Berlin/Köln, 01.04.2025. Heute fand im Maternushaus Köln der Fachtag „augenauf: hinsehen und schützen“ statt, der sich intensiv mit der Prävention sexualisierter Gewalt in Kirche und Gesellschaft auseinandersetzte. Ein zentrales Thema war die Präsentation der aktuellen Wirksamkeitsstudie zur Präventionsarbeit „Kann Prävention wirken?“ der fünf katholischen (Erz-)Bistümer Nordrhein-Westfalens. Organisiert wurde der Fachtag von den Stabsstellen Prävention der Erzbistümer Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn, Gastgeberin war die Stabsstelle Prävention des Erzbistums Köln. Über 300 Präventionsfachkräfte und Interessierte diskutierten, wie der Schutz von Kindern, Jugendlichen und hilfebedürftigen Erwachsenen weiter verbessert werden kann.
Die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), Kerstin Claus, nahm am Podiumsgespräch teil und betonte die Bedeutung der aktuellen Erkenntnisse und ihre Relevanz für die weitere Entwicklung effektiver Präventionsmaßnahmen: „Ich freue mich sehr, dass die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen nicht nur eine Studie zur Wirksamkeit von Prävention in Auftrag gegeben haben, sondern jetzt auch einen Fachtag zum Thema veranstalten. Die Studie zeigt, wie wichtig die Evaluation der eigenen Präventionsarbeit für die Qualitätsentwicklung ist. Nur der kritische Blick auf Lücken und Entwicklungsbedarfe führt dazu, tatsächlich eine Kultur der Achtsamkeit und Verantwortungsübernahme zu schaffen. Nur wenn Schutzkonzepte immer wieder angepasst und mit allen Beteiligten neu reflektiert werden, kann sexuelle Gewalt frühzeitig angesprochen und eher erkannt und beendet werden.“
Das Forschungsprojekt wurde vom Institut für Soziale Arbeit (ISA) Münster und dem Forschungszentrum SOCLES (Heidelberg/Berlin) durchgeführt. Seit Mai 2023 untersuchten die Wissenschaftler:innen systematisch, wie erfolgreich die vielfältigen Präventionsmaßnahmen der letzten zwölf Jahre in kirchlichen Gemeinden, Kitas, Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wirken. Durch repräsentative Online-Befragungen und Workshops wurden die Perspektiven von Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Kindern, Jugendlichen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen erfasst.
Zentrale Ergebnisse der Studie bestätigen, dass Prävention in der katholischen Kirche wirksam verankert und qualitativ weiterentwickelt wurde. Für das Forschungsteam um Milena Bücken und Professor Dr. Christian Schrapper (ISA) sowie Dr. Thomas Meysen (SOCLES) steht fest, dass sich die große Mehrheit kirchlicher Akteur:innen ihrer Verantwortung stellt und entschieden hinter den Anstrengungen steht, sexuelle Übergriffe aufzuarbeiten und zu verhindern. Allerdings zeigen die Ergebnisse auch, dass gerade Betroffene sowie Kinder und Jugendliche die Wirksamkeit und Tragfähigkeit der aktuellen Schutzkonzepte kritisch einschätzen. So äußerten sich junge Menschen besorgt darüber, ob ihre Interessen und Grenzen in den etablierten Strukturen tatsächlich ausreichend ernst genommen und geschützt werden. Das Forschungsteam empfiehlt daher, Konzepte für echte Partizipation und verlässliche Beteiligung Betroffener weiterzuentwickeln und konsequent umzusetzen.
Auf dem Podium diskutierten neben Kerstin Claus auch Dr. Antonius Hamers, Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Bischof Michael Gerber, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Johannes Norpoth vom Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz sowie Nina Andrieshen, Vorsitzende der Kinderschutzkommission im Landtag NRW. Die Expert:innen tauschten sich offen über die bisherigen Erfolge und weiteren notwendigen Schritte aus, um Prävention langfristig zu stärken, Betroffene besser einzubinden und eine Kultur des Hinhörens und der Beteiligung zu etablieren.
Der Fachtag bot zudem vielfältige Möglichkeiten des Austauschs und der Weiterbildung. Beim „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten zahlreiche Organisationen und Institutionen, darunter Caritas, Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz sowie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ihre Projekte und Initiativen zum Kinderschutz. In praxisnahen Workshops am Nachmittag setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit den zentralen Ergebnissen und Handlungsimpulsen der Wirksamkeitsstudie auseinander, diskutierten Umsetzungsmöglichkeiten und entwickelten Perspektiven für eine noch wirksamere Präventionsarbeit.
Der Fachtag endete mit dem klaren Konsens: Prävention wirkt – aber nur, wenn sie dynamisch bleibt. Entscheidend für den Erfolg der Präventionsarbeit ist, dass Schutzkonzepte kontinuierlich überprüft, weiterentwickelt und mit den Erfahrungen von Betroffenen und Fachkräften eng verknüpft werden. Dies gelte es jetzt umzusetzen.
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