kremberg

Ja, für Kinder ist das eine völlige Herausforderung, eine sehr große Herausforderung und Umstellung überhaupt erst mal zu verstehen: "Was passiert jetzt eigentlich gerade mit mir, aber auch mit meiner Mama? Wo gehen wir hin? Was ist überhaupt ein Frauenhaus? Wer hilft uns hier? Ach so, hier sind noch andere Kinder. Hier sind noch andere Mamas. Die haben anscheinend Ähnliches erlebt." Das ist erst mal eine ganz neue Lebensrealität für die Kinder. Oft aber auch der Moment, wo sie zum ersten Mal mitbekommen, dass häusliche Gewalt nicht normal ist. Denn die Kinder wachsen damit auf. Das sind ja oft Gewaltdynamiken, die sich über Jahre hinziehen. Psychische Gewalt, ökonomische Gewalt, physische Gewalt, digitale Gewalt, Stalking, alles was damit zusammenhängt. Und die Kinder bekommen immer kleine Ausschnitte nur mit und erleben das erst mal als ihre Normalität zu Hause. Wenn sie dann aber ins Frauenhaus kommen und einen Ort erleben, an dem es keine Gewalt gibt und auch darüber gesprochen werden kann, wie das für die Kinder war, was sie mitbekommen haben, wie schwer sich das anfühlt, jetzt vielleicht auch eine Zeit lang ohne Papa zu sein oder die Mama immer mitzuerleben, Angst um die Mama zu haben, darüber sprechen zu können, das ist eine sehr große Entlastung für die Kinder.

[00:04:00.100] - Nadia Kailouli

Aber haben die Kinder selber auch oft dann Gewalt erlebt? Sind das auch Gewaltopfer von ihrem Vater?

[00:04:06.330] - Juliane Kremberg

Ja, also es gibt Studien, die sehr gut mittlerweile den Zusammenhang zeigen von Partnerschaftsgewalt und dem Miterleben von Partnerschaftsgewalt auf die Entwicklung von Kindern. Und das ist eben erst mal, leider ist das nicht allen bekannt, aber die Kinder tatsächlich viel mitbekommen zu Hause. Es gibt eine Studie von 2004, die eben zeigt, dass 60% der Kinder die Gewaltsituation hören und sehen zu Hause. 10% der Kinder selbst in das Gewaltgeschehen mit hineingeraten. Das heißt, sie stellen sich eben vor die Mutter, versuchen sie zu schützen, rufen die Polizei. Ich spreche oft mit Kindern in Frauenhäusern, die mir dann erzählen: "Ja, das Handy habe ich immer dabei. Die Polizei habe ich auf Direktwahl." Wo das mit zum Alltag gehört, die Polizei rufen zu müssen, um die eigene Mutter zu schützen. Und das ist eine Studie, da wurden nur die Mütter befragt. Wenn man Kinder selbst befragt, dann ist die Quote eigentlich sozusagen noch viel höher von dem, was sie zu Hause mitbekommen haben. Und das Sehen und Spüren und in einer Atmosphäre der Angst groß werden, wo oft die primäre Bindungsperson, nämlich die Mutter in Gefahr und in Angst lebt, ist das eine. Das andere ist, dass sie eben versuchen, die Mutter zu schützen, zu deeskalieren, zu vermitteln, die Kinder dann natürlich auch in das Gewaltgeschehen hinein geraten und eben zum Teil natürlich auch selber dann körperliche psychische Gewalt miterleben. Wenn Gewalt eine Strategie ist, von einem Teil der Familie mit Konflikten umzugehen, dann gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, die liegt so bei 30 bis 60%, dass dies halt nicht nur die Gewalt sich gegen die Mutter, sondern auch gegen die Kinder natürlich richtet.

[00:05:42.830] - Nadia Kailouli

Juliane, jetzt muss ich einmal sagen, es ist so krass. Du bist hier gerade reingekommen, wir sprechen, ich weiß nicht, zwei Minuten oder so und du hast ja hier alles im Kopf, auch die ganzen Zahlen. Das ist ja krass. Also ich meine, du zitierst hier gerade Studien, Umfragen und so aus dem Jahr 2000, ich-weiß es nicht und hast die alle so parat im Kopf. Und ich bin gerade richtig beeindruckt von deinem Know how. Gut, sollte man natürlich auch haben, wenn man in dem Bereich arbeitet, aber man merkt so, das ist dein Thema. Du kümmerst dich da wirklich drum und dir ist es auch ein Anliegen zu gucken, wie kann man die Kinder eben, die dann mit ins Frauenhaus kommen, bestmöglich unterstützen und beraten und an deren Seite sein, ne?

[00:06:20.740] - Juliane Kremberg

Ja, also in der Frauenhausarbeit, in der Frauenberatungsarbeit und im Gewaltschutz ist es eigentlich schon lange Thema. Seitdem es Frauenhäuser gibt, bringen die Mütter ihre Kinder mit und die Frauenhäuser waren die ersten, die gesehen haben, dass eben die Kinder auch Bedarfe haben und Unterstützung brauchen und dass es eben in vielen Fällen einfach auch Kinderschutzfälle sind, würde man jetzt so sagen. Das ist zum Glück mittlerweile bei der Fachpraxis auf jeden Fall überall angekommen. Aber es ist natürlich so, dass es immer noch einen sehr großen Bedarf gibt, angrenzende Bereiche wie Schule oder Kita oder auch zum Teil Mitarbeiter:innen in Jugendämtern oder anderen Orten, wo Kinder und Jugendliche sich aufhalten, für dieses Thema Mitbetroffenheit von Kindern bei häuslicher Gewalt zu sensibilisieren. Und da ich eben selber aus der Kinder- und Jugendarbeit komme und immer schon auch geschlechterspezifische Ansätze spannend fand, finde ich eben gerade diese Verbindungslinien zwischen Frauengewaltschutz und Kinderschutz sehr, sehr wichtig. Weil wir haben so ein bisschen die Tendenz, das als getrennte Bereiche zu sehen in der sozialen Arbeit. Alle arbeiten so mit ihrer Zielgruppe. Aber das Frauenhaus ist ein Ort, wo eben sehr viele Themen zusammenkommen, Generationen zusammenkommen, das Thema Gewalt dazu kommt, dann eben viele, viele andere Themen, die Menschen halt belasten. Und da den Blick wirklich auf die Kinder zu haben, ist sehr, sehr wichtig.

[00:07:42.890] - Nadia Kailouli

Wie kümmert ihr euch denn dann um die Kinder? Wir wollen heute ganz gezielt mit dir über die Kinder eben sprechen. Was macht ihr dann? Also versucht ihr denen so gut es geht irgendwie einen neutralen Raum zu schaffen, einen spielerischen Raum zu schaffen? Also wenn ich an Kinder denke, denke ich irgendwie immer an Kleinkinder. Ich sehe im Frauenhaus komischer Weise jetzt bei mir verbildlicht keine Teenies irgendwie. Vielleicht kannst du uns da mal einen Eindruck geben, welche Kinder kommen und was ihr mit denen macht.

[00:08:07.360] - Juliane Kremberg

Ja, also wir als Frauenhauskoordinierung erheben tatsächlich jedes Jahr die Daten von den Bewohnerinnen in Frauenhäusern und eben auch den Kindern. Das heißt, dein Eindruck ist in gewisser Weise richtig. Der Großteil der Kinder ist im Kleinkindalter, weil Gewalt eben um die Geburt von Kindern und im Kleinkindalter zunimmt oder erstmalig auftaucht, weil es eine besonders belastete Situation natürlich auch ist. Auch das wissen wir aus Studien. Und das heißt, 60% der Kinder in Frauenhäusern sind unter sechs Jahren, also größtenteils im Kita-Alter. Wir haben aber eben auch 10% ungefähr sind Jugendliche im Frauenhaus, also alle Altersgruppen. Das macht es sehr, sehr herausfordernd, weil eben, wie ich schon sagte, einerseits mehr Kinder als Frauen dort sind und andererseits die Altersgruppen sehr heterogen sind und die Kinder oder die Frauen müssen ja zum Teil eben auch in andere Bundesländer oder an andere Orte flüchten, damit sie nicht gefunden werden können vom Gefährder oder vom Täter und wirklich Schutz und Sicherheit erst mal haben. Das heißt, die Kinder verlieren ihren normalen Alltag. Sie verlieren die Anbindung an Kita, an Freund:innen, an Familie und müssen erst mal neu angebunden werden. Und was die Kinderbereichsmitarbeiterinnen dann eben machen, ist, dass sie so wie man es eben auch aus der Kindertagesbetreuung kennt, es gibt Kinderräume in Frauenhäusern, die kindgerecht gestaltet sind, es gibt Außenräume für Kinder und dort wird mit den Kindern gespielt, die werden betreut, die Mütter werden entlastet. Wenn sie Termine haben, dann können die Kinderbereichsmitarbeiterinnen eben temporär die Kinder begleiten und betreuen. Aber die Kinder erhalten eben auch eigene traumasensible Unterstützungsangebote. Das können Gesprächsangebote sein, das können Gruppenangebote sein, das können Tanzangebote sein, medienpädagogische, freizeitpädagogische Angebote, gerade in den Ferien zum Beispiel in der Ferienzeit, wenn die Kinder viel da sind, dann machen die Kinderbereichsmitarbeiterinnen eben auch Ausflüge mit den Kindern oder arbeiten eben zu verschiedenen Themen, die in der Lebenswelt der Kinder wichtig sind in dieser Situation halt mit den Kindern, zum Beispiel zum Thema Gefühle. Überhaupt zu lernen, wie kann ich Gefühle ausdrücken und wie kann ich sagen, wenn mir was Angst macht, was ist mein sicherer Ort? An wen kann ich mich wenden, wenn ich Hilfe brauche? All diese Themen werden sozusagen pädagogisch begleitet und bearbeitet von den Mitarbeiterinnen, die für die Kinder zuständig sind.

[00:10:32.530] - Nadia Kailouli

Wie ist es denn, wenn ein Kind aus einer gewaltvollen Familie mit der Mutter im Frauenhaus lebt und dann auf andere Kinder trifft, die das Gleiche erlebt haben? Spielen die viel miteinander? Trauen die sich, Beziehungen sozusagen aufzubauen mit anderen Kindern oder bleibt jeder so für sich oder wächst man da irgendwie zusammen?

[00:10:53.050] - Juliane Kremberg

Also das Leben im Frauenhaus hat häufig schon so ein bisschen einen WG-Charakter. Die Frauen sind ja für sich selber zuständig, für die Versorgung der Kinder selber zuständig, fürs Einkaufen und so weiter. Aber es gibt eben Beratungs- und Begleitungsangebote. Und oft erzählen mir Frauenhaus-Kinder, dass eben der Kontakt mit anderen Kindern für sie ein ganz großer Gewinn war, weil es eben das erste Mal ist, dass sie erleben, es gibt andere Kinder, die haben Ähnliches erlebt wie sie oder vielleicht sogar Schlimmeres. Das erste Mal, dass sie direkt auch erzählen können, wie es für sie als Kinder war, bestimmte Situationen, eine bestimmte Stimmung, eine Atmosphäre, eine Angst oder so mitzubekommen. Und da schließen sich sehr, sehr schnell Freundschaften natürlich zwischen den Kindern, zum Teil auch Freundschaften fürs Leben, weil die Enttabuisierung und Entstigmatisierung von Gewalt natürlich dort überhaupt erst mal einen Platz und einen Raum hat. Das, was sie sich in der Schule oder in der Kita vielleicht nicht trauen anzusprechen, weil es eben tabuisiert ist, weil sie nicht erzählen wollen, diesen Geheimnisdruck loszuwerden und andere Kinder zu erleben, denen es ähnlich geht, ist ein ganz wichtiges Moment, was gerade Kinder als etwas ganz Schönes auch erleben. Das heißt nicht unbedingt, dass jetzt Kinder wie Erwachsene darüber reden, über ihre Gefühle reden oder wie es ihnen konkret jetzt mit bestimmten vergangenen Erinnerungen geht. Zum Teil haben die Kinder ja auch posttraumatische Belastungsstörungen oder sind traumatisiert und sind gar nicht in der Lage, überhaupt zu artikulieren oder zu verarbeiten, was passiert ist und brauchen da erst mal Unterstützung, sondern es geht tatsächlich auch ein Stück weit vor allen Dingen erst mal darum wieder Kind sein zu dürfen. Dass sie im Mittelpunkt stehen, dass sie im Zentrum stehen, dass sie Freund:innen haben können, dass sie spielen können, dass sie schöne Momente erleben können, dass sie nicht mehr permanent sich anpassen müssen an eine für sie unvorhersehbare Situation. Weil das prägt ja sozusagen das alte Zuhause, dass sie nie wissen, wenn ich nach Hause komme, wie ist Papa heute drauf? Ist heute ein guter Tag? Ist heute ein schlechter Tag? Wird es wieder laut?

[00:12:57.100] - Nadia Kailouli

Haben die Kinder denn auch durch die Mutter Gewalt erlebt? Weil ich will nicht sagen oft, ich weiß es nicht, aber wenn eine Frau in einer gewaltvollen Beziehung ist oder man kennt ja das, wer selber Gewalt erlebt, wendet Gewalt an. Gibt es Fälle von gewalttätigen Müttern im Frauenhaus, die ihrem Kind gegenüber Gewalt angewendet haben in eben schwierigen Situationen, dass sie dem Kind eben eine Ohrfeige gegeben haben oder so und jetzt in diesem Frauenhaus dann auch Arbeit geleistet wird, dass das Kind das da offen sagen darf, ohne dass man Angst haben muss, die Mutter zu verlieren zum Beispiel?

[00:13:31.320] - Juliane Kremberg

Ja, das Frauenhaus ist auf jeden Fall der Ort, wo genau darauf geschaut wird, wie ist die Mutter-Kind-Beziehung und wie ist auch die Erziehungsfähigkeit und Erziehungskompetenz der Mutter in einer oft ja jahrelang belasteten Situation, wo die Frauen, sage ich mal, durch die Gewalt, die sie erleben, durch den Partner weniger in der Lage sind, halt immer unbedingt den Blick so stark für die Kinder zu haben. Und darauf schauen die Mitarbeiterinnen sehr genau. Und es gibt eben auch Angebote für Mütter explizit zur Erziehungsberatung oder Angebote für die Stärkung der Mutter-Kind-Bindung, um eben genau sich das anzuschauen. Weil mit Sicherheit gibt es auch Fälle, in denen die Mütter zum Teil auch Gewalt gegenüber den Kindern anwenden, weil es Strategien sind, die sie eben in ihrer eigenen Familie erlernt haben oder eben auch Strategien, die ihnen begegnet sind im Umgang und dann geben sie das weiter. Also Kinder, die häusliche Gewalt miterleben, wir nennen das in der Fachsprache so, ist ein Teil sozusagen von Kindeswohlgefährdung dahingehend, als dass die Kinder häufig vernachlässigt sind, weil eben dieses andere zentrale Thema die Erziehungsfähigkeit einschränkt. Und auch dafür die Mütter zum Beispiel zu sensibilisieren, zu sagen, dein Kind hat es aber miterlebt und das macht was mit deinem Kind und es kann altersgemäß sich nicht entwickeln, wenn es die ganze Zeit Angst die Mama haben muss, dass es sozusagen auch ein Teil der Beratungstätigkeit, die in Frauenhäusern stattfindet in Bezug auf die Mutter-Kind-Bindung.

[00:14:58.520] - Nadia Kailouli

Nun ist ja ein Frauenhaus nicht ein neues Zuhause. Das ist ja eine Zwischenstation. Wie vermittelt man dann Kindern: "Du bist jetzt hier und hier ist Mama sicher, hier bist du sicher, aber ihr werdet hier nicht bleiben. Ihr werdet wieder woanders hingehen." Wie vermittelt man das einem Kind?

[00:15:14.290] - Juliane Kremberg

Ja, also da die altersgerechten Präventionsbotschaften zu senden und auch den Kindern ein Gefühl dafür zu geben für die Verortung und auch ja ihnen zu erklären: "Es ist total okay, sich Hilfe zu holen. Du bist okay, die Gewalt ist nicht okay, aber es ist okay, sich Hilfe zu holen." Genau diese Erfahrung machen sie ja im Frauenhaus. Und die Kinderbereichsmitarbeiterinnen sind dann eben genau dafür da, den Kindern zu erklären: "Das ist ein Ort, in dem du erst mal sicher bist, du und deine Mama, und in dem ihr wieder Kraft schöpfen könnt, indem ihr zur Ruhe kommt, wo ihr Schutz findet. Und hier könnt ihr gemeinsam überlegen und kann deine Mama überlegen, wie soll es weitergehen?" Das ist etwas, was die Mitarbeiterinnen sehr schnell mit den Kindern auch besprechen, weil zum Teil erzählen die Mütter, "wir fahren in Urlaub", oder wissen halt selber auch nicht, wie sie kindgerecht altersgerecht vermitteln können, was eigentlich genau jetzt stattfindet, dass sie sich eben Hilfe holen und Unterstützung und Empowerment brauchen. Und dann arbeiten die Mitarbeiterinnen, die die Mütter beraten, eben sehr stark mit den Müttern daran, sie dabei zu unterstützen, dass sie ihren eigenen Weg für die Entwicklung von einer neuen Lebensperspektive finden. Im Idealfall natürlich irgendwo angebunden an die Familie und an Unterstützungssysteme, die die Frau ohnehin schon hat, dass auch für das Kind nicht sozusagen permanent neue Orte, neue Bezugspersonen, neue Kitas, neue Freund:innen und so weiterdazukommen. Das ist aber nur begrenzt möglich, weil es viel zu wenig Frauenhäuser in Deutschland gibt, viel zu wenig Plätze, zum Teil die Frauen eben sehr weit weg müssen und wir dazu noch das Problem haben, dass die Frauen, selbst die, die vielleicht stabilisiert sind und auch wieder zu Kräften gekommen sind, sich selbst versorgen können, sich einen Job gesucht haben, was auch immer. Oft scheitert es dann daran, dass sie nicht ausziehen können wieder aus dem Frauenhaus, weil sie keine Wohnung finden. Was eben insbesondere für alleinerziehende Mütter ja eine große Herausforderung ist bei dieser Wohnungssituation. Aber den Kindern wird eben, sie erleben im Prinzip, dass es Unterstützung und Hilfe gibt für einen gewissen Zeitraum und dass der dabei helfen kann, dass es der Mama wieder besser geht. Die Kinder sagen dann so was wie: "Das ist das erste Mal, dass ich meine Mama wieder lachen sehe seit langer Zeit." Also die beobachten schon sehr stark auch die Veränderung, die die Unterstützung bei ihren Müttern mit sich bringt und dass sie dann aber auch wissen, sie müssen irgendwann wieder gehen. Und da erzählen mir die Kinder halt häufig, dass es ein sehr ambivalentes Gefühl ist, weil sie sich einerseits darauf freuen, neue Wohnung, neues Zimmer, was auch immer, neu anfangen, endlich sozusagen ein, ein Leben vielleicht hoffentlich dann ohne Gewalt. Und andererseits sagen sie aber auch immer: "Aber ich werde das Frauenhaus so vermissen. Ich werde die Mitarbeiterin XY so vermissen. Ich werde das Kind aus dem Nachbarzimmer so vermissen."

[00:18:10.860] - Nadia Kailouli

Es ist tatsächlich dann wie so im Urlaub, wenn man mit einem Kind das erste Mal so in Urlaub fährt und das Kind schon so begreift, wo es ist und reden kann und so, dann ist ja oft so ein Kind dann auch so: "Oh, ich will jetzt nicht nach Hause fahren. Es war so schön hier auf dem Bauernhof", oder ich weiß es nicht, weil man neue Kontakte geknüpft hat und eine gute Zeit hatte eben und die will man ja dann natürlich auch nicht loslassen. Das ist irgendwie ganz schön eigentlich. Auf der anderen Seite erlebt man ja auch immer Fälle von Frauen, die ins Frauenhaus kommen und merken: "Ich halte es nicht aus, ich will wieder zurück", weil oft sind ja Frauen, die zwar geschlagen werden zu Hause oder missbraucht werden von ihrem Partner weiterhin verliebt in diesen Partner und sehen ja auch so, "ich will, dass mein Kind den Papa zurück hat. Ich will eigentlich auch zurück zu ihm, weil er hat ja nicht nur die schlechte Seite, er hat ja auch die gute Seite". Und dann passiert dieses Hin und Her. Man geht ins Frauenhaus, man geht wieder zurück und dann will man wieder ins Frauenhaus, weil die Gewaltsituation hat sich zu Hause ja gar nicht verändert.

[00:19:04.160] - Nadia Kailouli

Habt ihr solche Fälle auch erlebt?

[00:19:05.600] - Juliane Kremberg

Ja, das kommt natürlich regelmäßig vor. Wir fragen das auch in unserer Statistik ab, wie häufig die Frauen vielleicht wiederkommen und ob sie sozusagen es schaffen, einen Neubeginn zu starten oder ob sie zurück in die alte Beziehung gehen. Wenn man sich mit Gewalt und Gewaltdynamiken auskennt, dann weiß man, kennt man ja quasi auch den Kreislauf der Gewalt und dass eben genau dieses so sich abkühlen und dann ist es eine Zeit lang wieder gut und dann hat man wieder Hoffnung und dann geht es sozusagen wieder in anderer Form von vorne los. Sozusagen genau das gehört ja zu dieser Gewaltdynamik. Und Mütter sind da auch mit sehr, sage ich mal, widersprüchlichen Erwartungen vonseiten der Gesellschaft konfrontiert. Weil wenn sie zu Hause in der gewaltgeprägten Partnerschaft bleiben, dann wird gesagt, "du schützt deine Kinder nicht richtig". Wenn sie aber gehen und sich Hilfe suchen, dann wird sozusagen zum Teil auch gesagt, "du kannst dich anscheinend ja nicht alleine kümmern und brauchst Hilfe und Unterstützung". Das heißt, so. Und wenn sie die Beziehung ermöglichen zum Vater, dann ist es gut. Andererseits ein Vater, der die Mutter schlägt, wie soll der denn sozusagen ein guter Vater sein, auch gegenüber den Kindern? Also das sind oft sehr, sehr schwierige Situationen, in denen die Frauen sich befinden, weswegen sie auch so ambivalent sind. Und du hast es ja schon gesagt: Niemand geht in eine Beziehung und erwartet, dass Gewalt stattfindet. Und größtenteils verspricht man sich ja auch in einer Liebesbeziehung, dass man in Guten wie in schlechten Zeiten beieinander bleiben wird, gerade auch für die Kinder. Und insofern gehört genau dieses Für-und-Wieder, abwägen, schauen, wie viel kann ich aushalten und ist der Partner vielleicht auch veränderungsbereit, ja auch sozusagen dazu, gerade in der Abwägung der Frage, Suche ich mir Schutz? Also viele Frauen in den Frauenhäusern gehen nicht für sich selbst, sondern die gehen irgendwann für die Kinder. Das ist tatsächlich oft sowohl der Grund zu bleiben in der gewaltgeprägten Beziehung als auch der Grund, sich zu befreien. Also die Kinder haben da eine ganz wichtige Rolle in diesem Thema, können Frauen es schaffen, sich aus gewaltgeprägten Beziehungen zu lösen? Oder ist eben auch eine Veränderung der Beziehungsdynamik möglich, weil die Männer Verantwortung übernehmen, weil sie sich auch Beratung und Unterstützung suchen, Täterarbeitsprogramme wahrnehmen und so weiter.

[00:21:20.030] - Nadia Kailouli

Jetzt, wenn eine Frau im Frauenhaus ist, dann ist ja noch vieles nicht geklärt. Sie ist ja erst mal, wenn man das jetzt mal so bildlich sprechen will, abgehauen von zu Hause und sucht einen Schutzraum, wo sie erst mal bleiben kann, sich sortieren kann und sich informieren kann: Wo kann ich eigentlich hin? Was steht mir eigentlich zu? Will ich mich scheiden lassen? Aber mit Kindern hat man ja dann auch noch die Sorgerechtsfrage. Und natürlich auch hat der Vater das Recht, ja auch sein Kind zu sehen. Wie ist denn das dann geregelt, wenn Kinder in einem Frauenhaus leben, aber der Vater vor der Tür steht? Weil Männer haben ja keinen Zutritt dann in das Frauenhaus.

[00:21:54.370] - Juliane Kremberg

Genau. Also Frauenhäuser sind ja meistens der überwiegende Teil, sind die Orte geheim, eben zum Schutz der Frauen, damit es eben nicht dazu kommen kann, dass Gefährder oder Täter sozusagen einfach vor dem Haus stehen. Deswegen ist die Anonymität von Frauenhäusern ja auch sehr, sehr wichtig. Nichtsdestotrotz haben natürlich Väter auch Rechte auf Umgang und Kontakt zu ihren Kindern. Und das passiert im Frauenhaus so wie außerhalb des Frauenhauses auch, dass es sehr, sehr schnell in so einem Fall einen Monat ungefähr nachdem die Frau eingezogen ist, kommt es zu dem ersten Schreiben vom Familiengericht und auch das Jugendamt wird meistens mit eingeschaltet, wo dann es um die Umgangsgestaltung geht. Und häufig gibt es dann einen Gerichtstermin, in dem vom Familiengericht her bestimmt wird, wie wird jetzt der Umgang gestaltet zum Vater? Und die Kinder im Großteil der Fälle bekommen dann sehr schnell wieder Umgangskontakte mit ihrem Vater, die begleitet werden, meistens begleitet stattfinden. Und das Problem ist eben, dass gerade diese Zeiten von Trennung sind für Frauen und Kinder eigentlich mit die gefährlichsten Zeiträume, muss man sagen, weil natürlich auch da die Kinder sozusagen als Druckmittel leider benutzt werden, häufig. Also über den weiteren Kontakt zum Thema Kinder, wer bringt, wer holt usw., ob nun Frauenhaus oder nicht, können Täter weiterhin Macht ausüben, Macht und Kontrolle.

[00:23:25.990] - Nadia Kailouli

Wie ist es denn dann, wenn ein Kind im Frauenhaus lebt mit der Mutter, das Kind hat ja weiterhin Schule oder Kindergarten. Das sind aber natürlich die Orte, die der Vater kennt. Wie schützt man dann dieses Kind am besten, dass es eben nicht von der Schule abgefangen wird oder vor der Kita oder so, sondern dass das sichergestellt wird, dass das Kind dann im Frauenhaus bei der Mutter bleiben kann. Kann man diesen Schutz bieten?

[00:23:48.130] - Juliane Kremberg

Also das ist für Fachkräfte an genau diesen Orten natürlich eine große Herausforderung. Und das sind natürlich auch die Fragen, die dann in der Praxis auftauchen. Dazu ist es halt wichtig, sich überhaupt fachlich auszukennen und zu wissen, nur mit einem Familiengerichtsentscheid über das Sorge- oder Umgangsrecht, das Familiengericht ist dafür zuständig, die zu regeln und nur wenn es dazu ein explizites Schreiben gibt, kann das Kind an die Person XY überhaupt herausgegeben werden. Andererseits ist es natürlich so, dass eben die Fachkräfte in der Kita oder in der Schule die Kinder auch nur dann gut schützen können, wenn sie halt über die Situation wissen. Und da muss man sagen, dass es leider in der Ausbildung von Fachkräften viel zu wenig Thema ist, häusliche Gewalt und Partnerschaftsgewalt, weil das eben sozusagen noch nicht so stark auch als Kinderschutz-Thema oder dieses Frauengewaltschutz-Thema als Kinderschutz-Thema auch gesehen wird. Und da kommt es dann mitunter zu sehr gefährlichen Situationen, wo dann die Polizei involviert ist oder es auch zu Inobhutnahmen kommt, die sehr, sehr schwierig sind. Und genau gerade bei der Nach-Trennungsgewalt ist es eben so, dass es da auch noch rechtlichen Regelungsbedarf gibt, um wirklich genau zu prüfen, wo und wie können Frau und auch Kinder geschützt und sicher sein? Da braucht es sozusagen unbedingt eine Nachbesserung, damit es erst mal ein transparentes Verfahren gibt von allen möglichen Beteiligten. Es ist ja oft das Familiengericht, das Jugendgericht, Verfahrensbeistände, Rechtsanwälte der Mutter, des Vaters. Also es ist eine sehr komplexe Gemengelage, um da genau zu wissen, was ist ein sicherer Ort für die Kinder, was ist ein guter Umgangskontakt? Wie kann der aussehen, sodass die Mutter auch geschützt ist? Dafür braucht es erst mal eine Gefährdungsanalyse und dafür muss natürlich auch mit den Kindern gesprochen werden, so dass denn möglich ist. Bei sehr kleinen Kindern muss man die Kinder beobachten in ihrem Verhalten gegenüber dem Vater und auch der Mutter. Wo fühlen sie sich denn sicher und wohl? Und wollen sie überhaupt zum Vater? Wollen sie überhaupt Umgang mit ihrem Vater haben?

[00:25:51.850] - Nadia Kailouli

Ja, jetzt ist es ja so, wir sind uns ja der Situation bewusst, dass nicht jede Frau, die vor Gewalt flüchtet, auch einen Zufluchtsort findet und im Frauenhaus aufgenommen werden kann aufgrund von Kapazitäten. Viele Frauen werden leider abgelehnt. Ich weiß von sämtlichen Institutionen, dass man sich bemüht, die Frauen zu vermitteln. Wie sieht das denn aber aus, wenn Frauen mit Kindern vor einem Frauenhaus steht?

[00:26:15.180] - Juliane Kremberg

Ja, das ist leider in der Praxis sozusagen. Wir sprechen da in dem Zusammenhang immer von den sogenannten besonders vulnerablen Gruppen, also eben Frauen mit vielen Kindern, Frauen zum Beispiel auch mit älteren Söhnen. Es ist so, dass in manchen Frauenhäusern gibt es eine Altersgrenze für Jungs, bis wohin die aufgenommen werden, weil es eben auch ja Schutzräume sind für Frauen, die sich zum Teil auch als feministische Räume verstehen.

[00:26:40.740] - Nadia Kailouli

Ach krass, echt. Das heißt ein Junge mit 16 zum Beispiel?

[00:26:43.980] - Juliane Kremberg

Kann in bestimmte Frauenhäuser nicht aufgenommen werden aus konzeptionellen Gründen. Genau. Wo sich dann, was dann wieder ein Grund ist, auch für eine Frau nicht Schutz zu suchen. Zum Glück hat sich da auch einiges verändert oder ist im Wandel. Viele Frauenhäuser haben inzwischen auch die Altersgrenzen für ältere Söhne sozusagen geöffnet. Andererseits ist es eben auch so, dadurch, dass die meisten Frauenhäuser ja wirklich sehr begrenzt nur Räumlichkeiten haben, leben Mütter und Kinder dann auf engstem Raum, auch mit den anderen Bewohnerinnen. Das sind nicht große Häuser mit einer Apartmentstruktur, wo jeder sein eigenes Bad, seine eigene Küche, seinen eigenen Wohnbereich hat, sondern es sind oft Gemeinschaftswohnräume, Gemeinschaftsküchen, wo es sozusagen ja auch für Ruhe und Schutz und Sicherheit nach traumatischen Erlebnissen auch wichtig sein kann, sich abzugrenzen. Da haben es eben Frauen mit Kindern und gerade mit kleinen und vielen Kindern besonders schwer auch einen Platz zu finden. Und es gibt in der Praxis auch gerade in Berlin gab es letztes Jahr wieder einen sehr schlimmen Fall, ein sehr schlimmes Beispiel, wo eben eine Frau mit sechs Kindern Schutz gesucht hat und mehrere Frauenhäuser aus Kapazitäts- und Platzgründen sozusagen sie nicht aufnehmen konnten. Und diese Frau wurde auf offener Straße getötet. Also das kam dann zu einem Femizid und sechs Kinder wachsen jetzt sozusagen ohne ihre Mütter auf. Und das ist so ein bisschen das. Das sind besonders krasse Fälle natürlich. Wir sind da auch immer recht vorsichtig damit. Andererseits macht es halt deutlich, wozu es führen kann, wenn ein bestimmtes Hilfesystem nicht entsprechend ausgebaut ist und nicht genügend Plätze wie nach der Istanbul-Konvention in Deutschland zur Verfügung stehen, dann kommt es im schlimmsten Fall zu einer zu einem Mord an einer Frau oder auch an Kindern. Auch da wissen wir bei den Kinderschutzfällen von den Jugendämtern, die stehen oft im Zusammenhang auch mit häuslicher Gewalt oder die hat in der Familie schon stattgefunden. Und wenn es da bessere Angebotsstrukturen, viel mehr Prävention in dem Bereich gäbe, mehr Ressourcen an vielen, vielen Stellen.

[00:28:42.760] - Nadia Kailouli

Ach ja, ich atme so, weil man weiß, dafür braucht es Geld. Es ist halt das, da muss der Staat halt Kohle locker machen und der Staat denkt sich gerade: „Nein, Leute, ist nicht,", vor allem jetzt gerade, ",wir haben hier keine Kohle mehr. Vor allem nicht für so was." Juliane, ich danke dir sehr, dass du uns einen Eindruck gegeben hast von deiner Arbeit, wie wichtig deine Arbeit auch ist, eben in Frauenhäusern sich ja auch um die Kinder zu kümmern, die Mütter damit auch ein Stück weit zu entlasten und zu wissen, "mein Kind ist hier jetzt auch gut aufgehoben und hier gibt es auch Menschen, die sich nicht nur mich kümmern, sondern ganz gezielt um mein Kind." Juliane Kremberg, vielen Dank.

[00:29:19.220] - Juliane Kremberg

Vielen, vielen Dank, dass ich hier sein durfte.

[00:29:25.270] - Nadia Kailouli

Ja, Juliane war, ich würde sagen, auf Zündung. Die hat richtig gute Sachen gesagt, finde ich. Man merkt ihr so an, das ist ihr Thema und wie gut, dass sie diese Sachen macht. Und ich habe mir jetzt echt gedacht, wir hatten in den letzten Folgen ja oft das Thema häusliche Gewalt hier bei einbiszwei. Und ich denke mir wirklich, liebe Frauen, wenn ihr in Beziehung kommt und schon beim ersten Anzeichen von Aggressivität, das sage ich jetzt, dazu stehe ich auch, dann verlasst den scheiß Kerl. Ernsthaft, es wird nicht besser. Das kann ja wohl nicht wahr sein.

[00:29:57.480] - Nadia Kailouli

An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bei euch bedanken, dass ihr uns so treu zuhört und dass ihr auch bei schwierigen Themen dranbleibt. Wenn ihr wollt, dann folgt uns doch gerne, abonniert unseren Kanal und wenn ihr uns persönlich einmal schreiben wollt, dann könnt ihr das natürlich sehr gerne tun. Eine E-Mail könnt ihr einfach schreiben an presse@ubskm.bund.de.

Mehr Infos zur Folge

Täglich erleben Frauen körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt – ganz gleich wie alt sie sind, welcher Schicht sie angehören oder woher sie kommen. Die Gewalt findet in der Partnerschaft statt, im Berufsleben oder in der Öffentlichkeit.

Frauenhäuser und Fachberatungsstellen bieten diesen Frauen Schutz vor weiterer Gewalt. Sie helfen ihnen, die Folgen von Gewalt und Missbrauch zu überwinden und ein gewaltfreies Leben aufzubauen.

Allerdings sind Frauenhäuser bei knappen Ressourcen oft nicht dafür ausgerüstet, gewaltbetroffene Kinder und Jugendliche passgenau und traumasensibel zu unterstützen.

Seit 2 Jahren gibt es nun eine Referentin für Kinder im Frauenhaus, um genau das zu ändern, Juliane Kremberg von der Frauenhauskoordinierung.

Sie schafft Öffentlichkeit für die Belange der Kinder in Frauenhäusern, organisiert finanzielle Mittel, sorgt für Fachpersonal, Strukturen und Behandlung.

Sie sagt: „Der Fokus war einfach lange auf den Frauen, bei der Entwicklung der Frauenhäuser. Erst in den letzten 10-15 Jahren hat sich ein Bewusstsein dafür herausgebildet, dass auch die Kinder meist dieselbe, oft auch sexuelle, Gewalt erfahren wie die Mütter und dass es wichtig ist, auch hier einzugreifen, damit die Probleme nicht über Generationen immer weitergegeben werden.“

LINKSAMMLUNG:

Die Frauenkoordinierung auf Instagram
@frauenhauskoordinierung_ev

Website der Frauenhauskoordinierung
frauenhauskoordinierung.de

Fachkräfteportal zum Thema Kinder & Häusliche Gewalt
Sicher-Aufwachsen.org

Fachartikel (PDF) | Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im Frauengewaltschutz
Fachinformation: Parteilich (auch) für Kinder

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

einbiszwei@ubskm.bund.de