Aktuelles | 17.07.2026

CLAUS AUF LÄNDERTOUR IN BADEN-WÜRTTEMBERG: „KINDERSCHUTZ BRAUCHT GEMEINSAME VERANTWORTUNG“

Unter dem Motto „Kinderschutz geschieht vor Ort!" besuchte die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, vom 13. bis 16. Juli 2026 Baden-Württemberg – als dritte Station ihrer Ländertour.

Berlin, 16.07.2026.Vier Tage, viele Gespräche, ein klares Bild: Baden-Württemberg hat in den vergangenen Jahren einiges in den Kinderschutz investiert – in Strukturen, Netzwerke und verbindliche Standards. Kerstin Claus traf sich u. a. mit Kultusminister Andreas Jung und Petra Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit, besuchte Fachberatungsstellen und lokale Initiativen und tauschte sich mit Fachkräften aus. Ziel der Ländertour ist es, den Dialog mit den Bundesländern zu intensivieren, gute Praxis sichtbar zu machen und gemeinsam Lücken beim Schutz von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren.

Kerstin Claus: „Schutz vor sexualisierter Gewalt gelingt nur gemeinsam – mit klaren Strukturen, lebendigen Netzwerken und verbindlichen Standards. In Baden-Württemberg wird deutlich, was möglich ist, wenn Politik verlässliche Strukturen schafft, Fachpraxis, spezialisierte Fachberatung und Kommunen an einem Strang ziehen: von der landesweiten Entwicklung von Schutzkonzepten an allen Schulen seit März 2025 bis hin zu einem kommunalen Schutzkonzept, das alle Akteure in einer Gemeinde in die Verantwortung nimmt. Das ist vorbildlich und zeigt, wie viel wir voneinander lernen können."

Austausch zu Schutzkonzepten und Prävention

Den Auftakt der Reise bildete ein Workshop mit Präventionsbeauftragten des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) sowie spezialisierten Fachberatungsstellen – mit dem erklärten Ziel, konkrete Ansätze für eine bessere Kooperation zu entwickeln. Am Folgetag sprach Kerstin Claus beim 17. Kinderschutztag Baden-Württemberg in Stuttgart – einem gemeinsamen Fachtag von Innen-, Justiz-, Kultus- und Sozialministerium sowie dem KVJS-Landesjugendamt. In ihrem Impulsvortrag machte sie deutlich, warum verbindliche Standards und starke Netzwerke im Kinderschutz entscheidend sind. In weiteren Fachforen ging es um Schulen als sichere Orte, den datenschutzkonformen Informationsaustausch zwischen Kinderschutzakteuren sowie um die Frage, wie Jugendämter und Polizei enger zusammenarbeiten können, um Kinder und Jugendliche wirksamer vor sexualisierter Gewalt zu schützen. 

Betroffenenbeteiligung und Bündnisarbeit

In Esslingen besuchte die Bundesbeauftragte die Fachberatungsstelle Wildwasser und führte ein Fachgespräch zum Stand der Betroffenenbeteiligung in Baden-Württemberg. Dabei standen Fragen im Mittelpunkt, wie die Vernetzung von Betroffenen im Land gestärkt und Erfahrungen aus anderen Bundesländern genutzt werden können. In Reutlingen tauschte sich Claus bei der Fachberatungsstelle „Wirbelwind“ mit Vertreter:innen lokaler Bündnisse aus – darunter Bündnisse aus dem Ostalbkreis, Reutlingen, Rastatt und Sigmaringen – und diskutierte Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen in der Bündnisarbeit.

Kommunales Schutzkonzept in Grünkraut

Besonders beeindruckt zeigte sich Kerstin Claus vom Besuch der Gemeinde Grünkraut im Landkreis Ravensburg. Als erste Kommune in der Region hat sie, getragen von großem Engagement der Ehrenamtlichen vor Ort, ein kommunales Schutzkonzept entwickelt, dem sich alle Einrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten, verpflichtet haben. Im Gespräch mit Bürgermeister, Gemeindeverwaltung, Gemeinderat, Schule und der begleitenden Fachberatungsstelle „Brennessel“ Ravensburg wurde deutlich, wie nachhaltig ein solches Konzept wirken kann, wenn alle Beteiligten vor Ort gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Nächste Stationen der Ländertour

Nach Rheinland-Pfalz (März 2026), Nordrhein-Westfalen (April 2026) und Baden-Württemberg folgen noch Bayern (27.–29. Juli 2026) und Thüringen (27.–29. August 2026). Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sollen ebenfalls in diesem Jahr besucht werden.

Hintergrund

In 2026 gibt es fünf Landtagswahlen – eine Chance, den Kinder- und Jugendschutz in der Landespolitik nachhaltig zu verankern. Gleichzeitig sieht das im Juli 2025 in Kraft getretene „Gesetz zur Stärkung der Strukturen gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ vor, dass die Bundesbeauftragte dem Parlament regelmäßig einen Bericht vorlegt, auch zur Situation in den Ländern. Hierfür sind der Austausch und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ländern eine wichtige Grundlage. Oberste Priorität der Arbeit der Bundesbeauftragten ist es: Den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt flächendeckend zu stärken. Ein erster Bericht soll im Herbst 2026 dem Parlament übergeben werden.

Praktikumsplätze

Wir bieten regelmäßig Praktikumsplätze im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit/Social Media an.



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