Berlin, 26.03.2025. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie wurde heute in Berlin der Deutsche Kinderschutzpreis an Dr. Christine Bergmann verliehen. Die Deutsche Kinderschutzstiftung Hänsel+Gretel und ihre Partnerorganisationen ehren damit die wegweisende Arbeit von Dr. Christine Bergmann, Bundesfamilienministerin a. D. und erste Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (2010-2011). Die Auszeichnung würdigt ihre jahrzehntelangen Verdienste im Kinderschutz – von ihrem politischen Einsatz für ein gewaltfreies Aufwachsen bis hin zu ihrem unermüdlichen Engagement für die Rechte Betroffener sexualisierter Gewalt.
Regisseurin und Schauspielerin Karoline Herfurth überreichte den Preis und betonte in ihrer Laudatio, Christine Bergmann habe gezeigt, was es bewirkt, wenn wir als Gesellschaft Verantwortung übernehmen und den Schutz von Kindern und Jugendlichen an erste Stelle setzen.
Auch Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus würdigte die Preisträgerin: „Ich freue mich von ganzem Herzen, dass der Kinderschutzpreis in diesem Jahr an Christine Bergmann geht! Sie hat sich in ihrer gesamten politischen Laufbahn für den Schutz von Kindern vor jeder Form von Gewalt eingesetzt. Als Bundesfamilienministerin hat sie sich mit dem Gewaltschutzgesetz ebenso einen Namen gemacht wie als erste Missbrauchsbeauftragte mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals von 2010. Ihr verdanken wir, dass Kinder nicht mehr geschlagen werden dürfen und dass Betroffene von sexueller Gewalt heute eine Stimme in der Gesellschaft haben – und mit ihrem Expertenwissen in politische und gesellschaftliche Prozesse einbezogen werden. Christine Bergmann ist es, die diesen enormen politischen und gesellschaftlichen Perspektivwandel maßgeblich möglich gemacht hat.“
Auch die jüngste politische Entwicklung sei, so Claus, eng mit Bergmanns Wirken verknüpft. Das UBSKM-Gesetz, das noch in dieser Legislatur beschlossen werden konnte, stärke nicht nur das Amt der Missbrauchsbeauftragten, sondern auch die Mitsprache von Betroffenen in politischen Entscheidungsprozessen – ein Anliegen, das Bergmann bereits am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ im Jahr 2010 formuliert hatte.
Der festliche Abend setzte sich mit dem Fachgespräch „Zukunftsblick Kinderschutz“ fort, bei dem Kerstin Claus an der Seite anderer Expert:innen die Herausforderungen und Perspektiven des Kinderschutzes in Deutschland diskutierte. Die von Schauspieler Steffen Groth moderierte Runde beleuchtete unter anderem die Notwendigkeit eines Perspektivwechsels in der politischen Debatte: Der Schutz von Kindern und die Umsetzung der Kinderrechte dürften nicht länger als „nice-to-have“ betrachtet werden, sondern müssten als unverhandelbare gesellschaftliche Priorität verstanden werden.
Die Expert:innen machten auf akuten Reformbedarf aufmerksam – etwa im Bereich der überlasteten Jugendämter oder bei der Prävention digitaler sexualisierter Gewalt. Dabei sei insbesondere eine kindzentrierte Haltung notwendig, die sich in langfristigen politischen Entscheidungen widerspiegeln müsse. Karoline Herfurth fand in ihrem abschließenden Appell klare Worte: „Gerade jetzt, wo sich die Politik in Deutschland neu sortiert habe und viele – vermeintlich wichtigere – Themen auf der Agenda stehen, darf es keinen Zweifel daran geben, was über allem stehen muss: die Zukunft unserer Kinder und damit die Zukunft unserer Gesellschaft als Ganzes.“
Der Deutsche Kinderschutzpreis prämiert Menschen, Initiativen und Projekte, die sich durch besondere Leidenschaft, Kreativität und Professionalität im Kinderschutz auszeichnen. Die Jury bewertet herausragende Beiträge, die den Kinderschutz in Deutschland vorantreiben und politische sowie gesellschaftliche Impulse setzen. Der Preis hat keinen festgelegten Vergaberhythmus, die Jury berät mindestens zweimal im Jahr.
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