PODCAST | Folge 12 | Christina Clemm

„Ein verunsicherter Mann ist schon mal ein guter Anfang.“

“Frauen wird oft unterstellt, sie würden häusliche Gewalt aus Rache anzeigen. Aus meiner juristischen Praxis kenne ich das Gegenteil: Opfer schützen die Täter,” sagt Christina Clemm. Sie ist DIE Fachanwältin für geschlechtsspezifische Gewalt in Berlin, seit mehr als 25 Jahren vertritt sie Menschen, die von sexualisierter, rassistischer, lgbtiq-feindlicher und rechtsextrem motivierter Gewalt betroffen sind. Wir haben mit Christina Clemm darüber gesprochen, wie schwer es für Frauen ist, Anzeige zu erstatten und Recht zu bekommen. Wieso Männer der Meinung sind, dass Frauen selbst schuld seien, wenn sie misshandelt werden. Warum Deutschland bei der Geschlechtergerechtigkeit eher rückschrittlich ist. Und welche Narrative zum Thema Geschlechterrollen der Krieg in der Ukraine zeigt.


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“Frauenhass und Frauenverachtung werden in der Gesellschaft geduldet. Es gibt erstarkende rechte und konservative Bewegungen, die zurück wollen in den Geschlechterrollen. Rechtsextreme Narrative sind sich weltweit einig im Antifeminismus, in absoluter Frauenverachtung. Menschen wie Trump etc. sind offen bekennende Frauenhasser,” sagt Christina Clemm bei einbiszwei. Als Rechtsanwältin erlebt sie die Auswirkungen dieses gesellschaftlich akzeptierten Antifeminismus jeden Tag. Und hat darüber auch ein Buch geschrieben - Akteneinsicht. Worum es geht, beschreibt sie so:

“Gewalt gegen Frauen ist ein alltägliches Phänomen, auch wenn sie nur selten öffentlich wird. Nach den neuesten Zahlen des BKA ist jede dritte Frau in Deutsch­land von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem (Ex-)partner getötet.

In „AktenEinsicht“ erzähle ich Geschichten von Frauen, die körperlicher und sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren.

Von den strukturellen und systematischen Schwächen der Justiz und Strafverfolgungsbehörden, die eine angemessene rechtsstaatliche Reaktion beschweren oder sogar verhindern. Wie geht man damit um, dass die Polizei einen angekündigten Mord nicht ernst nimmt? Dass man einem Richter gegenübersteht, der auf dem rechten Auge blind ist? Was macht es mit den Betroffenen, die Täter wiedersehen zu müssen und sich bohrenden Fragen zur Tat zu stellen?”

Mit Christina Clemm haben wir auch darüber gesprochen, welchen langen Weg betroffene Frauen mitunter zurücklegen, bevor sie ihren Partner anzeigen. Warum Richter:innen besser zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt geschult werden müssen. Und wie sehr “Opfermythen” die Rechtsprechung behindern.

Mehr Informationen und Hilfe-Angebote findet ihr hier:

Hier erfahrt ihr mehr über Christina Clemm: https://christina-clemm.de/ 

“Akteneinsicht. Geschichten von Frauen und Gewalt” heißt ihr Buch: https://www.kunstmann.de/buch/christina_clemm-akteneinsicht-9783956143571/t-0/

Das Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” ist ein bundesweites Beratungsangebot für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder noch erleben: https://www.hilfetelefon.de/ 

Der Weiße Ring berät Betroffene von häuslicher Gewalt online, telefonisch oder auch persönlich vor Ort: https://weisser-ring.de/haeuslichegewalt 

Die Einrichtungen der Opferhilfe beraten bundesweit Betroffene von Straftaten: https://www.hilfe-info.de/WebS/hilfeinfo/DE/HilfeUndBeratung/AnsprechpartnerUndBeratungsstellen/EinrichtungenOpferhilfe/EinrichtungenDerOpferhilfe_node.html

einbiszwei – der Podcast über sexuelle Gewalt

einbiszwei ist der Podcast über Sexismus, sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt. einbiszwei? Ja genau – statistisch gesehen gibt es in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Eine unglaublich hohe Zahl also. Bei einbiszwei spricht Gastgeberin Nadia Kailouli mit Kinderschutzexpert:innen, Fahnder:innen, Journalist:innen oder Menschen, die selbst betroffen sind, über persönliche Geschichten und darüber, was getan werden muss damit sich was ändert. Jeden Freitag eine neue Folge einbiszwei – überall, wo es Podcasts gibt. Schön, dass du uns zuhörst.

Wenn Sie Fragen oder Ideen zu einbiszwei haben:

presse@ubskm.bund.de